Auf dem Sportplatz in Obersontheim zückte Anfang August ein 39-jähriger Fußballspieler ein Messer. Zuvor hatte er zwei Mitspieler mit Kopfstößen niedergestreckt. In der Woche davor randalierten Unbekannte auf dem Friedhof in Mittelfischach, zündeten Feuerwerkskörper und richteten auf diese Weise einen Sachschaden in vierstelliger Höhe an. Ebenfalls Anfang August wurden in der Schrebergartenanlage am Friedhofweg in Obersontheim Zäune beschädigt, eine Hütte aufgebrochen und diverse Gemüsepflanzen gestohlen. Und vom vergangenen Wochenende meldet die Polizei einen versuchten Einbruch. Was ist los in Obersontheim? Sind das zufällige Häufungen oder ziehen dort Jugendbanden durch die Gemeinde?

„Nichts Auffälliges“

Polizeisprecher Bernd Märkle sagt, „die Vorfälle sind einzeln zu betrachten. Das sind völlig unterschiedliche Sachverhalte und das spricht eher dafür, dass sich die Taten zufällig häufen.“ In den vergangenen Monaten habe sich in der Gemeinde Obersontheim nichts Auffälliges ereignet. Auch Susanne Hug, stellvertretende Hauptamtsleiterin, sagt, es gebe keine Auffälligkeiten. Schwierig sei auch, abzuschätzen, ob die Taten mit den Ferien und Langeweile zusammenhängen oder ob die Täter überhaupt aus der Gemeinde stammen. Früher habe Obersontheim einen Jugendsozial­arbeiter gehabt. Aber das Angebot sei ausgelaufen, weil es nicht mehr angenommen worden ist. In den Ortschaften treffen sich die Jugendlichen in Hütten oder Bauwagen, berichtet Hug, das laufe selbstorganisiert und gut.

Obersontheim

Entwarnung gibt auch Thomas Heiner, Leiter des Polizeireviers in Schwäbisch Hall. Alle drei Fälle seien einzeln zu betrachten, auch die Polizeistatistik der vergangenen Monate weise keine großen Besonderheiten auf. Der Fußballspieler der Betriebssportgruppe habe zum ersten Mal dort auf dem Sportplatz gestanden.  „Ich denke, dass er dort nicht mehr mitkicken kann“, vermutet der Polizeioberrat.

„Dummebubenstreich“

Bei den Vorfällen auf dem Friedhof in Mittelfischach geht er von einem Dummebubenstreich aus, der aber angesichts der vierstelligen Schadenssumme nicht zum Schmunzeln sei. Es gehe um Kinder, die an Silvester Feuerwerkskörper gebunkert hätten und jetzt in den Ferien Unfug treiben würden. „Wir haben einen Zeugenaufruf gestartet, haben aber noch keine neuen Erkenntnisse.“

Mit Druckluftwaffe geballert

Die Sachbeschädigungen an den Schrebergärten „waren versuchte Einbrüche“, berichtet Heiner. „Uns ist nicht bekannt, dass dort Gruppierungen herumlaufen.“

Kreis Hall

Thomas Heiner stellt die Kriminalstatistik 2018 der Gemeinde Obersontheim vor. Ortsgespräch waren dort die Taten von zwei 18-Jährigen, die im Bühlertal mit einer CO2-Waffe hohen Sachschaden anrichteten. Über Wochen fuhren die beiden Heranwachsenden durchs Bühlertal und schossen auf Häuser und Fahrzeuge. Der Sachschaden betrug 25.000 Euro. Dank Unterstützung aus der Bevölkerung konnten die Täter festgenommen werden.

Auffallend ist in der Obersontheimer Statistik die hohe Zahl an Rohheitsdelikten: 15-mal wurden solche angezeigt, davon drei schwere Körperverletzungen. 2014 waren es vier Vorfälle, 2015 sechs. „Es sind vor allem Fälle von häuslicher Gewalt“, erklärt Polizeioberrat Thomas Heiner.

Drei Wohnungseinbrüche sind in der Statistik notiert – glücklicherweise waren die Täter nicht in die Wohnungen eingedrungen, es blieb beim versuchten Einbruch.

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Polizei erfasst 2018 in Obersontheim 101 Delikte


Mehr als die Hälfte der Delikte, die 2018 in Obersontheim angezeigt worden waren, hat die Polizei ermittelt: 101 Vorfälle wurden notiert (14 weniger als im Vorjahr, ein Rückgang von 12,2 Prozent). Von diesen hat die Polizei 67 aufgeklärt – 15 weniger als 2017. Die Aufklärungsquote liegt bei 66,3 Prozent.

Insgesamt wurden 52 Personen einer Straftat beschuldigt. Zwei Tatverdächtige waren Kinder unter 14 Jahren, drei Jugendliche (bis 18), fünf Heranwachsende (bis 21). 43 der Verdächtigen waren erwachsen. Unter den Beschuldigten waren acht Menschen, die keinen deutschen Pass besitzen.

Notiert wurden 15 Rohheitsdelikte (Körperverletzungen), 25 Diebstähle, 24 Sach­beschädigungen, 8 Rausch­giftdelikte und 8 Betrugsfälle. sel