Gericht Polizei stellt Pädophilen im Web

Schwäbisch Hall / ELEONORE HEYDEL 06.12.2012
Das Haller Amtsgericht hat einen 51-jährigen Kreisbewohner wegen versuchten sexuellen Missbrauchs eines Kindes verurteilt. Er war der Polizei in einem Internet-Chatroom für Kinder auf den Leim gegangen.

Gleich zu Beginn der Verhandlung gibt es eine Unterbrechung: Der Verteidiger des 51-Jährigen beantragt, die Öffentlichkeit auszuschließen. Es seien persönliche Belange des angeklagten Akademikers betroffen, so Rechtsanwalt Martin Grüninger aus Stuttgart. Richter Jens Brunkhorst verlässt den Saal und verkündet wenige Minuten später die Entscheidung: Die Interessen der Öffentlichkeit seien vorrangig, die Berichterstatterin kann bleiben.

Im Januar dieses Jahres hat sich der angeklagte verheiratete Mann im Internet auf Mädchenfang begeben. Der Weg war einfach: Er besuchte den für Kinder eingerichtete Chat-Room "Knuddels" und gab sich ein vertrauenerweckendes Pseudonym: "Weihnachtsmann 14". Er traf auf "Steffi 12".

Das unbekannte Mädchen im Netz war ihm gewogen, schickte auch ein Bild von sich und zog mit ihm bereitwillig in einen anderen "Chatroom" um, in dem es keine Überwachung durch den Jugendschutz gibt.

"Steffi 12" aber war ein ausgedachtes Profil der Polizei Tuttlingen. Mit dieser Identität wollten die Beamten pädophile Männer ansprechen. Sie hatten Erfolg: Ein Mann nach dem andern tauchte im Netz auf und wollte das Mädchen zu sexuellen Handlungen vor einer Web-Cam verführen. Oder die Männer zogen sich selbst vor ihrer eigenen Kamera aus und ließen "Steffi 12" am Bildschirm zuschauen. So auch der Angeklagte.

"Er hat sich mehrfach vor seiner Web-Cam gezeigt, teilweise auch nackt", berichtet ein 32-jähriger Kriminalbeamter aus Tuttlingen. Der Zeuge beschreibt, wie er und seine Kollegen in der Identität von "Steffi 12" angesprochen wurden: "Wir wurden aufgefordert, sexuelle Handlungen an uns vorzunehmen." In erster Linie sollte sich das Mädchen unbekleidet die eigene Brust und den Unterkörper streicheln. Eine Hausdurchsuchung beim Angeklagten führte zu 154 Dateien und elf Videos mit kinderpornografischem Inhalt. Der 51-Jährige ist Wiederholungstäter und gesteht vor Gericht seine pädophile Neigung: "Ich habe festgestellt, dass ich diese Veranlagung alleine nicht meistern kann und professionelle Hilfe brauche."Er nimmt an auswärtigen Therapiesitzungen teil. Verteidiger Grüninger sieht die Taten "auf der kriminellen Ebene relativ weit unten angesiedelt". Staatsanwalt Tobias Krautwasser dagegen meint: "Er kann von Glück reden, dass hier kein Kind dahintergesteckt hat." Weil "Steffi 12" nicht real existierte, hat der 51-Jährige in diesem Fall nur einen Versuch des sexuellen Missbrauchs begangen.

Richter Jens Brunkhorst entscheidet am Ende auf eine Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Unter Auflagen wird die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Der 51-Jährige muss die bereits begonnene Therapie unbedingt fortsetzen und soll eine Geldbuße von 3.600 Euro an den Verein "Weißer Ring" zahlen.