Vorsorge Plötzlich fällt der Chef aus

Thomas Schleicher zeigt einen Notfallkoffer. In diesem sollten, so seine Vorstellung, wichtige Dokumente aufbewahrt werden.
Thomas Schleicher zeigt einen Notfallkoffer. In diesem sollten, so seine Vorstellung, wichtige Dokumente aufbewahrt werden. © Foto: just
Schwäbisch Hall / Jürgen Stegmaier 30.10.2018
Das Haller Unternehmen Sorglos GmbH bereitet Unternehmen für den Fall vor, dass verantwortliche Menschen unerwarteterweise nicht zur Verfügung stehen. Zentraler Ansatz ist ein Notfallkoffer.

Im Frühjahr kehrte Karl-Erivan Haub nicht von einer Skitour zurück. Der Tengelmann-Chef ist seitdem vermisst. Der Betrieb der Unternehmensgruppe, die rund 90.000 Menschen beschäftigt und zu der Marken wie Rewe, Obi und Edeka gehören, musste dennoch weitergehen.

Wenn Menschen, die hohe Verantwortung tragen, wegen Krankheit oder Tod plötzlich ausfallen, ist es von großem Vorteil, wenn die Stellvertreter oder Nachfolger wichtige Informationen schnell verfügbar haben. An diesem Punkt setzt das Unternehmen von Thomas Schleicher an. Er hat einen Notfallplan entwickelt, der vier Bausteine umfasst. Schleichers Idee beruht darauf, dass die rechtlichen Dinge geregelt werden, die Organisation der Abläufe aufrechterhalten wird, die finanziellen Aspekte geklärt sind und dass jemand bestimmt ist, der sich um diese Aspekte kümmert.

Scherben zusammenkehren

Diese Rolle eines Kümmerers hält Schleicher für zentral. „Man muss sich gut überlegen, ob dies der Ehepartner sein kann und sich genau überlegen, ob dieser die Rolle übernehmen soll“, macht Schleicher deutlich. Andererseits machte er die Erfahrung: „70 Prozent der Unternehmer sind Männer. Wenn die ausfallen, kehren meist ihre Frauen die Scherben zusammen.“

Die Idee zu diesem Geschäftsmodell hat der 40-jährige Betriebswirt infolge eines traurigen Ereignisses entwickelt: Eine Bekannte hat ihren Partner, einen Unternehmer, durch einen Motorradunfall verloren. Bis alle nötigen Informationen zusammengetragen waren, um den Betrieb fortzuführen, habe es sehr lange gedauert. Thomas Schleichers Idee ist es, einen solchen erzwungenen Übergang schneller zu vollziehen und damit die sichere Fortführung eines Unternehmens zu gewährleisten.

Zentraler Punkt ist ein Plan sowie wichtige Unterlagen, die in einem Notfallkoffer aufbewahrt werden – einerseits in einem real existierenden Koffer, andererseits in einem digitalen Datentresor.

Mit seinem Unternehmen ist der ehemalige Betriebsrentenberater 2011 gestartet. Zunächst hatte er drei Kunden, inzwischen sind es rund 300. Schleicher schätzt, dass rund 80 Prozent der Unternehmen nicht darauf vorbereitet sind, dass eine zentrale Figur plötzlich ausfällt.

Seit 2017 im Gewerbepark West

Die Zusammenstellung eines Notfallplans würde mindestens 2000 Euro kosten. Die Durchschnittskosten würden sich im Bereich zwischen 5000 und 6000 Euro bewegen.

Der Ausfall des Chefs könne auch kleine Betriebe in Schwierigkeiten bringen. Das habe die Handwerkskammer erkannt. Deshalb werde von ihr ein Notfallplan unterstützt und finanziell gefördert.

Thomas Schleicher hat seinen Betrieb in Wielandsweiler aufgebaut, im Juli 2017 ist er in den neuen Gewerbepark West gezogen, dort wo sich auch Häsele, Sigloch oder die Württembergische Drahtwarenfabrik niedergelassen haben. Die Sorgen los GmbH beschäftigt sieben Mitarbeiter.

Eher Handwerk als Konzern

Schleicher verrät, dass er die Führungsebene eines 70 000-Mitarbeiter-Unternehmens hinsichtlich einer Nachfolge- oder Vertretungsregelung betreut. Sein typischer Kunde aber sei ein Handwerksbetrieb, der fünf bis zehn Mitarbeiter beschäftigt.

Thomas Schleicher stellt sich vor, künftig ein Franchise- oder Partnerschaftsmodell anzubieten. Sein Fokus liegt darauf, das Geschäftsmodell nicht nur in Hall zu entwickeln, sondern es zu multiplizieren. Er geht davon aus, dass dadurch mehr Anlaufstellen entstehen. Daran würde es derzeit mangeln.

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