Ökologie Ökosperre soll Steinkrebs retten

Benjamin Waldmann zeigt den heimischen Flusskrebs aus der Sulm. Die Krebspest macht dem Bachbewohner den Garaus, wenn man ihm nicht hilft.
Benjamin Waldmann zeigt den heimischen Flusskrebs aus der Sulm. Die Krebspest macht dem Bachbewohner den Garaus, wenn man ihm nicht hilft. © Foto: Gustav Döttling
Löwenstein / Gustav Döttling 17.11.2018
In der Sulm leben die selten gewordenen Steinkrebse. Diese heimische Art ist jedoch von anderen Krebsarten bedroht, die die Krebspest verbreiten. Die Fachbehörde startet ein Pilotprojekt.

Im Oberlauf der Sulm oberhalb des Breitenauer Sees lebt eine der letzten bedeutenden Steinkrebs-Populationen in der Region rund um Löwenstein. Eine Sperre aus Edelstahl verhindert, dass der Rote Amerikanische Sumpfkrebs und der Signalkrebs flussaufwärts wandern und dort die Krebspest verbreiten, sagt Umweltingenieur Benjamin Waldmann. Er spricht von „Aliens“, wenn die Rede auf den Sumpfkrebs und den Signalkrebs kommt. Die beiden eingeschleppten Krebsarten sind gegen die Krebspest, einen Eipilz, immun. Für heimische Krebse ist die Pest indes garantiert tödlich. Sie haben keine Chance, zu überleben, es sei denn, man baut eine Ökosperre. „Sie ist bisher die einzig wirksame Maßnahme, die wir kennen, um die ,Aliens’ am Einwandern in die Oberläufe der Fließgewässer zu hindern“, erklärt Benjamin Waldmann bei einem Vor-Ort-Termin mit Löwensteins Bürgermeister Klaus Schifferer und Bauhofleiter Michael von Hanxleden.

35 Arbeitsstunden

Waldmann arbeitet beim Referat Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium (RP) Stuttgart und betreut das Aktionsprogramm Steinkrebs, das in sieben Landkreisen mit einem ganzen Maßnahmenbündel den heimischen Flusskrebsen helfen will. In Löwenstein musste der Sulm-Abbruch beim Breitenauer See instand gesetzt werden. Das nutzte das Regierungspräsidium für das Pilotprojekt. In rund 35 Arbeitsstunden sanierten Bauhofmitarbeiter das Bauwerk mit Beton und bauten die Ökosperre ein.

Waldmann erklärt, wie sie funktioniert: Der Signalkrebs wandert so weit wie möglich die Bäche hoch, um sich neue Lebensräume zu erschließen. Ausgerechnet diese Krebsart und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs kommen in der Sulm und im Breitenauer See in Massen vor. An der glatten Oberfläche der Stufe und den Seitenwänden des Abbruchs aus Beton können die „Aliens“ jetzt nicht mehr hochklettern. Edelstahlbleche an den Seitenwänden bewirken, dass die Tiere das Hindernis nicht umwandern können. Die Löwensteiner Ökosperre gilt jetzt als eine Mustersperre für Bäche im ganzen Land.

„Früher gab es in allen unseren Fließgewässern die Steinkrebse, heute sind sie vom Aussterben bedroht und eine Rarität“, erläutert der Umweltingenieur. Das hat eine Kartierung der Krebsbestände ergeben, die das RP bei einem Fachbüro in Auftrag gegeben hatte. Eine der größten Steinkrebs-­Populationen im Land gibt es im Schwäbisch-Fränkischen Wald.

Das Aktionsprogramm des RP soll die Lebensräume für heimische Flusskrebse optimieren und die Wasserqualität verbessern. Ökosperren und Arche-Gewässer werden eingerichtet. „Wir planen langfristig die Zucht und Auswilderung der Steinkrebse“, berichtet Benjamin Waldmann über den weiteren Projektverlauf.

Experte rät: „Aliens“ essen

Gegen die „Aliens“ helfe eigentlich nur, sie zu essen. Krebsschutz funktioniere gemeinsam mit den für die Gewässerunterhaltung zuständigen Kommunen. Weil man Neuland betrete, gebe es noch keine expliziten Förderprogramme, daher werde man das Löwensteiner Pionierprojekt zunächst über das Ökokonto honorieren. „Wir unterstützen dieses Projekt zur Arterhaltung selbstverständlich gern“, sagt Bürgermeister Klaus Schifferer.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel