Schade, dass sich die beiden nicht begegnet sind: Michael Lohscheller, Vorstandschef der Opel Automobile GmbH, und Rolf Meiser, Urgestein der regionalen Autoszene.

Michael Lohscheller trat beim Haller Gipfeltreffen der Weltmarktführer vor einigen Wochen aufgeräumt, verständlich und zurückhaltend auf. Er sprach von Opels Zukunft, von Innovationen, Preisen, Elektromobilität und Erneuerung.

Zumindest was den Auftritt anbetrifft, ist Rolf Meiser dem Opel-Chef Michael Lohscheller ähnlich.

An diesem Dienstagvormittag steht er in seiner Opel-Werkstatt in Jagstheim. In den ölverschmierten Händen hält der Kfz-Meister einen Schraubenschlüssel. Er ist dabei, die Hydraulik am eigenen Abschleppwagen in Ordnung zu bringen. „Ich bin Kfzler mit Leib und Seele. Zum Kaufmann bin ich zwangsläufig geworden“, sagt ein gut gelaunter Seniorchef.

Familienwerkstatt: Der Vater und die Söhne

Rolf Meiser führt zusammen mit seinen Söhnen Bernd und Ralph die Auto-Meiser GmbH. Der Opel-Händler hat Sitze in Jagstheim und Crailsheim. Bernd und Ralph Meiser leiten zusammen mit Martin Hagelloch außerdem die Hagelloch Automobile GmbH & CO. KG mit Opel-Niederlassungen in Schwäbisch Hall und Künzelsau. Der Betrieb in Gaildorf wurde Ende 2018 dichtgemacht.

Nach 20 verlustreichen Jahren scheint es mit Opel wieder bergauf zu gehen. Das kündigte jedenfalls Vorstandschef Michael Lohscheller an. Das bestätigt aber auch der erfahrende Automann Rolf Meiser.

Seit anderthalb Jahren gehört Opel nicht mehr zum amerikanischen Konzern von General Motors, sondern zur französischen Unternehmensgruppe PSA. Michael Lohscheller erzählte von der Anfangszeit unter den Franzosen. 100 Tage hatte er Zeit, ein neues Konzept vorzulegen. Er sollte darlegen, wie Opel nach zwei desaströsen Jahrzehnten schnell wieder profitabel werden könne. Das hatten seine Vorgänger schon zum x-ten Mal versucht – mit immer neuen Powerpoint-Präsentationen.

Sein Tipp: „Reden Sie nicht mit Außenstehenden.“ Der Vorstandschef ergriff die Chance: „E-Mobilität sofort – und für alle bezahlbar“, lautete seine Devise. Damit überzeugte er die neuen Eigentümer in Paris.

Moderne Autos: Früher brauchte man Schraubenschlüssel - heute einen Laptop

Auch Rolf Meiser ist froh, dass die verlustreichen Jahre der Vergangenheit angehören. „Schlechte Nachrichten sind schlecht fürs Geschäft. Wenn man immer nur von Verlusten liest, dann macht das die Kunden unsicher“, sagt der Seniorchef in Jagstheim. Rolf Meiser wird in diesem Jahr noch 80 Jahre alt. Er hat fast 30 Jahre mehr auf dem Buckel als der Opel-Vorstandsvorsitzende. „Die Technik ist viel aufwendiger geworden – ganz anders als vor 50 Jahren. Den Monteur von früher gibt es nicht mehr. Früher brauchte man einen Schraubenschlüssel, heute einen Laptop“, macht der 79-Jährige deutlich.

Gut aufgehoben

Was hält Rolf Meister von Lohschellers Strategie mit den Kernpunkten E-Mobilität zu attraktiven Preisen, große Reichweite, gute Lade-Infrastruktur? Der Senior zögert etwas, könnte sich auch gut vorstellen, dass Opel eher auf die Wasserstofftechnik als auf Batterien setzt, um die Elektromotoren in den neuen Fahrzeugen anzutreiben. In einem Punkt sind sich der Chef aus Rüsselsheim und der erfahrene Autofachmann aus Jagstheim einig: Bei dem europäischen Konzern PSA ist Opel gut aufgehoben. „Ich weine der ehemaligen Konzernmutter GM keine Träne nach. Dagegen fühlen wir uns bei PSA wirklich gut aufgehoben“, sagte er im Februar in Hall.

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Die Entwicklung der lokalen Opel-Autohäuser


Das Haller Autohaus Hagelloch gliederte sich 2002 an die Crailsheimer Meiser-Gruppe an. Der Impuls kam von Opel, macht Rolf Meiser deutlich. Beide Autohäuser für sich waren aus Sicht des Konzerns zu klein. Auch das Gaildorfer Opel-Autohaus gehörte dazu. Gaildorf ist inzwischen geschlossen.

Die Standorte Gaildorf und Künzelsau hatte der Haller Hagelloch-Betrieb 1987 als Opel-Vertragshändler übernommen. Den Sitz im Hessentaler Industriegebiet bezog das Autohaus Hagelloch 1975.

Die Vertragsbeziehung mit der damaligen Adam Opel AG und der Vertrieb von Opel-Fahrzeugen in Schwäbisch Hall geht auf das Jahr 1934 zurück.

Rolf Meiser machte sich mit seinem Autohaus 1966 selbstständig. Er startete seinen Einmannbetrieb. Heute beschäftigt die Unternehmensgruppe rund 110 Mitarbeiter an vier Standorten. Zunächst war Rolf Meiser ein untergeordneter Händler des Opel-Konzerns. 1983 übernahm er die Firma Burkert mit Sitzen in Crailsheim und Gerabronn.

Wohin steuert die Automobilindustrie? Opel-Chef Lohscheller stellte in Hall seine Perspektive vor: Die Co2-Reduktionsraten seien ein brutales Diktat des Europaparlaments. Sie ließen nichts anderes zu als ein schnelles Umstellen auf die Elektromobilität. Dies habe Auswirkungen auf das ganze System der Entwicklung und Herstellung. Der Opel-Chef geht davon aus, dass es bei den unterschiedlichen Herstellern und Zulieferern der deutschen Automobilindustrie zu einem Abbau von insgesamt rund 20 000 Stellen kommen könnte.

„Wir müssen die Qualität der Produkte sowie die Attraktivität verbessern. Das ist ein nie endender Prozess“, sagte Michael Lohscheller beim Gipfeltreffen. just