Kammermusik Piccolo-Pfiff und Fagott-Brummer

Alexander Koala (Flöte) und Julia Obergfell (Oboe).
Alexander Koala (Flöte) und Julia Obergfell (Oboe). © Foto: Ralf Snurawa
Kirchberg / Ralf Snurawa 19.07.2018

Ein homogen zusammenwirkendes Ensemble ist das „qunst.quintett“. Das bewies bereits das erste Stück am Sonntagabend im Rittersaal des Kirchberger Schlosses: Franz Danzis g-Moll-Bläserquintett. Schon der Eingangssatz verlangt von den Musikern ein Höchstmaß an Abstimmung, wird im Seitenthema die Melodie doch von Instrument zu Instrument weitergereicht.

Es entstand eine elegante Klarheit, die im langsamen Satz weiche Tönungen erfuhr. Spannungsreiches Staccatospiel im scher­zohaften Satz erschien als deutlicher Kontrast dazu, das Finale espritvoll und mitreißend.

In eine ganz andere Klangwelt entführte Samuel Barbers „Summer Music“. Klarinettist Martin Fuchs wies in seiner Moderation dem Publikum den Weg: „Drückende Schwüle“ im Süden der USA auf einer Veranda mit „schwirrenden Moskitos“. Für die entsprechende Atmosphäre sorgten schon die ersten Takte, die rondoartig wiederkehrten. Dazwischen entfaltete Julia Obergfell eine ausdrucksstarke Oboenmelodie, gefolgt von sehnsüchtigen Fagott-Vorhalten. Nach einem an Square Dance erinnernden tänzerischen Teil kam es zum ausdrucksvollen Duett von Oboe und Horn.

In György Ligetis „Sechs Bagatellen“ ist das Burleske und Kapriziöse bestimmend. In der mit „Rubato – Lamentoso“ überschriebenen Bagatelle steigern sich Seufzer zu einem dissonanten Aufschrei. Betonungsschärfen entstanden auch durch den Einsatz der Piccoloflöte. Die dritte Bagatelle zeigte graziös-schnelle, leise Figurationen.

Das Ensemble stellte in Mozarts Fantasie in f-Moll „für eine Orgelwalze“ die klangliche Strenge der Barocknachahmung sehr klar dem graziösen Ineinandergreifen der Stimmen im Stil der Wiener Klassik gegenüber. Im ersten Satz von Carl Nielsens Bläserquintett war Raphael Mannos in rundem Ton ausgebreitetes Hornsolo gegen den erregten Tonfall des Hauptthemas gestellt. Nach tänzerischen Duetten im Menuett wurden die einzelnen Instrumente im finalen Variationensatz hervorgehoben. Da durfte Alexander Koval etwa die Flötentöne flattern lassen, während Klarinettist Martin Fuchs und Fagottist Johannes Hund ausufernd eigensinnig ihre Instrumente vorführten. Folkloristisch tänzelnde wie choralartig innige Momente bestimmten daneben den Satz, der in einen brummend tiefen Fagottton mündet, der sich nur mit einem Aufsatz auf das Rohr hervorrufen lässt. Die fünf jungen Musiker bedankten sich für den begeisterten Beifall mit Lalo Schifrins „La Nouvelle Orléans“ mit fantastisch „verschmierten“ Bluestönen in der Oboe.

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