Hall ehrt seine Ehrenamtlichen Ohne sie ginge einiges nicht

Vor mehr als 70 Jahren kam sie, um zu bleiben: Marianne Gschwend trat 1947 als Mitglied in die TSG Schwäbisch Hall ein. Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim holt sie zum krönenden Abschluss der Ehrenamtlichen-Ehrungen auf die Bühne der Hospitalkirche. Auch TSG-Präsident Kurt Hocher (Mitte) ist stolz auf die Seniorin.
Vor mehr als 70 Jahren kam sie, um zu bleiben: Marianne Gschwend trat 1947 als Mitglied in die TSG Schwäbisch Hall ein. Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim holt sie zum krönenden Abschluss der Ehrenamtlichen-Ehrungen auf die Bühne der Hospitalkirche. Auch TSG-Präsident Kurt Hocher (Mitte) ist stolz auf die Seniorin. © Foto: Beatrice Schnelle
Schwäbisch Hall / Beatrice Schnelle 07.12.2018
Die Ehrenamtlichen in den Haller Vereinen leisten viel für das gesellschaftliche Zusammenleben – oft über Jahrzehnte.

Dieses Jahr ist Schwäbisch Hall pünktlich: Erstmals hat der Oberbürgermeister zur alljährlichen Anstecknadel-Party für die verdienten Ehrenamtlichen der Stadt nicht im Frühjahr, sondern am Internationalen Tag des Ehrenamts in den Hospitalhof eingeladen. 1986 waren die Vereinten Nationen übereingekommen, den 5. Dezember mit diesem Titel zu belegen. 80-mal befestigt Hermann-Josef Pelgrim an diesem Abend mit geübter Hand die kleinen Blechwappen an ebenso vielen Anzugs- und Kostümjacken.

Rein rechnerisch kommen weit über 2600 Jahre des unermüdlichen Engagements für gemeinnützige Zwecke im Saal zusammen. 29 der 260 Vereine in der Siederstadt sind bei der Ehrung vertreten.

„Ein bisschen deutsch“

Die Entwicklung der Vereinskultur sei mit der Emanzipation der Bürgerschaft von der fürstlichen Autorität einhergegangen, erinnert Pelgrim an die Ursprünge und merkt noch an, das Miteinander in Vereinen sei „ein bisschen deutsch“. Wobei er übrigens irrt: In Skandinavien und den Niederlanden soll die Vereinsdichte weitaus höher sein.

Die Ehrenamtlichen leisteten eine breit gefächerte Unterstützungsarbeit, die von der Stadt, den Kirchen und Sozialverbänden gar nicht allein zu bewältigen sei in heutigen Zeiten, in denen der Zusammenhalt innerhalb der Familie schwächer werde, betont der OB. Sein Fazit: „Ohne Ihren Einsatz würden wir alle in dieser Stadt um vieles ärmer sein.“

Bei den Ehrungen ist zu erleben, wie wahr diese Worte sind. Ohne Peter Deeg würden die Wiesen und Wege rund um den „Starki“ beispielsweise um vieles schmutziger sein. Der 81-Jährige ist seit einem Jahrzehnt die gute Seele des Fördervereins Starkholzbacher See. Im Sommer geht er jeden Morgen um 7 Uhr los, um das Gelände vom Abfall zu befreien, den gedankenlose Mitbürger dort liegen lassen. Für seine bemerkenswerten Verdienste um die Landschaft wird der Diplomingenieur ebenso geehrt, wie für sein Wirken im Naturheilverein. Seit 18 Jahren ist er dort Beiratsmitglied und Kassenprüfer.

Vereinssportler, Musiker, Sänger, Schützen, Landfrauen, Natur- und Gartenfreunde defilieren über die Bühne. Die Arbeiterwohlfahrt, die „Grünen Damen“ des Diakonie-Klinikums, Helferinnen des Frauen- und Kinderschutzhauses und Mitglieder der Haller Kolpingsfamilie repräsentieren jene Gruppen, die in ihrer Freizeit für die Benachteiligten in unserer Gesellschaft da sind.

Rainer Grün hat seine Heimatstadt auf andere Weise bereichert: Vor 25 Jahren gründete er den regionalen Sender „Freies Radio StHörfunk“. Der 58-Jährige beweist, dass auch Revolutionäre irgendwann ihren Frieden mit dem Bürgertum machen: Sichtlich gut gelaunt holt er sich ein Fläschle Wein beim Rathauschef ab. Die Ehrennadel mit Kranz hat er sich schon 2015 für seine 25-jährige Mitgliedschaft im erklärtermaßen kapitalismuskritischen und unbequemen Club Alpha verdient.

Pilates und Gymnastik mit 88

Je weiter der Abend voranschreitet, umso größer wird die Zahl der jeweils Geehrten. Der Gesangverein Eintracht Steinbach, der Schwäbische Albverein Gailenkirchen und der Sportverein Tüngental können insgesamt acht Mitglieder vorweisen, die ihre Institutionen bereits seit 60 Jahren begleiten. Die Treueste kommt zum Schluss: 70 Jahre ist Marianne Gschwend der Turngemeinde Hall schon verbunden. Federnden Schritts tritt die 88-Jährige vors Publikum. Wer bisher nicht an die positive Wirkung regelmäßiger sportlicher Aktivitäten geglaubt hat, sollte durch ihr erstaunliches Beispiel nachdenklich werden. Montags gehe sie in ihrem Verein zum Pilates, donnerstags zur Gymnastik, verrät sie ihre Waffe gegen die Zipperlein des Alters. Süße 17 war sie, als sie sich 1947 bei der TSG einschrieb. „Damals hatten wir Mädels noch schicke Turnröckchen, und bei Siegerehrungen bekamen wir einen Lorbeerkranz aufs Haupt gedrückt“, berichtet die topfitte Seniorin. 2019 wird ihr Lieblingsverein sein 175-Jahr-Jubiläum feiern.

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