Obersontheim Kinderbetreuung: Zur Entlastung der Eltern

Kinder spielen im ehemaligen Hauptschulgebäude in Obersontheim. Dort sind seit Anfang 2017 alle Kleinkindgruppen zentral untergebracht.
Kinder spielen im ehemaligen Hauptschulgebäude in Obersontheim. Dort sind seit Anfang 2017 alle Kleinkindgruppen zentral untergebracht. © Foto: siba
Obersontheim / Sigrid Bauer 10.07.2018
Immer mehr Eltern nutzen die Kleinkindbetreuung der Gemeinde. Der Gemeinderat beriet über die Gebühren. Gegenüber dem Kindergartenjahr 2017/18 steigen sie nur leicht.

Der Tagesordnungspunkt zur Gebührenanpassung in der U-3-Betreuung hat einen jungen Familienvater alarmiert. In der Bürgerfragestunde der vergangenen Obersontheimer Gemeinderatssitzung trat er eloquent für eine Beibehaltung der jetzigen Elternbeiträge ein. Derzeit liegen die für ein Kind ohne Geschwister, das über die vollen sechs Stunden betreut wird, bei 284 Euro, das entspricht 80 Prozent des empfohlenen Landesrichtsatzes. Familien mit zwei und mehr Kindern unter 18 Jahren zahlen weniger. Vor zwei Jahren hat sich der Gemeinderat vorgenommen, 2018 zu entscheiden, ob die Gemeinde ab dem Kindergartenjahr 2018/2019 die Beiträge bis auf den Richtsatz anhebt. Der liegt für ein Einzelkind ab Herbst 2018 bei 365 Euro – das wäre ein immenser Sprung nach oben.

Alle Plätze belegt

Kämmerer Jonathan Richter schilderte, wie stark die Nachfrage nach der Kleinkindbetreuung angewachsen ist: „2016 hatten wir 1,5 Kleinkindgruppen, inzwischen gibt es vier U-3-Gruppen“, so Richter. Dort sind laut Rathausmitarbeiterin Susanne Hug vier Erzieherinnen und vier Kinderpflegerinnen beschäftigt. „Alle Plätze sind derzeit belegt und wir haben weitere Nachfragen. Wir sind daher gerade dabei, die Kinderkrippe auf bis zu sieben Gruppen zu erweitern“, so Hug. Dafür werden im früheren Hauptschulgebäude die Klassenzimmer im Erdgeschoss zu Gruppen- und Schlafräumen umgebaut. Mehr Gruppen bedeutet auch mehr Personal. Langfristig muss die Gemeinde das Personal auf insgesamt 14 Mitarbeiterinnen plus einen Springer erhöhen. Allerdings wird es immer schwieriger, gutes Personal zu finden. „Leider erhalten wir in letzter Zeit immer weniger Bewerbungen für ausgeschriebene Stellen“, stellt Susanne Hug fest.

Sowohl im Ü-3- wie auch im U-3-Bereich decken die Elternbeiträge nur rund zehn Prozent der tatsächlichen Kosten. Für die Kinderkrippe (U 3) erhält die Gemeinde aber Zuschüsse vom Bund und vom Land. „Wir haben hier also noch Spielraum und müssen keine kostendeckenden Gebühren verlangen wie etwa bei den Wassergebühren oder im Friedhofsbereich“, stellte Bürgermeister Siegfried Trittner in der Gemeinderatssitzung klar. Dank des Zuschusses braucht die Gemeinde nur etwa 40 Prozent der U-3-Kosten zu finanzieren, im Ü-3-Bereich ist die Lücke deutlich größer.

Rechenbeispiele für Kosten der Kinderbetreuung

Richter hat den Gemeinderäten eine Übersicht mit den Elternbeiträgen bei 80 beziehungsweise 90 und 100 Prozent des empfohlenen Richtsatzes erstellt. Eine Ein-Kind-Familie würde dann ab Herbst 292 Euro, 329 Euro oder 365 Euro zahlen. Die Steigerung von 284 Euro auf 292 Euro kommt durch den jährlich um drei Prozent angehobenen Richtsatz zustande.

Vielleicht hat der Auftritt des jungen Mannes am Anfang der Sitzung dazu beigetragen – jedenfalls war niemand von einer drastischen Preiserhöhung angetan. Dieter Glasbrenner pochte auf die Familienfreundlichkeit der Gemeinde. „Wir sollten nur die drei Prozent raufgehen“, meinte er. Auch Walter Piegsda betonte, dass Obersontheim bei seiner Familienfreundlichkeit bleiben sollte. Harry Schwerin verwies unterdessen auf die finanzielle Situation der meisten jungen Familien. „Wir sollten uns zügeln, ihre Lage zu verschärfen“, sagte er. Gerhard Schacht meinte, noch könnte sich die Gemeinde die nicht kostendeckenden Beiträge leisten. Das sahen auch alle anderen Räte so und stimmten geschlossen für die nur dreiprozentige Erhöhung.

U-3-Gebühren 2017/2018: Vergleich mit Nachbarn

Laut einer Aufstellung der Obersontheimer Verwaltung sind die Kosten für die U-3-Betreuung (Ein-Kind-­Familie, sechs Stunden Betreuung) in Vellberg mit 187 Euro am niedrigsten. Dann folgen Bühlertann mit 193,60 Euro und Bühlerzell mit 216 Euro. Frankenhardt ist mit 327 Euro deutlich teurer als Obersontheim mit derzeit 284 Euro. In Schwäbisch Hall zahlen die Eltern ebenfalls 284 Euro, in Gaildorf 342 Euro und in Crailsheim 325 Euro. siba

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