Theater Partnerlook im Schottenkaro

In der Komödie „Eine Sommernacht“ treten Helen und Bob als Erzähler ihrer eigenen Geschichte auf.
In der Komödie „Eine Sommernacht“ treten Helen und Bob als Erzähler ihrer eigenen Geschichte auf. © Foto: Landesbühne Esslingen/Stadt Ilshofen
Ilshofen / Claudia Kern-Kalinke 08.03.2017
Die Württembergische Landesbühne Esslingen zeigt in Ilshofen das unterhaltsame Zwei-Personen-Stück „Eine Sommernacht“.

Die beiden Vollblut-Mimen Kristin Göpfert und Felix Jeiter brauchen kein großes Bühnenbild und keine Komparsen, um ein turbulentes Wochenende mit vielen grotesken Ereignissen erlebbar zu machen. Das Ilshofener Publikum hatte am Samstagabend in der Stadthalle seine helle Freude an den beiden Darstellern und der einfallsreichen Inszenierung von Jakob Weiss.

Der schottische Autor David Greig entwickelte die Komödie „Eine Sommernacht“ im Jahr 2008 zusammen mit dem Songwriter und Gitarristen Gordon McIntyre. Greig erzählt die Handlung nicht linear sondern sprunghaft und aus verschiedenen ­Perspektiven. Er lässt die Protagonisten ironisch und unsentimental in der dritten Person über sich selbst sprechen. Das schafft Distanz. Dass die beiden denkbar ungleichen Typen – eine Scheidungsanwältin und ein Klein­krimineller – am Ende ein Paar werden, scheint von Anfang an klar. Doch der Weg dorthin ist  verworren und ziemlich chaotisch.

Helen und Bob treten als Erzähler ihrer eigenen Geschichte auf, springen zwischen den Zeit­ebenen, korrespondieren per SMS mit der Außenwelt und schildern die Geschehnisse recht unromantisch mit exakten Zeit- und Ortsangaben. Immer wieder bespötteln sie ihre Selbstbilder: „1987 war Bobs Jahr!“, schwärmt der Loser über die eigene wilde Jugend. „Seitdem geht es kontinuierlich bergab“, setzt die Anwältin nüchtern hinzu. Emotionen? Fehlanzeige.

Zum Glück liegen aber etliche Instrumente auf der Bühne griffbereit, und nach jeder Szene gibt’s den passenden Song. Mal temperamentvoll, dynamisch und voller Lebensfreude, mal balladenhaft, nachdenklich und mit Gefühl. Die beiden sind keine virtuosen Instrumentalmusiker, aber gesanglich gut. Musikalisch erzeugen sie die Emotionen, die in den Spielszenen zu kurz kommen.

Die anderen Figuren, die auch noch in der irren Geschichte von einer verkorksten Hochzeit und einer durchfeierten Mittsommernacht auftauchen könnten, mimen die beiden der Einfachheit halber selbst, ausgestattet mit einem Minimum an Kostümen und Requisiten. Witzigerweise taucht immer wieder dasselbe Schottenkaro auf, ziert sein Hemd und ihren Rock samt allerlei Beiwerk.

Pointenreiche Dialoge

Neben den fragwürdigen Episoden, die aus dem Vorhaben resultieren, 15.000 Pfund Diebesgut in einer Nacht auf den Kopf zu hauen, werfen die beiden 35-Jährigen in ihrer Midlife-Krise Fragen auf, die man sich einmal im Leben stellen sollte. Das bringt der Sex-Komödie zwar keinen philosophischen Tiefgang, aber pointenreiche Dialoge, bis die Achterbahnfahrt der Gefühle ins unausweichliche Happy End führt.

Info

Das nächste Theaterstück, das die Landesbühne nach Ilshofen bringt, heißt „Fatal! Fatal! – Mord auf dem Schillerplatz“, stammt von Eugène Labiche und wurde von Jörg Ehni behutsam ins Schwäbische übertragen. Zu sehen ist es am Samstag, 22. April, um 19.30 Uhr in der Stadthalle.

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