Das Baugebiet Breiteich hat sich rasant entwickelt. Damit stieg auch die Zahl der Fahrzeuge drastisch an, die von der Grohwiesenstraße auf die Westumgehung abbiegen wollen. Zu Stoßzeiten staut sich der Verkehr an der Einmündung. Damit nicht genug: Immer wieder kommt es zu Karambolagen. Der Knoten gilt als Unfallschwerpunkt.

Kreisverkehr wäre deutlich teurer

Anwohnerin und Stadträtin Monika Jörg-Unfried (Grüne) hatte bereits vor Jahren auf die Situa­tion hingewiesen. Zunächst war von der Stadt geplant, eine Ampel zu installieren, dann wurden die Vorzüge eines Kreisels erkannt – und zuletzt verworfen, da dies laut Verwaltung mit 600.000 Euro zu teuer sei. Zudem müssten die täglich mehr als 11.000 Fahrzeuge auf der Westumgehung abbremsen und wieder anfahren, obwohl sie geradeaus wollen. Das erhöhe die Umweltbelastung. Die Verwaltung hatte vor einem Jahr die Mehrheit im Gemeinderat überzeugt. Allerdings ist der Knoten bis heute nicht umgerüstet.

Gebaut wird eine schlafende Ampel

„Wir hatten eine Unterbrechung, weil das Planungsbüro gewechselt werden musste“, begründet Baubürgermeister Peter Klink am Montagabend in der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses. Jetzt seien die Pläne bereit. Reinhold Goisser, städtischer Abteilungsleiter für Tiefbau, ergänzt, dass die Verwaltung kurz vor der Vergabe der Arbeiten stehe. „Wir haben diese Lösung abgestimmt – auch in Verkehrsgesprächen mit Betroffenen.“ Im Grunde werde eine Signalanlage errichtet wie jene an der Bundesstraße 14/19 bei Kupferzell.

Die sogenannte schlafende Ampel bringt nur dann den  Verkehr auf der Westumgehung zum Stehen, wenn Fahrzeuge an der Grohwiesenstraße zu lange halten. Schleifen im Boden erkennen, dass das Abbiegen auf die Kreisstraße nicht möglich ist (siehe Info). Statt der 2018 genannten Kosten von 100.000 Euro liegt der Preis nun bei 165.000 Euro. 123.500 Euro sind im Haushalt eingestellt. Die fehlenden 41.500 Euro muss der Rat bewilligen.

Plan „funktioniert in tausend kalten Wintern nicht“

Die CDU könne das Projekt mittragen und sei für eine Beschlussempfehlung durch den Ausschuss, so Fraktions-Vize Thomas Weber. Andrea Herrmann, Grünen-Chefin, ist aber nicht überzeugt. Sie halte nach wie vor den Kreisel für die bessere Lösung. „Deshalb enthalte ich mich.“

Hartmut Baumann, Sprecher der Freien Wählervereinigung, sieht ebenso mehr Vorteile im Kreisverkehr. Beim Blick auf den Plan wundere er sich aber, dass nur Ampeln an der Westumgehung stehen, aber keine an der Ausfahrt Grohwiesenstraße eingezeichnet sind. „Der Autofahrer muss doch wissen, wann er halten muss, wann er fahren kann.“

Peter Klink erläutert, dass die Schaltung so lange den Verkehr regelt, bis alle Fahrzeuge die Schleife verlassen haben. Goisser fügt an, dass eine separate Ampel nicht nötig sei. Das genügt Baumann aber nicht. Die Autofahrer müssten doch einen Hinweis bekommen, wann sie ausfahren können. Sonst werde es weiterhin zu Unfällen kommen. „Das funktioniert in tausend kalten Wintern nicht“, schimpft Baumann. „Das ist ein Schildbürgerstreich!“

Nikolaos Sakellariou (SPD) hakt ein: „Bevor sich zu viele hier enthalten und wir keine Mehrheit für die Ampelanlage an dieser Stelle bekommen, stimme ich dafür.“ Der Sozialdemokrat hält das Vorhaben „im Grunde für sinnvoll“, auch, weil eine sparsame Lösung gefunden wurde. „Hauptsache, sie kommt schnell.“

Bedenken wegen Raser

Der Einwurf Sakellarious hilft der Verwaltung. Denn Reinhold Goisser gewinnt Zeit und korrigiert nach einem Blick in die Akten: „Auf der Baugebietsseite ist nach unserem Verständnis schon eine Ampel.“ Baumann erwidert hämisch: „Ist sie jetzt gerade gewachsen?“ Goisser antwortet: „Nein. Sie ist nicht gewachsen.“ Es handle sich eben um das selbe System wie bei Kupferzell. Und auch dort sei an der Ausfahrt eine Ampel angebracht.

Jutta Niemann (Grüne) bedauert den Wegfall des Kreisels weiterhin. Durch diesen wären Autofahrer gezwungen, abzubremsen – an einer Stelle, wo viel gerast wird. Sie fragt, ob die Ampel nicht so programmiert werden könne, dass sie bei Tempoverstößen auf Rot schaltet. Dass, so Klink, habe es früher im Bereich von Ortseinfahrten gegeben, sei aber heute nicht mehr zulässig.

Letztlich gibt der Ausschuss eine Beschlussempfehlung ab – mit 17 Jastimmen und zwei Enthaltungen von Andrea Herrmann und Jutta Niemann. Das letzte Wort hat der Gemeinderat – vermutlich in der Sitzung nächste Woche Mittwoch.

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Keine Schleifen für Rechtsabbiegespur


Der Verkehr an dem Knoten wird laut Verwaltung künftig wie folgt geregelt: Autofahrer auf der Westum­gehung können in der Regel ohne anzuhalten durchfahren. Die Ampel ist meist ausgeschaltet. Erst, wenn der nach links ausfahrende Verkehr an der Grohwiesenstraße zu lange hält, schaltet die Ampel auf der Westumgehung in beide Richtungen auf Rot. Ansonsten ist dort die Ausfahrt aus dem Baugebiet – sofern es der Verkehr zulässt – ohne Signal möglich. Auf der Rechtsabbiegespur an der Ausfahrt vom Baugebiet soll es laut Oberbürgermeister Pelgrim keine Schleifen
im Untergrund geben. Dort bleibt der Verkehr also gänzlich ohne Ampel geregelt. thumi