Gericht Parkhaus für Obdachlosen tabu - 72-Jähriger missachtet Hausverbot

Schwäbisch Hall / ELEONORE HEYDEL 09.05.2015
Das Haller Amtsgericht hat einen 72-jährigen Mann aus der Obdachlosenszene wegen Hausfriedensbruchs zu einer viermonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Wohnsitzlose aus der Trinkerszene sollen sich nicht in Haller Parkhäusern aufhalten. Sie stören nicht nur das Bild, sie hinterlassen auch Müll, und manchmal stinkt es nicht nur nach Bier, sondern auch nach Urin.

Betreiber der Parkhäuser sind die Schwäbisch Haller Stadtwerke. Schon 2002 haben sie gegen den 72-Jährigen, der sich jetzt vor dem Haller Amtsgericht verantworten musste, ein "Betretungsverbot" für die Parkhäuser ausgesprochen. Aber der alkoholkranke Mann hielt sich nicht daran.

Im September 2014 bekam er eine Haftstrafe mit Bewährung. Aber auch danach wurde er mehrfach im Parkhaus Ritter angetroffen. Das ganze Treppenhaus sei "versaut" gewesen, beschwerte sich eine Reinigungskraft. Einmal fand man ihn im Parkhaus Langer Graben: Er trank in der abgeschlossenen Herrentoilette eine Flasche Bier. In der Verhandlung zeigte sich: Die Situation des 72-Jährigen hat sich inzwischen verbessert. Er lebt auf der "Erlacher Höhe" in Großerlach (Rems-Murr-Kreis), einer diakonischen Einrichtung. Eine Mitarbeiterin des Haller Sozialamts ist seine offizielle Betreuerin. Die Wiederholungsgefahr, dass er erneut in Parkhäusern nächtigt, ist nicht mehr groß.

Das Haller Amtsgericht verhängte eine viermonatige Haftstrafe, die noch einmal zur Bewährung ausgesetzt wurde. Nachdem der schwerhörige Angeklagte das Urteil verstanden hatte, stimmte er zu. Ein Sozialarbeiter der Einrichtung brachte ihn daraufhin zur "Erlacher Höhe" zurück.