Wir sind sehr froh, dass sich der Stadtrat entschieden hat, die Waldorfschule zu unterstützen“, sagt Frieder Münz. Der ehemalige Leiter der Freien Schule Anne-Sophie in Künzelsau ist heute Senior-­Experte und Vorsitzender zweier Fördervereine für die Waldorfschule in Namibia. Er schildert im Finanz- und Verwaltungsausschuss am Montag die Lage: „Namibia ist ein Land, das man unterstützen sollte. Es hat nach Südafrika die zweithöchste Differenz zwischen Arm und Reich.“ Zudem werde es von einer Wirtschaftskrise gebeutelt. Viele staatliche Schulen seien mit bis zu 75 Schülern pro Klasse überfüllt. Kinder würden abgewiesen.

Die Waldorfschule in Namibia sei alles andere als elitär. Ohne Rücksicht auf das Einkommen der Eltern würden Schüler aufgenommen. Es gebe Stipendien. Vor allem Farbige, die nun „vormals Benachteiligte“ genannt werden, würden Seite an Seite mit relativ wenigen Weißen vor allem auch eine Berufsausbildung anstreben. Die jungen Namibianer wollten im Land bleiben, um es aufzubauen.

Der Gemeinderat hat beschlossen, ein Prozent des Gewinns aus seinen Tochterunternehmen zu spenden. Nun geht es um 11.300 Euro für die Dachsanierung und die verbesserte Ausstattung der Elektro-Ausbildungswerkstatt in der Waldorfschule Windhoek. Das zweite Standbein der Namibia-­Hilfe, die Klimapartnerschaft mit der Stadt Okahandja, steht nicht zur Debatte.

Bei der Diskussion kommen die Vorgänge von vor einem Jahr erneut zur Sprache. Der OB hatte auf einer Reise nach Namibia seine Partnerin und deren Kind mitgenommen. Der Flug der Partnerin wurde zunächst über die Stadtkasse abgerechnet, was von der Revision angemahnt wurde. Pelgrim zahlte die Kosten daraufhin privat.

Lieber Projekte in der Nähe unterstützen?

„Sie haben die Entwicklungshilfe als Hobby erkoren“, merkt Ludger Graf von Westerholt, CDU-Fraktionssprecher, in Richtung OB Pelgrim gewandt an. Noch hat er als Erster das Rederecht, da er die größte Fraktion anführt. Das wird sich mit dem Wechsel von Michael Reber zur Fraktion der Freien Wählervereinigung ab Februar ändern. Dann liegen Grüne und CDU mit je acht Sitzen gleichauf. Die Hilfe für die Waldorfschule sei okay. Dennoch wünscht sich Westerholt, dass Hall lieber Projekte „in der Nähe“ unterstützen soll, die zudem mehr „in die Breite gehen“.

„Wir stehen der Sache kritisch gegenüber“, meint Joachim Härtig von den Grünen. „Wir haben ein offenes juristisches Verfahren, was nach Namibia schaut“, sagt er zu der Reisekostenabrechnung. Er stellt die Frage, ob Hall neben dem Staat und den Kirchen als weiterer Player in Afrika auftreten soll. „Unklar, diffus und kritisch ist die Haltung der Stadt zur Entwicklungshilfe. Daher lehnen wir das ab.“

Das empört SPD-Stadtrat Rüdiger Schorpp. „Wir machen keine Symbolpolitik, sondern unterstützen konkrete Dinge. Wenn sich viele Kommunen so engagieren würden, könnten wir noch mehr bewegen.“

Ruth Schmalzriedt von der Freien Wählervereinigung betont, dass man jetzt etwas ganz konkret tun könne und solle, um die Not zu lindern. FDP-Fraktionssprecher Thomas Preisendanz benutzt eine Metapher: „Was ist ein Ozean anderes als eine Menge von Tropfen?“

Schwäbisch Hall

Zweierlei Maß

Die fraktionslose Damiana Koch, die mit ihren Samba-Auftritten als Privatperson Geld für Straßenkinder in Brasilien sammelt, legt an das städtische Engagement eine andere Messlatte an. „Deutschland ist nicht mehr das Wunderland. Auch hier gibt es Armut“, sagt sie. Man könnte auch Geld zur Sanierung der Turnhalle in Steinbach gebrauchen. Das will Pelgrim nicht stehen lassen. Hall gebe Millionenbeträge für Hallensanierungen aus. „Die Partnerschaft hat auch für Hall Vorteile“, sagt er. Im Frühjahr nehmen zwei Pflegeschülerinnen aus Namibia ihre Ausbildung am Diak auf. Solche Fachkräfte würden in Deutschland benötigt.

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