Schwäbisch Hall Pfeifen und Gebälg aus Übersee

Schwäbisch Hall / KATHRIN DREWKE 15.11.2013
Es riecht nach Holz. In der linken Ecke steht eine Säge, in der rechten stehen Werkzeugkästen, Scheinwerfer erhellen den Raum. Ein Stockwerk höher wartet das Herzstück der katholischen Kirche St. Maria in Hessental: die neue Orgel.

Es riecht nach Holz. In der linken Ecke steht eine Säge, in der rechten stehen Werkzeugkästen, Scheinwerfer erhellen den Raum. Ein Stockwerk höher wartet das Herzstück der katholischen Kirche St. Maria in Hessental: die neue Orgel.

Vier Meter hoch, sechs Meter breit, drei Meter tief und 1800 Pfeifen. "Das entspricht einer mittleren Größe", sagt Oliver Schulte. Der Orgelbauer ist seit Anfang Oktober mit zwei Mitarbeitern vor Ort. Sein Geschäftsmodell: Er nimmt Teile aus alten Orgeln und restauriert sie. Anschließend werden sie in einem neuen Gehäuse eingesetzt.

Neue Orgel in Hessental: Weihe am 8. Dezember

Die Idee kam dem Kürtener (Nordrhein-Westfalen) 2006: Er bemerkte, dass in England viele Kirchen geschlossen werden. Viele Mitglieder seien ausgetreten oder eine Sanierung der Objekte sei nicht finanzierbar.

Der Orgelsachverständige Eberhard Schulz hat von Schultes Projekt erfahren und ihn für die Kirche in Hessental beauftragt. Im März 2011 ist der Orgelbauer dann nach Clacton-on-Sea gereist - einem Küstenort circa 130 Kilometer nordöstlich von London, wo eine geeignete Orgel stand. "Mit einem Siebeneinhalbtonner haben wir alles nach Deutschland gebracht", sagt Schulte, der sich auch um die Fracht und Logistik kümmert.

Vor allem auf die technische Elemente haben es die Spezialisten abgesehen: Pfeifenwerk, Bälge und Windladen stammen aus der britischen Orgel von 1887. Diese werden ergänzt durch neue Ton- und Registertrakturen sowie einem Gehäuse, das dem modernen Innenraum der Hessentaler Kirche angepasst ist. Schulte setzt hierbei auf Mamoroptik und Glaselemente.

Das Hauptwerk steht. Nun folgen Schwell- und Pedalwerk. Neben Zink- und Bleipfeifen sind auch welche aus Holz verbaut. Die kleinsten messen circa 20 Zentimeter, die größten fünf Meter. Entscheidend für den Klang ist, wo der Aufschnitt sitzt - also der Punkt, aus dem der Ton erklingt. Je höher dieser platziert ist desto tiefer der Ton.

"Um den gesamten Klangcharakter zu erfassen, benötigt man in etwa drei Wochen", sagt Oliver Schulte. Wie sich ein Klang im Raum entwickelt, könne er nicht genau voraussagen. "Da zählen Erfahrungswerte. So kann beispielsweise ein Bodenbelag aus Teppich Töne schlucken", erklärt der Kürtener.

Das Podest, worauf die Orgel steht, sorgt allerdings für Zusatzarbeit. Der ursprüngliche Weih-Termin am Sonntag kann daher nicht eingehalten werden. Die Kirchengemeinde will dies zwei Wochen später, am 8. Dezember nachholen.