Gerabronn Offenes Spiel vor der Fabrik

Gerabronn / RALF SNURAWA 13.06.2014
Heute ist es so weit: Die Akteure der Burgschauspiele Leofels feiern mit "Der Graf von Monte Christo" in Gerabronn Premiere. Mit der Kargheit der "Schüle"-Fassade umzugehen, mussten sie erst lernen.

Warum er ausgerechnet Alexandre Dumas "Der Graf von Monte Christo" inszeniert? Regisseur Jan Käfer hat dafür in der Pause bei der Probenarbeit eine pragmatische Antwort: Nach Abwägung mit dem Ensemble hätte man sich darauf geeinigt. Und in der Tat lässt sich mit der Thematik sehr schön an frühere Inszenierungen der Burgschauspiele wie "Les Misérables" oder "Kaspar Hauser" anknüpfen.

Käfer hat dabei auf eine sprachlich für das Amateurtheater passende Version geachtet. Verssprache sei da nicht infrage gekommen. Das Stück sei aber, so der sonst etwa bei den Kammerspielen Wiesbaden inszenierende Regisseur, textlastiger als die der vorangegangenen Jahre.

Käfer lässt dabei einen Moritatensänger (Steffen Ehrmann) auftreten, der jenen Zuschauern die Geschichte näherbringen soll, die sie nicht so gut oder überhaupt nicht kennen. Denn die vorhandenen Theaterfassungen gehen einfach vom Wissen des Publikums über den Roman aus.

Es gehe ihm um den Inhalt, sagt Käfer, um die einzelnen Situationen, die Puzzlestücke, die zu jenem grenzenlosen Hass des Edmond Dantés gegen die Bande seiner Verschwörer führen. Dabei habe er etliche Nebenstränge lieber fallen gelassen, erklärt Käfer weiter, um so stärker die Zwangsläufigkeit des Geschehens zu betonen.

Erstmal skeptisch dem neuen Spielort gegenüber

Der Fabriktheatercharakter des neuen Spielorts der Burgschauspiele sei da sogar hilfreich. Da das ehemalige, unter Denkmalschutz stehende Fabrikgebäude "Schüle" - um 1900 entstanden - keinen Zugang von innen her zulasse, zwinge es zum offenen Spiel. Außerdem wolle man mit der 1,2 Meter hohen Bühne dem Publikum stärker das Gefühl vermitteln, im Theater zu sitzen. Insgesamt sei es gelungen, mit der Kargheit der Spielstätte umzugehen, ja, sie ins Stück zu integrieren. So wird etwa die untere Fensterreihe direkt hinter der Bühne von innen heraus beleuchtet. Und natürlich wird der Turm zu fortgeschrittener Stunde angestrahlt.

Das Fabrikgelände sei aber schon etwas anderes als die Burgruine, meint der Regisseur, der dort im vergangenen Jahr noch Carl Zuckmeyers "Katharina Knie" inszeniert hatte. Die Ruine, die derzeit wegen Sanierungsarbeiten geschlossen ist, habe immer mitgespielt.

Deshalb sei er angesichts des neuen Spielorts skeptisch gewesen. Inzwischen liebe er das Fabrikgebäude aber immer mehr - obwohl man im von einem Palettenaufbau eingerahmten Zuschauerraum mehr dem Wetter ausgesetzt sei als in der Ruine.

Auch Heike Köhnlechner, beim Verein der Burgschauspiele für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, sieht das Fabrikgebäude nicht als Notlösung, sondern vielmehr als Chance. Den Kartenverkauf habe der geänderte Spielort bisher nicht groß beeinflusst, stellt Vorstandsmitglied Thomas Schneider fest, der beim Stück als Gerichtspräsident zu sehen ist. Lediglich der letzte Aufführungstag am Samstag, 5. Juli, sei noch schlecht verkauft. Für die Premiere heute gibt es auch noch ein paar Karten.

Info Premiere von "Der Graf von Monte Christo" ist am Freitag, 13. Juni, um 20.30 Uhr. Weitere Informationen, unter anderem zum Kartenvorverkauf, gibts unter www.burgschauspiele.de.