Schwäbisch Hall / SONJA ALEXA SCHMITZ  Uhr
Süße Osternester verstecken. Lamm zum Festmahl. Osterbrot zum Frühstück. Um unsere Traditionen in diesen Tagen zelebrieren zu können, müssen manche anderen früh aufstehen.
Zum Beispiel der Bäcker Werner Brunner. Um Mitternacht beginnt er am Ostersamstag mit seiner Arbeit in der Backstube. Osterlämmer gießt er schon seit Tagen. Aber am Samstag ist sein Hauptgeschäft. Kopfüber stehen die silbernen Formen der Lämmer und Hasen auf dem Arbeitstisch. Der Bäcker befüllt sie. 20 oder mehr. Große und Kleine. Alle bekommen einen Körper aus luftigem Hefeteig. Im Ofen passiert es manchmal, dass der Teig überquillt und an der Ofendecke klebt. Beim Herauslösen dann klopft dem Bäcker das Herz. Bitte nicht, dass ein Hasenohr kleben bleibt, oder die Schnauze des Schäfchens abbricht! Die Brunnerbäcker kleben in diesen Tagen Smartie-Augen auf Hasenköpfe, setzen den Gebäcktieren Negerkussnasen auf, tauchen Mürbteigkarnickelschwänze in Schokolade und die Ohren gleich hinterher. Wenn der Laden aufmacht, liegen sie alle in der Theke. Laugenhase neben Lamm neben Osternest. Als hätten sie schon immer da gelegen.

Im Schaufenster locken und erheitern die Bäcker ihre Kunden. Stoffhasen mümmeln auf grüner Wiese. In der Hasenbäckerei wird Teig gerollt und Mutter Hase pinselt Schokolade auf das Ostergebäck. Alles aus dem Dekorationsfundus der Brunners. In all den Jahren seit 1981 angesammelt. Das Schaufenster gestalten ist Aufgabe der Tochter. „Sie hat dafür eine Ader“, sagt der Vater.

Ab ins Kühlhaus

Auch im Café am Markt geht den Konditoren in diesen Tagen Schokolade fast ausschließlich in Form von Eiern und Hasen durch die geschickten Hände. Sie gießen Schokohasen von einem halben Meter Größe. Konditorin Ramona Hald füllt dazu die geschmolzene Schokolade in eine zweigeteilte Form, die zuvor in den Rillen mit Schokolade ausgepinselt wurde. Dann wird sie geschlossen und mit Klammern befestigt. Ab ins Kühlhaus für mindestens eine Stunde, bevor aus der Form ein Schokotier geboren wird und im Verkaufsraum auf Kunden wartet.

Es sind weniger Kunden als noch vor Jahren. Da gab es Sonderanfertigungen. Und große Mengen der mit kleinen Schokoeiern gefüllten großen Schokoeier wurden von Firmen als Präsent geordert. Genug zu tun haben die Konditoren dennoch.

In weißen Porzellanschalen, die aussehen wie zerbrochene Hühnereier, häufen sich Dessert-Eier verschiedener Variationen. Praliné-Eier – gestreifte, rosafarbene, alle gefüllt, alle hausgemacht. Maikäfer mit Mandelohren. Nougat-Baiser- Hasen. Hier kann die Fastenzeit zünftig beendet werden. Im Café kann man an jedem der Ostertage einkehren. Osterbrot mit Butter und Marmelade frühstücken. „Marmelade zum Osterfrühstück – nach dem uralten Rezept meiner Großmutter“, so heißt es auf den Gläsern, die auf der Theke stehen. Die Oma der Café-Chefin wurde 99 Jahre alt – vielleicht lag's an der Marmelade. Drin ist alles, was gut und nach Frühling schmeckt: Rhabarber, Himbeere, Vanille.

An anderer Stelle in Halls Gassen finden sich auch österliche Traditionen zum Kaufen. Beim Italiener in der Schwatzbühlgasse stehen sie in diesen Tagen im Regal, neben Wein und Nudeln: La Colomba. Ein Gebäck in Form einer Taube, das in Italien am Ostersonntag gegessen wird. Ein Zeichen für den Frieden. Auch ein paar äußerst bunt verpackte, große, gefüllte Schoko-Eier stehen im Regal.

Geschenke für die italienischen Kinder

Das sind die Geschenke für die italienischen Kinder. Etwas anderes bekommen sie nicht. Und dennoch ist Ostern für Kinder so schön wie Weihnachten, erzählt Antonietta Tulino. Vor allem die Via Crucis – die Kreuzwege. Wenn am Karfreitag die Dämmerung einsetzt, machen sich in italienischen Ortschaften Alt und Jung mit Fackeln in der Hand auf den Weg und ziehen durch die Straßen. Dabei wird gebetet und gesungen. Am Ende trifft sich der Zug mit der Marienfigur mit jenem mit der Jesusfigur.

Beim italienischen Osterfest wird ausgiebig gegessen – natürlich immer im Kreis der ganzen Familie. Freitags gibt es entweder gar nichts, weil man fastet, oder es gibt Fisch. Aber dann am Sonntag nach der Ostermesse wird zu Hause ein Festmahl zubereitet. Man isst Lamm und vor allem isst man süß. Hinterher. Entweder die Colomba oder eine Pastiera – einen Kuchen aus Weizenmehl, kandierten Früchten, Ricotta und Zitronenschalen. Die italienischen Mamas backen und kochen schon Tage vor Ostern. Kuchen, Torta Pasqualina (Gemüse im Teig aus dem Ofen), Frittata. Am Ostermontag werden dann die guten Sachen eingepackt und alle essen draußen. Picknick. Mit Familie oder Freunden. Und der Ostertaube. „Kein Ostern ohne Colomba“, sagt Antonietta Tulino.