Wer von euch wurde schon einmal geärgert und fand das richtig doof?“, fragt Nicole Gessler in die Runde. Sofort heben fast alle 120 Grundschüler die Hand. Es sind solche Angelegenheiten, für die die neue Schulsozialarbeiterin der Manfred-Kyber-Grundschule künftig ein offenes Ohr haben will. „Ich bin ab jetzt für jeden von euch da, wenn ihr Probleme oder Sorgen habt“, verspricht die 25-Jährige mit freundlicher Stimme. Die Dreikäsehochs, aber auch die Mamas und Papas sowie die Lehrerschaft in der Aula heißen die neue Mitarbeiterin mit begeistertem Klatschen willkommen.

Ab sofort ansprechbar

Wer eine schlechte Note geschrieben oder Streit mit dem besten Freund hat, kann davon ab sofort immer montags und donnerstags Nicole Gessler berichten. Mit farbenfroher Wandmalerei, einem gemütlichen Sofa und Schokoladenbonbons als Seelentröster hat sie im Untergeschoss der Schule einen kunterbunten Wohlfühl-Raum für sich und ihre kleinen Besucher eingerichtet.

„Es ist nicht einfach, das Vertrauen von Kindern zu gewinnen. Deshalb möchte ich, dass sie sich hier wohlfühlen“, erklärt Gessler. „Für manche ist es auch leichter, erst einmal einem Stofftier von ihrem Problem zu erzählen.“ Im Regal warten deshalb Handpuppen wie der grüne Frosch Fred auf ihren Einsatz.

Ein Projekt hat die Löwensteinerin, die in Heidenheim Soziale Arbeit studiert hat, schon fest geplant: „Der Pausen-Engel wird bald für ein gutes Miteinander auf dem Schulhof sorgen. Ich möchte gerne ein paar Schülern zeigen, wie sie bei Streitereien eingreifen und schlichten können“, erklärt die Löwensteinerin, die sich über eine Ausschreibung der evangelischen Jugendhilfe Friedenshort für die Stelle beworben hat. Ziel sei es, den Grundschülern beizubringen, Konflikte eigenständig zu lösen.

Im April dieses Jahres hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, die Schulsozialarbeit an der Grundschule einzuführen – vorerst auf ein Jahr befristet. Einige Ratsmitglieder äußerten im Vorfeld Bedenken: „Ich finde, das Thema ist irgendwie negativ behaftet“, erklärte damals Stadtrat Tobias Schock.

Ein wenig Informationsaustausch sei deshalb nötig gewesen, gibt Bürgermeister Klaus Schifferer zu. „Nur weil wir eine kleine Schule sind, heißt das nicht, dass wir nicht die gleichen Herausforderungen wie eine große meistern müssen“, stellt er klar. „Außerdem ist es wichtig, dass die Lehrer die Zeit haben, ihrer eigentlichen Aufgabe – dem Bildungsauftrag – nachgehen zu können.“

Rektorin Heike Harfensteller freut sich über ihre neue Kollegin. „Wir brauchen die Schulsozialarbeit nicht, weil wir große Probleme haben. Wir brauchen sie als präventive Maßnahme und als Unterstützung“, betont sie. Seit diesem Schuljahr gebe es erstmals eine spezielle Vorbereitungsklasse für Kinder, die kaum Deutsch sprechen. „Ich wünsche mir, dass die Integration ohne Probleme klappt. Aber falls ein Kind aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse ausgegrenzt werden sollte, kann uns jetzt Frau Gessler helfen.“ Auch auf dem Pausenhof gebe es hin und wieder Streitereien. „Bis jetzt mussten wir diese Angelegenheiten immer nach der Pause im Unterricht klären. Das kostete wertvolle Zeit, die wir eigentlich fürs Lernen brauchen.“