Schwäbisch Hall Pfarrer Christoph Baisch wird verabschiedet

Der scheidende Pfarrer Christoph Baisch und seine Ehefrau Bärbel Koch-Baisch lauschen am Sonntag gerührt den Grußworten im Chor von St. Michael in Schwäbisch Hall.
Der scheidende Pfarrer Christoph Baisch und seine Ehefrau Bärbel Koch-Baisch lauschen am Sonntag gerührt den Grußworten im Chor von St. Michael in Schwäbisch Hall. © Foto: Thumilan Selvakumaran
Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran 17.07.2018
Mehr als 200 Besucher kommen zum letzten Gottesdienst von Christoph Baisch in die Michaelskirche. Der Pfarrer wird nun Dekan in Heilbronn. Seine Ehefrau bleibt als Oberin in Hall tätig.

„Keine nervige Ermahnung, sondern vielmehr eine muntere Ermutigung zum Abschied“: Die verspricht Pfarrer Christoph Baisch am Sonntag den Gästen im fast vollständig gefüllten Kirchenschiff von St. Michael. Der 57-Jährige verlässt Hall und die Kirchengemeinde St. Michael/St. Katharina. Es ist sein letzter Gottesdienst. Die Kantorei erfüllt ihm zu Ehren die alten Gemäuer mit sanftem Gesang. Worte der Wertschätzung ergießen sich über den gebürtigen Haller im später folgenden Empfang bei fast einem Dutzend Grußworten.

Für mehr Fremdenfreundlichkeit

Bevor Baisch Richtung Heilbronn weiterzieht, wo er am Sonntag als Dekan eingesetzt wird, mahnt er in der Predigt dann doch: In einer Welt, in der die Politik vermittle, dass „das Eigene zuerst kommt“, wo Angst vor dem Fremden geschürt werde, da sei es wichtig, Fremdenfreundlichkeit zu zeigen, zusammenzustehen in der Gesellschaft. „Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene.“ Baisch vermisse etwa die Genügsamkeit, wenn Fußballprofis mit 30 Millionen Euro entlohnt werden; Toleranz, wenn nicht jeder Form von Beziehung auch die Ehe gegönnt wird; Mitgefühl, wenn bei der Flüchtlingsfrage weggeschaut wird.

Dass Baisch diese Werte in jedem Moment selbst gelebt und vermittelt hat, das können ihm die Gemeindemitglieder, Mitarbeiter und Weggefährten bescheinigen – nicht zuletzt auch seine Pfarramtssekretärin Elke Feucht, die gemeinsam mit Tochter Judith in der kabarettistischen Einlage als Doppelte „Erika Zwingli“ für heitere Momente sorgt.

Schuldekan Kurt Wolfgang Schatz spricht von der „aufopfernden Arbeit“, die Baisch geleistet hat. Nie habe es etwa Beschwerden über seinen Religionsunterricht am Berufsschulzentrum gegeben. Dekanin Anne-­Kathrin Kruse erinnert an „13 prall gefüllte Jahre“, die die Familie Baisch in Hall erlebt hat. In dieser Zeit habe das Pfarrers-Ehepaar die Fusion der Innenstadt-Gemeinden erfolgreich begleitet. Und Christoph Baisch habe „die Kirche als Teil des Lebens in der Stadt starkgemacht“.

Nun wartet ein neuer Abschnitt in Heilbronn. Ehefrau Bärbel Koch-Baisch will weiterhin als Oberin am Diak tätig sein. „Heilbronn ist nicht weit. Ich werde pendeln.“ Zusätzlich habe sie in Hall eine kleine Dienstwohnung.

Viele dankbare Erinnerungen

Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim erinnert an Reformator Johannes Brenz, der einst aus Hall vertrieben wurde. Baisch gehe freiwillig. „Wenn es wie damals nach der Stadt gegangen wäre, dann würden wir Sie nicht gehen lassen.“ Baisch werde sicher „seinen Weg der Offenheit“ in Heilbronn beibehalten.

Zurück blieben Erinnerungen an Geleistetes: neben der Fusion etwa die 850-Jahr-Feier 2006, also gleich zu Beginn der Amtszeit. Dazu gehört auch die Weihe der fünf neuen und fünf restaurierten Glocken von St. Michael. Fast pünktlich zum Abschluss folgten vergangenes Jahr die Feierlichkeiten zu 500 Jahre Reformation. Dazwischen steht eine lange Liste an erfolgreichen Projekten. Freilichtspiele-Intendant Christian Doll empfiehlt Baisch, oft zurückzukommen und dabei die Stücke auf der Großen Treppe zu besuchen. Dann könne er auf die Kirche im Hintergrund blicken. Wolfgang Engel, Geschäftsführer des Diakonieverbands, hat zwei Weisheiten parat: „Es gibt nichts Beständigeres als den Wandel. Scheiden tut aber weh.“ Und was sagt Baisch? „Nach all den Worten fällt es schwer, eigene Worte zu finden.“ Auch ihm falle der Abschied schwer. „Aber die neue Aufgabe lockt.“

Wer nun seine Aufgabe in Hall übernimmt, darüber hüllt sich die Kirchengemeinde am Sonntag noch in Schweigen. Es müssten noch einige formelle Dinge geklärt werden. Das ist wohl schnell geschehen: Am gestrigen Montag wurde die Nachfolge bekannt gegeben: das Pfarrerehepaar Anthes aus Kupferzell.

Mehrere Stationen bis zur Rückkehr nach Hall

Christoph Baisch wurde vor 57 Jahren in Hall geboren. Sein Vater war Pfarrer in Enslingen. Drei Jahre später zog die Familie nach Ulm, dann nach Stuttgart, wo ­Baisch Abitur machte und Zivildienst leistete. Danach studierte er in Tübingen, Berlin und Heidelberg. In Hayingen machte er sein Vikariat. In Heidenheim teilten sich seine Frau, die er am Ende des gemeinsamen Studiums heiratete, eine Stelle. Das Paar hat drei erwachsene Kinder und ein Enkelkind.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel