Schwäbisch Hall/Sotschi Haller Pokerspieler: Es ist ein Mathe-Spiel

Konzentriert sitzt Mario Burket an einem der Pokertische in einem Kasino in Sotschi.
Konzentriert sitzt Mario Burket an einem der Pokertische in einem Kasino in Sotschi. © Foto: privat
Schwäbisch Hall/Sotschi / Kerstin Vlcek 29.03.2018
Der Haller Mario Burket hat an der European Poker Tour im russischen Sotschi teilgenommen. Er erzählt von seinen ersten Pokererfahrungen und warum das Kartenspiel kein Glücksspiel ist.

Puls, Atmung und Handhaltung sind nur drei der Anhaltspunkte, die Mario Burket helfen, seine Kontrahenten beim Pokerspielen etwas einzuschätzen und hinter das Pokerface zu blicken. Der 27-Jährige, der gebürtig aus Künzelsau kommt und in Hall lebt, hat am Wochenende an der European Poker Tour im russischen Sotschi teilgenommen.

Fünf Tage lang wird dort Texas Hold’em gespielt, eine der am weitesten verbreiteten Pokervarianten. „Ich habe noch kein so langes Turnier gespielt“, erzählt er. Zehn Stunden lang hat er gleich am ersten Tag gepokert. Am zweiten Tag ist er dann ausgeschieden. „Es war eine positive Erfahrung“, ist seine Bilanz. 217. von 830 Spielern ist er geworden. Nervös war er nicht vor dem Turnier, auch nicht bei einem so großen Feld an Spielern.

Verständigung war schwierig

Eine der größten Herausforderungen war aber nicht das Spielen an sich, sondern die Verständigung. „90 Prozent der Spieler waren Russen.“ Er sei immer mit seinem Handy durch die Gegend gelaufen und habe versucht, sich mittels Übersetzungsprogramm zu verständigen. Sein Fazit ist, dass er einiges dazugelernt hat und manche Spiele beim nächsten Mal anderes bestreiten würde.

Ein Freund hat Mario Burket mit dem Kartenspiel vertraut gemacht. „Er hat mich in einen Pokerclub in Heilbronn mitgenommen und ich war sofort begeistert.“ Bei seinem ersten Turnier 2016 war er noch ziemlich aufgeregt, und der Adrenalinspiegel war hoch. „Meine Hände haben so gezittert, dass ich meine Chips gar nicht stapeln konnte. Hab sie dann einfach zu mir gescheffelt und erst nach ein paar Minuten gestapelt.“ Seitdem beschäftigt er sich täglich mit Poker. Er investiert zwischen zwei und drei Stunden Zeit, am Wochenende etwas mehr: „Es ist Übungssache.“ Er spielt Online-Poker, nimmt aber auch an Turnieren teil. Online tauschen sich die Spieler dann auch aus, Spiele werden analysiert. „So bekommt man Feedback von verschiedenen Leuten, denn man lernt beim Poker am besten von anderen.“ Professionell betreibt er Poker aber nicht, sondern aus Spaß, wie er sagt.

Dafür habe er auch gar nicht die Zeit, denn bis vergangenen Freitag hat er noch die Ausbildung zum Physiotherapeuten gemacht und kurz vor seinem Aufbruch nach Sotschi abgeschlossen.

Um ein professioneller Spieler zu werden, müsste er drei bis vier Jahre lang rund 80 Stunden in der Woche spielen. Die Aussage, dass Poker ein Glücksspiel sei, wiegelt er gleich ab. „Es stört mich, dass Pokerspieler von vielen als Zocker und Poker als Glücksspiel gesehen wird. Es ist ein mathematisches Spiel.“ Man müsse das Spiel auf lange Sicht sehen.

Es habe für ihn nichts mit gewinnen oder verlieren zu tun, sondern damit, richtige Entscheidungen zu treffen. „Klar, kann es sein, dass man in einem Spiel die bessere Hand hat, der Gegner dann aber doch noch mit der letzten Karte gewinnt.“

Jeder habe beim Spielen auch seine eigene Taktik. „Manche spielen nur hohe Karten, also Asse und Könige. Ich spiele aber auch niedrigere Karten. Ich würde mich eher als aggressiveren Spieler bezeichnen.“ Hauptsächlich werde Poker von Männern gespielt. „Ich würde schätzen, es sind zwischen 80 und 90 Prozent.“

Info Mario Burket hat durch Online-Poker bei PokerStars einen sogenannten „Main Event seat“ für das Turnier in Sotschi gewonnen. Weitere Informationen unter www.pokerstars.eu.

Instagram @hallertagblatt

Zum Arbeiten in die Schweiz

Mario Burket, geboren am 1. August 1990 in Künzelsau, hat seinen Realschulabschluss gemacht und danach eine Ausbildung zum Groß- und Handelskaufmann begonnen. Büroarbeit war aber nichts für ihn. Er hat die Ausbildung abgebrochen. Stattdessen hat er zwei Jahre lang gearbeitet. Vor drei Jahren hat er dann die Ausbildung zum Physiotherapeuten in Schwäbisch Hall angefangen. Nebenbei betreibt er Sport und erweitert stetig seine Pokerfähigkeiten. Er hat vor, zum Arbeiten in die Schweiz zu gehen, am liebsten nach Zürich, da dort Physiotherapeuten besser bezahlt werden als in Deutschland, wie er sagt. Er ist ledig. kv

Die Poker-Variante Texas Hold’em

Fünf Karten werden in die Tischmitte gelegt, die für die Pokerhand verwendet werden können. Jeder Spieler darf nicht mehr als zwei seiner Handkarten verwenden. Ziel: die höchste Poker-Kombination, der Royal Flush, Zehn bis Ass in einer Farbe. Dann kommt der Straight Flush, fünf aufeinanderfolgende Karten in einer Farbe, Poker, vier Karten des gleichen Werts, Full House, Drilling und Paar, Flush, fünf Karten einer Farbe, Straight, fünf aufeinanderfolgende Karten, Three of a Kind, drei Karten des gleichen Werts, Two Pair, zwei Paare, One Pair, zwei Karten gleichen Werts und High Card, höchste einzelne Karte.

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