Michelfeld Opernhafte Momente in der Mühle

Raphaela Gromes (Cello) und Julian Riem (Klavier) beim Konzert in der Gnadentaler Mühle.
Raphaela Gromes (Cello) und Julian Riem (Klavier) beim Konzert in der Gnadentaler Mühle. © Foto: s
Michelfeld / Ralf Snurawa 16.05.2018
Raphaela Gromes und Julian Riem überzeugen in Gnadental mit Duos aus der Zeit der Romantik.

„Opernhaftes zum Frühling“ – so hat das Duo Raphaela Gromes (Cello) und Julian Riem (Klavier) sein Konzert in der Gnadentaler Mühle überschrieben. Riem habe sie beim Richard-Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen kennengelernt, berichtet Gromes. Das sei nun sechs Jahre her. Aber Richard Strauss zieht sich weiterhin durch ihre Programme.

Seine Cellosonate in F-Dur gehört dazu, das Werk eines 17-Jährigen. Der aufbrechende Tonfall im Eingangssatz ist so ein Beispiel, auch die liebliche Melodie im Seitenthema. Durchführungs- und Schlussabschnitt des Sonatensatzes gestalten die Musiker spannungsreich-dramatisch. Dem steht Gesangliches im langsamen Mittelsatz gegenüber. Klangliche Schattierungen werden bis ins finale Stocken hinein ausgekostet.

Scherzohaft locker schüttelt der Schlusssatz diese Beklemmung ab. Verträumte Momente und federnde Leichtigkeit sind ebenso zu hören wie energiegeladene Ausbrüche.

Richard Strauss hat in diesem Werk beide Instrumente gleichberechtigt behandelt. Die zwei Jahre später entstandene Romanze zeigt das Klavier immerhin noch als Impulsgeber. Raphaela Gromes lässt ihr Violoncello dazu mit innigem Ausdruck klingen.

Jacques Offenbach war nicht nur Komponist von Operetten und Opern, sondern auch ein hervorragender Cellist. Das zeigt die kleine Stückesammlung „Harmonies des bois“. Das Duo hebt die Moll-Färbungen zum ruhig wiegend gespielten „Le soir“ schön hervor. Ausdrucksvoll geraten die kleinen Tempoverzögerungen in „La chanson de Berthe“.

„Les larmes de Jacqueline“ klingt tröstlich. Raphaela Gromes geht hier als Cellovirtuosin genauso selbstverständlich mit zweistimmig gehaltenen Passagen um wie später in Gioacchino Rossinis noch viel opernhafter klingendem „Une larme“ aus den „Péchés de vieillesse“ – tatsächlich auch für Violoncello und Klavier geschrieben. Die Cellistin meistert auch dieses Variationenwerk mit Bravour. Vorausgegangen sind drei Stücke aus den „Soirées musicales“ Rossinis. Spritzig klingt der Bolero-Rhythmus in „L’invito“, wie über dem Wasser schwebend die Barcarole „La Gita in gondola“ und sprühend vor Spiellust die Tarantella von „La danza“.

Für den begeisterten Beifall des Publikums bedanken sich die beiden Musiker mit Mario Castelnuovo-Tedescos Paraphrase über Rossinis „Largo al factotum“, wunderbar gewitzt vorgetragen, und mit den sehnsüchtigen Klängen von Leone Sinigaglias Romanze.

Info

Die erste CD des Duos Gromes Riem mit Cellosonaten von Richard Strauss und Felix Mendelssohn wurde 2014 für den deutschen Schallplattenpreis nominiert. 2016 gewann die Cellistin den Deutschen Musikwettbewerb.