Schwäbisch Hall OB Hermann-Josef Pelgrim hält "Rede an die Jugend" - Bürger sollen Werte vermitteln

Der Oberbürgermeister diskutiert nach seiner Rede mit Schülern in der Aula am Schulzentrum Ost.
Der Oberbürgermeister diskutiert nach seiner Rede mit Schülern in der Aula am Schulzentrum Ost. © Foto: Ufuk Arslan
SELINA HERBST / SIMON KREUZER 12.12.2015
Zuwanderung ist besonders in Hall ein großes Thema, davon ist der Oberbürgermeister überzeugt. Herausforderungen und Perspektiven einer Migrationsgesellschaft diskutierte er bei der Rede an die Jugend. Mit Kommentar.

Eine Aula voll junger Schüler: aufmerksam, engagiert und interessiert. Das was sich ein Lehrer wünscht, darf Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim am gestrigen Freitagmorgen auskosten. Er ist der Gastsprecher bei der jährlich Rede an die Jugend im Gymnasium bei St. Michael. Das Thema: "Herausforderungen an eine Zuwanderungsgesellschaft".

Bisher wurden von der Bürgerstiftung meistens auswärtige Redner eingeladen. Wieso dieses Jahr das Heimspiel für den Oberbürgermeister? "Neben seinem Fachwissen hat OB Pelgrim einen Bezug zur Region: Er kann abstrakte Zahlen auf Schwäbisch Hall runterbrechen und zeigen, wie Füchtlingspolitik funktioniert", erzählt Susanne Kessen, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung.

"Deutschland - auch Hall - ist eine Zuwanderungsgesellschaft", wirft der Oberbürgermeister gleich zu Beginn in den Raum. Als er jung war, hießen die Nationalspieler noch Müller und Breitner - heutzutage finden sich Özil, Boateng und Khedira im Kader. Allein in Hall lebten Menschen aus 112 verschiedenen Staaten, rund 4600 der rund 38000 Einwohner hätten eine ausländische Staatsbürgerschaft.

Während Pelgrim Zahlen und Statistiken über die "kleinste Metropole der Welt" erläutert, geht unruhiges Tuscheln durch die Reihen. Rektor Preisendanz mahnt die Schüler zur Ruhe. "Pelgrim wirft da mit Zahlen um sich, anstatt konkrete Lösungsansätze anzusprechen. Mich hat der Vortrag nicht überzeugt", kritisiert der Zwölftklässler Benjamin Weber später.

Als der Redner auf die Folgen und Herausforderungen der Zuwanderung eingeht, werden die Jugendlichen in der Aula hellhöriger. "Migration gab es schon immer - wir können und konnten davon profitieren." Der Oberbürgermeister zeigt auf ein Bild der Unicorns, die den American Football in Hall etabliert haben. "Trotz allem haben wir unterschiedliche Normen und Werte." Diesen den Flüchtlingen näherzubringen, sei mit das Wichtigste.

Dass der einstündige Vortrag den Elft- und Zwölftklässlern nicht ausgereicht hat, zeigt die Diskussion danach: "Wie wäre es mit einem Zuwanderungsbeauftragten?" möchte ein Schüler wissen. Pegrim hält wenig von der Idee. Das Thema müsse die Gesellschaft lösen: Nicht die Verwaltung sei die Stadt - "Sie sind die Stadt". Die Schüler geben sich nicht immer zufrieden, bohren nach: Für manches Statement gibt es Szenenapplaus.

Selbst nachdem sich der Saal geleert hat, nehmen einige Schüler Pelgrim noch ins Kreuzverhör. Eva König von der Bürgerstiftung freut sich: "So lange war die Diskussionsrunde noch nie."

Zitat:

"Ist es nicht arrogant, uns Gymnasiasten als Elite zu bezeichnen?"  Ein Schüler zu Hermann-Josef Pelgrim
"Wenn Sie den Begriff so interpretieren, gehören Sie nicht zur Elite." Pelgrim zum Schüler
"Und wenn Sie Begriffe wie Elite verwenden, gehören Sie zur falschen Partei." Antwort des Schülers.
 

Kommentar

Dass Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim ein Mann vom Fach ist, bestreitet niemand - auch nicht, dass 350 Schüler ein schwieriges Publikum sind. Da braucht es schon eine charismatische Rede.

Pelgrim bleibt allerdings abstrakt, verpasst den rhetorischen Zugang zu den jungen Zuhörern. Zudem ist sein Appell nichts Neues: Werte vermitteln - konkreter wird es in der Aula nicht. "Informativ aber einfallslos", fasst ein Schüler die Rede zusammen. Dabei sollte der Freitagmorgen laut Bürgerstiftung inspirieren. Aber nur die wenigsten Schüler verlassen die Aula mit einem überzeugten Blick. Selina Herbst/Simon Kreuzer