Schach Pelgrim empfängt deutsche Vizemeisterinnen

Punkt 13 / Viktor Taschner 26.03.2018

Punkt 13:38 Uhr am Sonntag platzt der Meistertraum der Haller Schachdamen. An Spielbrett 1 gratuliert die Georgierin Nino Batsiashvili, Nummer 9 der Weltrangliste und Spitzenspielerin des SK Schwäbisch Hall, der Nummer 1 der Welt. Die Chinesin Yifan Hou, in Diensten von Baden-Baden, nimmt die Glückwünsche. Kurz reden die beiden Frauen noch über die letzten Züge, während die Vertreter Baden-Badens das Siegerlächeln aufsetzen. Die Gäste aus dem Schwarzwald sichern sich in den Räumen der Haller Stadtwerke die deutsche Meisterschaft vor dem SK Hall, der in der 2017 ganz oben stand.

Trotz der Vizemeisterschaft können die sechs Weltklasse-Spielerinnen rund drei Stunden später schon wieder lächeln. Halls Obermeistermeister Hermann-Josef Pelgrim empfängt das Team im Ratssaal, einige Stadträte und Sponsoren sind gekommen. Batsiashvili und ihre fünf Kolleginnen werden von Pelgrim vorgestellt. Zweimal Georgien, und jeweils einmal Russland, Türkei, Litauen und Rumänien nennen die Spielerinnen als ihre Heimatländer. Insgesamt hat der SK in dieser Saison Spielerinnen aus elf Nationen eingesetzt. Die besten Spielerinnen der Welt messen sich regelmäßig in der deutschen Bundesliga. Es ist der Ort, der Schachfans aus aller Welt per Internetübertragungen in den Bann zieht.

600 Millionen Schachspieler gebe es weltweit, klärt Pelgrim die Gäste auf, der seine frei und launig vorgetragene Rede auf Deutsch und Englisch hält.

Stellvertretend für alle spricht die älteste im Team, Ekaterina Atalik, ihren Dank an den Club aus. Wenn sie in der Türkei gefragt werde, wohin sie nach Deutschland reist, dann wissen ihre Gesprächspartner meistens nicht, wo Schwäbisch Hall liegt. „Wenn sie dann googlen und die Bilder sehen, sind sie begeistert“, erzählt Atalik. Das Team schätze, dass die Betreuer um Gregor Krenedics, Thomas Marschner und Mario Meinel sich um sie kümmern. „Wir kommen gerne hierher, weil wir uns alle sehr gut verstehen. Ich habe schon für viele Vereine gespielt, aber das ist das beste Team, für das ich je gespielt habe“, gibt Atalik zu. Die Türkin hofft, dass Schach in Deutschland populärer wird. „Vielleicht tragen wir durch unseren Erfolg hier im kleinen Schwäbisch Hall etwas dazu bei.“

Dass Schach ein weltweiter Sport ist, belegt auch Betreuer Mario Meinel mit einer Anekdote. Der Mann von Halls zweiter Georgierin, Lela Javakhishvili, betreibe die populärste Schach-Website in russischer Sprache. Thomas Marschner schicke die Berichte der Haller Damen in englischer Sprache an diese Internetseite. „Dadurch weiß auch Putin, wo Schwäbisch Hall liegt“, scherzt Meinel.

Unterstützer Johannes van Bergen, ehemaliger Stadtwerke-Chef, verdeutlicht auch, dass bei den Frauen ein Mannschaftsgeist verwachsen ist. „Sie fühlen sich so wohl, weil sie gut betreut werden“, so van Bergen. Baden-Baden sei am Ende seiner Favoritenrolle gerecht geworden. „Wir werden nächstes Jahr wieder angreifen“, sendet Atalik schon die Kampfansage für die kommende Saison in Richtung Schwarzwald.

Die Allerbesten sind zu Gast in Hall

Der Spielplan der Frauenbundesliga hat den Showdown geliefert. Am letzten Spieltag trafen am Sonntag der SK Hall und die OSG Baden-Baden aufeinander. Mit einem Unentschieden hätte Hall den deutschen Meistertitel schon verteidigt. Aber Baden-Baden nominierte drei der ersten Sechs der Weltrangliste, unter anderem die Nummer 1 Yifan Hou aus China, die überhaupt erst ihr erstes Spiel in dieser Saison für Baden-Baden absolvierte. Als drei Partien schon beendet waren, lag Hall schon mit 0,5 zu 2,5 hinten. In den restlichen drei Spielen, hätten es zwei Siege und ein Remis für die Meisterschaft sein müssen. Am Ende gewann Baden-Baden mit 1,5 zu 4,5. Mit nur einer Niederlage in der ganzen Saison holt Hall so „nur“ die Vizemeisterschaft. es war die erste Niederlage der Hallerinnen in der Bundesliga seit Herbst 2015. tav