Vellberg Blütenparadies über der Bühler

Vellberg / Sigrid Bauer 29.08.2018
Hortensien prägen den Garten von Anneliese und Bernhard Thielen. Auf dem Dürrsching bei Vellberg haben sie sich ein schattiges Refugium geschaffen.

Laut Thermometer hat es 35 Grad, doch in dem weitläufigen Garten am Rand des Dürrschings ist die Hitze dank der Schatten spendenden Bäume auszuhalten. Eine große Terrasse unter einer riesigen Magnolie verbindet Haus und Garten zu einer Einheit. Im lichten Schatten der ausladenden Bäume fühlen sich die Hortensien der Sorte Annabelle wohl. „Ich habe vor vielen Jahren einen Strauch gepflanzt, der inzwischen einige Ableger gebildet hat“, berichtet Anneliese Thielen.

Ihr Garten ist in den mehr als 40 Jahren, seit sie und ihr Ehemann Bernhard in Vellberg wohnen, neben dem Imkern und dem Tonen zu einem Hobby geworden. Nur noch zwei Blütenstände der Annabelle sind cremeweiß, die anderen haben ein zartes Hellgrün angenommen. Daneben wächst eine Eichblatthortensie. Die kegelförmig angeordneten, ursprünglich weißen Blüten verfärben sich beim Verblühen hellrosa. Zusammen mit den weiß gerandeten Blättern von Funkien und Buchs ergibt das eine harmonische, fast naturhafte Bepflanzung und schirmt die Terrasse vom restlichen Garten etwas ab. „Die Hortensien habe ich noch gar nicht gießen müssen“, verrät die Gartenexpertin, „Die Sorte Annabelle ist recht robust“, so Anneliese Thielen.

Das gute Gedeihen ihrer Pflanzen liegt auch daran, dass Anneliese Thielen viel Wert auf guten Kompost legt. Alles Verrottbare aus Garten und Küche kommt auf den Kompost. „Die Nachbarn bringen uns sogar noch ihren Rasenschnitt“, erzählt sie. Der dürfe aber, weil sehr feucht, nicht höher als eine Hand hoch aufgeschichtet werden. Dann komme etwas Sperriges darüber wie Heckenschnitt, dünne Zweige oder Schnitt von kräftigen Stauden. „Es geht auch mit zerknüllter Zeitung oder zerrissenem Karton“, schildert sie. Ganz wichtig: darauf eine Schaufel Erde verstreuen. „Zum Animpfen mit den Bodenorganismen“, erklärt Thielen. Etwas Hornmehl oder Mist begünstigen die Reife, die bei ihrem Kompost nur sieben Monate dauert.

Kunstdünger sucht man hier vergebens. Sogar vom Pilzbefall erholt haben sich einige Buchs­sträucher dank Kompostversorgung. Inzwischen ist aber der Buchsbaumzünsler, eine gefräßige grüne Raupe mit schwarzen Punkten, auf dem Dürrsching angekommen. Bernhard Thielen rückt den befallenen Sträuchern mit einer Supsension aus Bacillus thuringiensis zu Leibe.

Aus Swimmingpool wird Teich

Vor zehn Jahren hat das Ehepaar seinen Garten umgestaltet. Die Annabelle-Hortensie wächst seither auch an anderen Stellen. Schon am Eingang zum Garten grüßt eine Rispenhortensie mit lockeren, grazilen weißen Blütenständen. Während anfangs ein großer Teil des Gartens abschüssig war, gibt es jetzt verschiedene Ebenen, die den Garten in Räume unterteilen.

Von der Terrasse führt eine leicht geschwungene Treppe aus Sandstein einen Meter hinunter zu einem Teich. „Das war früher unser Swimmingpool“, erklärt der Vater von drei erwachsenen Kindern. „Der Blutweiderich hat sich selbst angesiedelt“, sagt seine Frau und zeigt auf die lila blühenden Pflanzen am Teichrand. Die Böschung vor der Terrasse, die sich durch das Abgraben des Geländes ergeben hat, hat Bernhard Thielen mit einer Trockenmauer abgestützt. „Die ebene Fläche ist viel angenehmer als vorher die Schräge“, ist sich das Ehepaar einig. Etwas erhöht steht ein berankter Pavillon.

Wo die ersten 30 Jahre ein Apfelbaum das Bühlertal verdeckte, öffnet sich der Garten jetzt und lenkt das Auge auf das gegenüberliegende Schloss im Vellberger Städtle – ein traumhafter Ausblick! Vor einer Eibenhecke stehen vier Steinsockel. Eine Büste, eine Vase und Werke, die Anneliese Thielen aus Ton gefertigt hat, haben dort Platz.

Auch woanders stößt der Besucher dieses grünen Reiches auf Kunstwerke. Aus einem alten Grabstein hat Bernhard Thielen die Rückwand eines Brunnens gebaut, aus der jetzt der Wasserhahn ragt. „Der Bauer, bei dem wir den Stein gefunden haben, wollte ihn in einen Weg einbauen – weil die Rückseite so schön eben ist“, erzählt er und lacht.

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