Im zweiten Jahr in Folge muss sich der Oberbürgermeister öffentlicher Kritik stellen. Zum zweiten Mal geht es um einen Vorgang, der auch sein Privatleben betrifft. 2017 erhitzte der Verkauf des Hauses Sonnengarten durch die städtische GWG an seine damalige Frau die Gemüter. Heuer muss sich Hermann-Josef Pelgrim wegen einer Dienstreise mit dem Klimaschutzbeauftragen nach Namibia erklären, zu der er auch seine Freundin und deren Sohn mitgenommen hat.

Die Stadt bezahlt den Flugpreis für die Freundin. Die städtische Revision wird nach einem Tipp aufmerksam und bemängelt den Vorgang. Es kommt zum klärenden Gespräch im Regierungspräsidium (RP). Letztlich erstattet Pelgrim die Kosten nachträglich.

Die Debatte hat Folgen für die Haller SPD. Fraktionssprecher Helmut Kaiser fordert in der Ratssitzung am 4. Juli eine transparente Aufklärung. Seine Stellvertreterin Monika Jörg-Unfried geht ohne Rücksprache einen Schritt weiter. Die hauptberufliche Richterin kündigt eine Beschwerde vor dem RP an und befürchtet, dass sich die Behörde ohnehin „wegducken“ würde.  In der Beschwerde geht es nicht um das Flugticket, sondern um eine aus ihrer Sicht unzulässige Vorteilnahme, da sich Pelgrim samt Begleitung in eine Luxus-Lodge habe einladen lassen.

Es kommt zum Streit innerhalb der SPD, der teils öffentlich ausgetragen wird. Die Gräben sind letztlich zu tief. Jörg-Unfried wechselt in der Konsequenz in die Fraktion der Grünen.

Wie die Rätin vermutet hat, bemängelt das Regierungspräsidium den Namibia-Vorgang nicht. Dafür sieht aber die Staatsanwaltschaft Heilbronn einen Anfangsverdacht und leitet von Amts wegen selbstständig ein Ermittlungsverfahren gegen Pelgrim ein. Parallel gehen dort mehrere Strafanzeigen gegen den OB ein. Die Ermittlungen laufen noch