Schwäbisch Hall Überfall auf Bank im Teurershof: Das ist der Stand der Ermittlungen

Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran 22.01.2019
Nach dem Überfall vergangene Woche auf die Sparkassen-Filiale im Teurershof prüft die Polizei einen möglichen Zusammenhang mit einer Tat vor fast genau einem Jahr.

Die optischen Ähnlichkeiten sind offensichtlich: Gesicht, Brille, Aufdrucke auf der Kapuze, Statur. Die Polizei prüft, ob der Bankräuber, der am Mittwoch die Sparkassen-Filiale im Haller Teurershof überfallen hat, auch für einen Banküberfall in Winnenden verantwortlich ist. Zumindest deuten die Bilder der Überwachungskameras darauf hin.

Beide Male mit Pistole mit Schalldämpfer

In Winnenden hat der Täter am 30. Januar 2018, also vor fast genau einem Jahr, gegen 8.40 Uhr die Volksbank-Filiale in der Marktstraße betreten. In der Hand hielt er eine Pistole, die in einer Tasche steckte. Er zwang die Angestellten zur Herausgabe des Geldes. Der Mann, der von Zeugen als 1,70 bis 1,75 Meter groß und mit normaler Figur beschrieben wurde, flüchtete damals mit rund 40.000 Euro Beute – und wurde bis heute nicht geschnappt.

Der Täter in Hall marschierte vor genau einer Woche, kurz vor 12 Uhr, in die Sparkassen-Filiale im Teurershof. Es handelte sich laut Zeugen um einen 1,65 bis 1,70 Meter großen Mann mit schlanker, sportlicher Figur sowie osteuropäischem Akzent. Er forderte mit gezückter Waffe Geld und erbeutete „eine niedrige fünfstellige Summe“, so die Polizei.

Aufgefallen war den Mitarbeitern, dass etwas mit dem Gesicht des Täters nicht stimmte. „Zunächst wurde vermutet, ob er einen Bart aufgemalt hatte“, so Polizeisprecher Bernd Märkle vom Präsidium Aalen. Mittlerweile gingen die Ermittler von einer täuschend echt wirkenden Silikonmaske aus. „Es war keine Mimik im Gesicht zu erkennen, auch keine Bewegung in den Mundwinkeln, als er sprach.“

Anhand der Videos werden die Körpergrößen berechnet

In Winnenden sei nicht aufgefallen, ob der Täter eine Maske getragen hat. Es gibt zudem offensichtliche Unterschiede: Bei der Tat 2018 trug der Täter keine Handschuhe. In Hall sind auf den Überwachungsvideos schwarze Handschuhe mit DFB- und Adidas-Logo zu erkennen. Außerdem:  In Hall war wohl ein Schalldämpfer an die Pistole geschraubt, in Winnenden nicht.

Das seien aber keine Ausschlusskriterien für einen Zusammenhang, da der Täter diese Dinge zwischenzeitlich beschafft haben kann, so Märkle. Da die optischen Ähnlichkeiten auffällig seien, werde bereits ermittelt, ob es sich um denselben Täter handelt. Unter anderem sollen anhand des Videomaterials die Körpergrößen berechnet werden.

Vergleich mit anderen Fällen in Jagstzell und dem Teurershof

Untersucht würden auch mögliche Zusammenhänge mit weiteren Taten, etwa mit dem Überfall am frühen Freitagmorgen des 4. Januar 2019 in Jagstzell. Ein unbekannter Täter schlug vor einer Bankfiliale einen Mann nieder, entriss ihm eine schwarze Tasche. Dabei löste sich ein Schuss aus der Pistole des Täters. Der Gesuchte war laut Polizei etwa 1,70 Meter groß, trug eine dunkle Jacke, eine Jogginghose sowie Mütze und einen Schal, der das Gesicht teilweise bedeckte. „Auch dort wurde von einem osteuropäischen Akzent berichtet“, so Märkle. Das aber treffe freilich auf viele Menschen zu und sei alleine noch kein Grund für einen Tatzusammenhang.

Laut Märkle sei es Routine, Tatmerkmale mit anderen Fällen zu vergleichen – so auch mit dem Überfall im Dezember 2017, der dieselbe Sparkassen-Filiale im Teurershof traf. Jener Täter war ohne Maske, aber mit Brille und Kapuze auf den Tresen gestiegen. Er erbeutete damals ebenso eine niedrige fünfstellige Summe. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt.

Info Die Polizei bittet weiterhin um Hinweise zu den Überfällen: 07 91 / 40 00.

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Zahl der Banküberfälle geht zurück

Im Haller Raum gab es in den vergangenen fünf Jahren die beiden ungeklärten Überfälle auf die Sparkasse im Teurershof (Januar 2019 und Dezember 2017) sowie den geklärten Überfall auf die Westheimer VR-Bank-Filiale im Februar 2014. Es sei schwierig, eine Aufklärungsquote zu nennen, so Polizeisprecher Bernd Märkle. Dafür seien die Banküberfälle zu selten. Mit ein Grund für den Rückgang seien Sicherheitsvorkehrungen in den Banken, beispielsweise durch automatisierte Geldausgabe mit Wartezeiten.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Aalen gab es 2018 einen Banküberfall (nicht aufgeklärt); 2017 waren es zwei (einer aufgeklärt). Vollständig aufgeklärt sind dagegen der eine Banküberfall 2016 sowie die sieben Taten 2014. Die Aufklärungsquote bei Raubüberfällen generell, zu denen unter anderem Handtaschenraub gehört, lag laut Märkle in den vergangenen fünf Jahren zwischen 60 und 69 Prozent. thumi

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