Die IT-Branche schlägt Alarm: Laut  Branchenverband Bitkom fehlen in Deutschland aktuell 55 000 IT-Spezialisten. Im Vergleich dazu: Das Gesundheitswesen klagt „nur“ über 30 000 unbesetzte Stellen.  Die demografische Entwicklung wird das Problem noch verschärfen.  Deshalb gehen die Wirtschaftsförderer unkonventionelle Wege, um die Unternehmen  zu unterstützen  und alternative Lösungsansätze zu suchen. Einer davon war das Personalfrühstück, zu dem die Erstberatungsstelle „Unternehmenswert: Mensch“, die bei der Wirtschaftsförderung  Schwäbisch Hall (WFG)  angesiedelt ist, letzte Woche ins Landhotel Kirchberg eingeladen hatte.

Kreative  Wege gehen

Das kostenlose Angebot richtete sich an Personalverantwortliche von Unternehmen und Handwerksbetrieben, die sich hier in ungezwungener Atmosphäre zur Fachkräftesuche informieren und austauschen konnten. Im Mittelpunkt standen drei Kurz-Referate, die zu Ansätzen in der Ausbildung, zu Wegen bei der Talentsuche und  zur Nutzung  betriebsinterner Quellen informieren und sensibilisieren sollten.

Heilbronn

Den Anfang machte  Oberstudienrat Matthias Bross, der angehende Fachkräfte für Energie- und Gebäudetechnik, Betriebs- und Automatisierungstechnik an der Gewerblichen Schule in Crailsheim  ausbildet. Die Crailsheimer Berufsschule gilt als Vorreiter in Sachen  Digitalisierung:  Sie ist eine von 16 Lernfabriken 4.0 in Baden-Württemberg,   an der dank finanzieller Unterstützung des Landes  und regionaler  Unternehmen vollautomatische Produktionsprozesse simuliert werden können.

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Hannover

Der Prozess wird aktuell noch weitergedacht:  über Cloud-Vernetzung  sollen auch die anderen Berufsschulen im Landkreis mit ihren  Produktions- und Abrechnungsprozessen eingebunden werden. Bross setzt sich derzeit beim Kultusministerium dafür ein, bestehende  Lehrpläne  zu überarbeiten,  nicht zeitgemäße Inhalte auszusortieren  und mehr  Unterrichtszeit für die neuen Anforderungen der Arbeitswelt 4.0 unterzubringen.   Die ersten Absolventen werden erst in ein bis zwei Jahren die Schule verlassen, die Besten von ihnen gehen in die Programmierung und haben seiner Meinung nach beste berufliche Aussichten.

In einem zweiten Vortrag  gingen Dr. Claus Hofmann und Claudia Brändle von „Connect IT Heilbronn-Franken“ auf  den Strukturwandel der Arbeitswelt, auf veränderte Berufsbilder und  Möglichkeiten der Fachkräftegewinnung ein.  Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht,  die Kommunikation zwischen Unternehmen,  Bildungseinrichtungen und potenziellen Mitarbeitern zu fördern und die regionalen IT-Akteure durch Events wie Barcamps, Job-Shuttle oder  Kooperationsangebote zu vernetzen. Brändle und Hofmann sensibilisierten  die Teilnehmer  zugleich für den Wandel, der einen Großteil der Berufsbilder  betrifft,  und für das Potenzial aus den eigenen Reihen: Die durchschnittliche IT-Fachkraft sei nämlich nicht 25 Jahre jung und käme von der Uni, sondern  Anfang 40 und  Quereinsteiger. Flexibilität und  Kreativität bei der Überwindung  personeller Engpässe mahnte auch Melanie Schlebach  an, die die Veranstaltung organisiert hatte.  Sie stellte die Methode des Lern- und Experimentierraumes vor,  einem vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Instrument, das Unternehmen bei der digitalen Transformation unterstützen soll.

Im Rahmen des Förderprogramms „Unternehmenswert: Mensch plus“ erhalten die Beschäftigten Freiräume in Form von Zeit, in der sie Innovationsprozesse anstoßen, mit möglichen Lösungen experimentieren und aus diesen lernen können. „Kurze Zyklen, schnelle Ergebnisse“ – so beschreibt  Schlebach diese Methode, die gleichzeitig einen  zweiten Nebeneffekt habe: die Ideen der Mitarbeiter zu hören und wertzuschätzen. „Wenn  Ihre Räume für die Produktion zu eng werden, dann  suchen Sie neue.  Diese Fördermaßnahme ist keine räumliche, dafür aber eine zeitliche Investition in die Zukunft“, wirbt Schlebach für das Förderprogramm  für  kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten.