Bühlertann Politik ohne Bier?

Fischbrötchen und kühles Bier beim politischen Aschermittwoch der FDP in Bühlertann: Ein letzter Genuss, dann wird gefastet. Foto: Karsten Dyba
Fischbrötchen und kühles Bier beim politischen Aschermittwoch der FDP in Bühlertann: Ein letzter Genuss, dann wird gefastet. Foto: Karsten Dyba
Bühlertann / KARSTEN DYBA 22.03.2014
Den Kater ausschlafen, dann tief reinbeißen in den Fischwecken, ein gutes Hefe und dann politisch vom Leder ziehen. Das ist der politische Aschermittwoch - so auch bei der FDP in Bühlertann.

Den Kater ausschlafen, dann tief reinbeißen in den Fischwecken, ein gutes Hefe und dann politisch vom Leder ziehen. Das ist der politische Aschermittwoch - so auch bei der FDP in Bühlertann.

In der nachfolgenden Fastenzeit läuft dann der Haller SPD-Landtagsabgeordnete Nikolaos Sakellariou zur Hochform auf. 40 Tage lang will er auf Alkohol und damit auch auf seinen geliebten Rotwein verzichten. "Für einen Politiker, der regelmäßig in Versuchung geführt wird, eine besondere Herausforderung."

Seine Genossen fordern nicht ganz so viel von sich ab: Sie sei zwar auch bis Ostern abstinent, erklärt die Haller SPD-Bundestagsabgeordnete Annette Sawade, genehmige sich aber sonntags eine Ausnahme.

Eine besondere Situation kennen die Europa-Abgeordneten, da ihre Wahlkreise viel größer sind. Sie trinke ohnehin wenig Alkohol, "weil ich im Wahlkreis viel mit dem Auto unterwegs bin", betont die Haller SPD-Abgeordnete Evelyne Gebhardt. Die Fahrerei diszipliniere, findet die Heidenheimerin Inge Gräßle von der CDU, "da ich meinen Führerschein noch brauche". Wenig Alkohol sei ohnehin das Beste. "Ich schlafe nämlich furchtbar schlecht, wenn ich mehr trinke."

Übrigens findet sie, dass Parlamentarier heutzutage weit weniger trinken als früher. Echter Vorreiter dieser Mode ist der Künzelsauer Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten - und das, obwohl das Bierzelt bei der CDU eine große Rolle spielt. Er bekomme schon gar nichts mehr angeboten, weil den meisten Veranstaltern schon bekannt sei, "dass ich lieber ein Glas Wasser oder Apfelsaft trinke".

Für die Grünen und die Liberalen scheint Fasten ein Thema der politischen Vernunft zu sein. In Berlin seien es nicht die Stammtische, die einen herausfordern, berichtet der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner aus Kirchberg, sondern die parlamentarischen Abende. "Es gibt aber zum Glück ganz hervorragende alkoholfreie Weißbiere - besser als jeder isotonische Energy-drink! Ansonsten gilt vor Ostern: "Bei Eiern und Geflügel aus dem Supermarktregal ist derzeit ganz generell Enthaltsamkeit angesagt."

Nicht ganz so spartanisch hält es Friedrich Bullinger, Landtagsabgeordneter der FDP aus Rot am See. "Maß und Mitte" sei sein Motto. Ein gutes Glas Wein könne man auch als Achtele genießen. Und zur Selbstbeschränkung benötige er keine Verbotsinstitution.

Gemütlich macht es sich der CDU-Landtagsabgeordnete Helmut Rüeck: "Fernseher aus, Radio aus, PC und i-Pad aus, kein ständiges Berieselungsprogramm durch die Medien - Stille erleben, zum Nachdenken kommen."

Auf eines aber will keiner unter ihnen auf längere Zeit verzichten: auf die Politik.