Schwäbisch Hall Partnerschaft: Rat gibt grünes Licht - 40.000 Euro fließen nach Windhuk in Namibia

Schwäbisch Hall / MARCUS HAAS 06.05.2015
Die Stadt Hall steigt mit einem Schulprojekt in die Partnerschaft mit Namibia ein. Konkreter Partner: die Waldorfschule in Windhuk. Es geht um berufliche Bildung und dabei um den Bau eines Schulgebäudes.

Hermann-Josef Pelgrim informiert zum Hintergrund. Die Waldorfschule in Windhuk arbeitet in einem Pilotprojekt mit dem National Training Authority zusammen. "Das ist die zuständige Staatsbehörde, die Berufsbildungsbehörde, die dort Lehrerausbildung betreiben möchte", erläutert der Oberbürgermeister.

Derzeit wird ein multifunktionales Schulgebäude errichtet, in dem zusätzlich zur Schulausbildung praktische, handwerkliche Fähigkeiten vermittelt werden sollen. Das Schulgebäude besteht aus einer Werkstatt und im Obergeschoss sollen Lehrer ausgebildet werden. Ziel: dualer Schulabschluss mit akademischer und praktischer Ausrichtung auf der Grundlage nationaler beruflicher Qualitätsstandards. Pelgrim nennt die Ausbildungsgänge Landwirtschaft, Elektrotechnik und Photovoltaik (erneuerbare Energien), Tourismus und Bürokommunikation. Die Gesamtkosten für das Gebäude betragen rund 331.700 Euro - es fehlen noch 95.000 Euro. Die Stadt Hall übernimmt davon 40.000 Euro. Das Geld fließt von der Schwäbisch Haller Beteiligungsgesellschaft. Beschluss im Gemeinderat: 31 Ja-Stimmen und eine Enthaltung.

"Mit der Waldorfschule in Windhuk haben wir einen verlässlichen Partner. Das Geld kommt zu 100 Prozent an. Dieses Projekt ist der Einstieg. Wir vergessen das Thema Partnerstadt dabei nicht", betont Pelgrim. Der OB sieht Möglichkeiten, um daraus Zentren der beruflichen Bildung auch in der Region Ondangwa im nördlichen Bereich von Namibia zu entwickeln.

Wie positionieren sich die Fraktionen? "Wir haben keine Erfahrung in Afrika, müssen aufpassen und das Geld sinnvoll anlegen", sagt Ludger Graf von Westerholt. Der CDU-Fraktionsvorsitzende sieht dieses Projekt als sehr gut geeignet an, um in die Partnerschaft konkret einzusteigen.

"Diese konkrete Aufbauhilfe macht Sinn"

Westerholt hat zwei Bitten - kontinuierliche Berichte über die Erfahrungen und, dass Reisekosten selbst getragen werden, wenn eine Delegation zur Einweihungsfeier der Schule nach Windhuk reisen sollte. "Diese konkrete Aufbauhilfe macht Sinn. Wir begrüßen dieses Projekt", macht SPD-Fraktionsvorsitzender Helmut Kaiser deutlich und Hartmut Baumann geht mit Blick auf die Eigeninitiative der Waldorfschule "das Herz auf". Der FWV-Fraktionsvorsitzende sieht diese "Hilfe zur Selbsthilfe" als den richtigen Weg. "Wir stimmen ohne Fragezeichen zu. Es geht darum, eine Schule zu unterstützen. Da gibt es kein Problem, kein Risiko", sagt Thomas Preisendanz. Der FDP-Fraktionsvorsitzende nimmt damit Bezug zu Aussagen von Joachim Härtig (Bündnis 90/Die Grünen). Härtig macht für seine Fraktion deutlich, dass nach vorheriger Enthaltung nun geschlossen zugestimmt wird, "aber wir sehen viele Fragezeichen". Nur ein Projekt mit Afrika zu machen, bedeute nicht, dass es automatisch gut sei. "Ist die Waldorfschule denn wirklich die richtige Stelle? Oder gibt es nicht dringlichere Aufgaben, um zu helfen, beispielsweise im medizinischen Bereich?", fragt Härtig.

"Wo nichts ist, wird es schwer, mit unseren Ressourcen zu helfen. Wir brauchen tragfähige Strukturen, die wir mit diesem Partner haben", betont Pelgrim und nennt neben der beruflichen Fortbildung ein weiteres großes Thema, das mit dem Engagement der Waldorfschule verknüpft sei: die Bekämpfung des Aids-Virus. Namibia zähle zu den Ländern mit der höchsten HIV-Infektions-Rate.