Schwäbisch Hall Polizei bezieht Neubau in der Salinenstraße

Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran 11.09.2018
Der Umzug des Haller Polizeireviers aus dem Gräterweg in die Salinenstraße läuft seit Montag. Die Technik ist bereits umgestellt, die neue Adresse gilt ab sofort.

„Jetzt wird’s schwer“ sagt die Beamtin in Uniform und bricht das Gespräch kurzerhand ab. Sie hievt den Umzugskarton mit beiden Händen die Treppen herunter, packt ihn in einen Polizeibus. Dann kommt sie wieder hoch in den Gang, wo sie kurz durchschnaufen kann.

Einige Zimmer im Erdgeschoss des umfunktionierten Wohnhauses im Gräterweg sind bereits leergeräumt. Sie habe nun ein „tränendes und ein lachendes Auge“, meint Tanja Preuß. Es beginne schließlich etwas Neues. Die Haller Polizei verlässt nach knapp 40 Jahren die beiden Gebäude im Haller Osten und zieht in die Innenstadt.

Neben den Beamten sind es vor allem 13 Arbeiter einer Umzugsfirma, die kräftig anpacken müssen. Sie wuseln an diesem Montagmorgen durch das Reviergebäude, das für Normalbürger bislang stets verschlossen war. Heute sind die Türen offen. Auf dem Hof reihen sich Bürostühle, Tische und Schränke, die mit drei Lastern in die Salinenstraße gefahren werden. Auf Rollbrettern schieben die Arbeiter weitere Möbel nach draußen. Andere wuchten die Teile in den Laderaum, während ein drittes Team im Neubau die Möbel aufstellt.

„Kein umgemodelter Wohnbau“

„Wir werden Montag und Dienstag, vielleicht Mittwoch noch einen halben Tag, für das Gebäude im Gräterweg benötigen“, meint Thomas Heiner, Chef der Haller Polizei. In den Tagen darauf folge dann das Kripo-Gebäude In den Lehen.  Im Neubau sei die Technik nach Testphasen seit Montagmorgen bereit. „Bis 13 Uhr laufen neue und alte Wache parallel, dann schalten wir um auf den Neubau“, so Heiner.

An diesem Morgen sitzt Polizeihauptkommissar Eugen Schneider noch in der alten Leitstelle im Erdgeschoss im Gräterweg – die letzten Stunden dort. Der Arbeitsplatz daneben ist bereits abgebaut. Das, was noch übrig ist, wirkt mit großen Knöpfen und kleinen Bildschirmen wie aus einer anderen Zeit. „Die Monitore sind auch nicht ergonomisch ausgerichtet“, meint Schneider, der sich beispielsweise drehen muss, um zu sehen, was in den Zellen passiert. Im Neubau erwarte ihn eine „völlig neue Technikgeneration“, auf die er sich sehr freut. „Das ist ja schließlich auch ein echtes Polizeigebäude und kein umgemodelter Wohnbau.“

Dort, im Neubau, sitzt zur gleichen Zeit Polizeikommissar Jan Götzelmann vor der modernen Leitstelle und überwacht unter anderem Notruf und Funk. Vor ihm, im direkten Blickfeld, sind vier Monitore angebracht, darüber hängen zwei 55-Zoll-Fernseher, auf denen jeweils Bilder von neun Kameras aus dem Gebäude und dem Grundstück eingespielt werden. Direkt vor ihm ist ein Touchscreen. „Darüber kann ich beispielsweise Zellen steuern, Kontakt aufnehmen und die Spülung der Toiletten dort betätigen.“ Im alten Revier hätten die in Gewahrsam genommenen Personen selbst drücken können. Manche hätten das missbraucht, um eine kleine Überschwemmung zu verursachen.

Für eine andere Art der Steuerung ist in diesen Tagen Polizeimeister Ralf Walenski zuständig. Er ist der Umzugsmanager der Streifenbeamten und leitet die Umzugsspediteure mit den Möbeln an die richtige Stelle. „Wenn später etwas nicht passt, dann werden sich die Kollegen bei  mir beschweren“, weiß der Polizist. Seit 2017 werde geplant, in regelmäßigen Sitzungen diskutiert. „Anfangs wussten wir ja noch nicht einmal, wie das Gebäude aussehen wird, wo welche Möbel Platz haben.“ Die heiße Phase habe vor vier Wochen begonnen.

Rund 1000 Umzugskartons

Nun muss alles im Zeitplan laufen, damit von anderen Kollegen parallel der Streifendienst gestemmt werden kann. Walenski eilt von einem Ende des Gebäudes zum anderen, packt selbst an einen Tisch, um diesen hochkant durch die Tür zu drehen. Auch sonst wartet auf alle Beteiligten viel Arbeit. Rund 1000 Kisten werden transportiert, dazu für jeden der rund 90 Beamten aus dem Streifen- oder Bezirksdienst ein eigener Kleiderschrank für Ausrüstung und Uniformen, außerdem Tausende Akten und Technik. Nach und nach trudeln sie per Laster im Neubau ein. Bei sensiblen Dingen wie Waffen geschieht das in Polizeibegleitung.

Alle Einheiten unter einem Dach

Revierleiter Heiner ist zufrieden, schließlich klappt die Umschaltung der Technik samt Notruf um 13 Uhr ohne nennenswerte Zwischenfälle. Heiner freut sich nun auf die Arbeit in den neuen Räumen, die „technisch und energetisch gut ausgestattet“ seien. „Die Räume sind alle sehr hell (...) und sie haben fast bodentiefe Fenster.“ Am meisten freue er sich aber, dass nun alle Einheiten unter einem Dach sind. Für sie alle gilt ab sofort die neue Adresse Salinenstraße 18. Auf dem alten Areal will die private Eigentümerin um die beiden bisherigen Polizeigebäude herum ein neues Wohnquartier errichten.

Platz für 130 Mitarbeiter

Das Land investiert in den Neubau rund 9,5 Millionen Euro. Das teilt Michael Greiner mit. Er ist Leiter des Landesamtes für Vermögen und Bau in Heilbronn. Auf den 1700 Quadratmetern Fläche im dreistöckigen Gebäude in L-Form sollen rund 130 Mitarbeiter Platz finden.

Pläne für einen Neubau gab es bereits 2011. Damals sollten bis zu 30 Millionen Euro investiert werden. Dann trat die Polizeistrukturreform in Kraft. Anders als von einigen Akteuren erhofft, wurde Hall nicht zentraler Standort für die Polizei in den Kreisen Hohenlohe und Hall. Vielmehr wurde die Direktion zum Revier herabgestuft und dem Polizeipräsidium Aalen zugeschlagen.

Das Gebäude soll im November offiziell übergeben werden. Die Polizei plant noch einen Tag der offenen Tür im Frühjahr 2019.  thumi

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