Die große Regalwand im Pfarrbüro des Pfarrhauses in der Kirchgasse ist schon prall gefüllt mit Büchern und Ordnern. Davor stehen nur noch wenige Kartons, die ausgeräumt werden müssen. Hinter dem Pfarrerehepaar Klaus Anthes und Dr. Henrike Frey-Anthes liegt sicherlich ein ziemlich umtriebiger Jahreswechsel. Schließlich wurde in der Kirchengemeinde in Kupferzell, wo die beiden in den vergangenen acht Jahren ihren Dienst versahen, Weihnachten gefeiert, dann der Abschied. Der fiel auch nicht ganz leicht – das hat Klaus Anthes bereits im Sommer vermutet, als der Wechsel bekannt gegeben wurde: „Wir haben uns in Kupferzell total wohlgefühlt.“

Vom 2. bis zum 4. Januar war der Umzug, „und am 7. Januar war Dienstbeginn“, sagt Klaus Anthes. Ein ambitionierter Zeitplan, den das Ehepaar Anthes allerdings gut wegzustecken scheint. Jedenfalls strahlt es im Gespräch wohltuende Gelassenheit, aber vor allem Neugierde und große Vorfreude auf die neuen Aufgaben aus.

Klar, am Anfang stehen zunächst viele Besprechungen und Treffen an: „Wir lernen die Menschen kennen, mit denen man künftig zu tun hat“, erklärt Henrike Frey-Anthes. Bei der Fülle an unterschiedlichen Terminen geben sich Pfarrerin und Pfarrer oftmals nur die Klinke in die Hand – ganz normal, gerade zu Beginn, versichern die beiden.

Faszinierende Kirchenräume

Derweil ist ihnen während ihrer acht Kupferzeller Jahre – und auch schon davor, während ihrer Zeit in Backnang – Schwäbisch Hall nicht unbekannt geblieben. Zum Beispiel besuchen die beiden Musikfans regelmäßig die Veranstaltungen der Konzertgemeinde im Neubau-Saal. An der Pfarrstelle in Hall seien auch die faszinierenden Kirchenräume mit ihren unterschiedlichen Möglichkeiten reizvoll, erklärt das Pfarrerpaar.

Für ihre Arbeit gehe es ihnen darum, „Kirche in der Stadt zu gestalten“. Citykirchenarbeit ist das zentrale Stichwort. Die Geschlossenheit eines dörflichen Lebens, in der es auch viele personelle Überschneidungen gibt, falle in der Stadt quasi weg. „Wo ist Kirche in der Stadt präsent? Wo gibt es Verbindungen und Anknüpfungspunkte?“, formuliert Klaus Anthes als Arbeitsfragen. Als Gemeindeberater mit systemischer Ausbildung steht der 44-Jährige immer wieder auch Kirchengemeinden zur Seite, die etwa eine Neu-Organisation stemmen müssen. In Hall spiele sicherlich das Brenzhaus als ein Haus der Kirche und der Begegnung in der Stadt, in dem auch der Diakonieverband, die Familienbildung und das Jugendwerk angesiedelt sind, eine zentrale Rolle. Dazu komme die Musik an St. Michael, die viele Menschen anspreche. Es gehe auch darum, „Gottesdienste in unterschiedlichen Formen zu feiern“, erklärt Henrike Frey-­Anthes. Die Theologin hat übrigens auch eine Zusatzausbildung als Gottesdienstberaterin und Bibelerzählerin.

„Ich habe Kirche immer als etwas Schönes und Gemeinschaftliches erlebt“, sagt Klaus Anthes. Und das soll auch in Hall gepflegt werden.

Info Der Investitur-Gottesdienst für Pfarrer Klaus Anthes und Pfarrerin Dr. Henrike Frey-Anthes ist am Sonntag,
20. Januar, um 10 Uhr in der Haller Michaelskirche. Im Anschluss gibt es einen Stehempfang im Chor.

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Paar hat sich während des Studienjahrs in Jerusalem kennengelernt


Henrike Frey-Anthes ist 44 Jahre alt und stammt aus der Nähe von Hamburg. Sie studierte Theologie und Altorientalistik in Hamburg sowie ein Jahr in Jerusalem, wo sie auch ihren Mann kennenlernte. Ab 2002 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Altes Testament am Institut für Evangelische Theologie an der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln. 2006 promovierte sie an der Universität Bonn. Der Titel ihrer Doktorarbeit: „Unheilsmächte und Schutzgenien, Antiwesen und Grenzgänger. Vorstellungen von ,Dämonen‘ im alten Israel“. Ihr Vikariat absolvierte Henrike Frey-Anthes in Backnang. 2011 ging es in die evangelische Kirchengemeinde nach Kupferzell – und nun in die Kirchengemeinde St. Michael und St. Katharina nach Hall.

Klaus Anthes ist 44 Jahre alt und kommt aus Markgröningen. Bereits früh hat er sich im CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen) und in der Jungschar engagiert. In Tübingen und Jerusalem studierte er Theologie. Sein Vikariat absolvierte er in Köln. Danach arbeitete er als PDA (Pfarrer zur Dienstaushilfe) in Backnang. Von 2011 an betreute er gemeinsam mit seiner Frau die evangelischen Kirchengemeinde Kupferzell. Zuletzt hat sich das Seelsorgerpaar auch um die Gemeinde in Kirchensall gekümmert. Nun betreut er als geschäftsführender Pfarrer gemeinsam mit seiner Frau die Haller Innenstadtgemeinde.

Zur Pfarrfamilie Anthes gehören die drei Töchter Merle (13), Lisa (11) und Finja (9). In seiner Freizeit ist Klaus Anthes gerne sportlich aktiv, er läuft und klettert. Henrike Frey-Anthes schwimmt gerne und findet ihren Ausgleich auch in der Musik: Sie spielte Geige und Waldhorn, „aber jetzt singe ich mehr“. Und das Paar besucht gerne Konzerte. blo