Rosengarten Nur noch wenige Tage ist Ralf Völker Grundschulleiter in Rosengarten-Westheim

Grundschulrektor Ralf Völker geht bald in Ruhestand.
Grundschulrektor Ralf Völker geht bald in Ruhestand. © Foto: Ufuk Arslan
SIGRID BAUER 23.07.2014
"Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als Grundschullehrer zu sein", meint Ralf Völker. 32 Jahre hat er als Rektor die Schule in Westheim geprägt. Jetzt geht er in Ruhestand. Doch zuvor wird gefeiert.

Sogar seine beiden längst erwachsenen Töchter kommen von weit her zu seiner Verabschiedung angereist. Darüber freut sich der zurückhaltend wirkende Pädagoge, dessen Aussprache die Herkunft aus dem Norden Deutschlands ahnen lässt. Nach der Schulzeit in Göppingen und dem Hauptschul-Studium an der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd verschlug ihn seine erste Stelle 1973 nach Ottendorf bei Gaildorf: "Das war damals eine Zwergschule mit zwei Klassen und zwei Lehrern", erinnert er sich. Schon die nächste Berufsstation war Westheim, wo er 1982 Schulleiter der Grundschule wurde und bis heute blieb. "Eine sehr geradlinige Biografie", meint der gebürtige Verdener dazu und lächelt.

In den Anfangsjahren lag die Schülerzahl zwischen 135 und 155 Kindern, ihren Höhepunkt erreichte sie 1997. "Das waren die geburtenstarken Jahrgänge, damals waren wir fast dreizügig", erklärt er. Jetzt sind es wieder rund 150 Schüler. In den vergangenen Jahren bröckelte es stärker, meint er. Aber er ist zuversichtlich, dass die Schule das Niveau und damit die Zweizügigkeit halten kann.

Seit vielen Jahren setzt sich Völker für Kinder mit Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) ein. Er war Fachberater am Haller Schulamt und im ganzen Kreis unterwegs, um Kinder zu testen und Förderung anzubieten. "Man hat mich den Rechtschreibpapst genannt. Ich war berühmt und gefragt im Schulamtsbezirk", erzählt er schmunzelnd. Auch Kindergärten habe er besucht, um den Erzieherinnen Förderprogramme an die Hand zu geben. Früher hatte jede Grundschule extra Stunden für die LRS-Kinder, heute gibt es Schwerpunktschulen dafür. "Zum Beispiel in Michelbach. Der Landkreis hat das immer gut unterstützt."

Stolz ist Völker, der einer der dienstältesten Schulleiter im Schulamtsbezirk ist, auf die zahlreichen ehrenamtlichen Lesepaten der Grundschule, die nach einem festgelegten Programm mit einzelnen Kindern üben.

Schon Ende der 1990er-Jahre ist Westheim in die sogenannte verlässliche Grundschule eingestiegen. Inzwischen bleibt die Hälfte der Kinder zum Mittagessen und zur Nachmittagsbetreuung, längstens bis 17 Uhr, in der Schule. Dabei engagiere sich die Gemeinde vorbildlich. "Der Trend geht zur Ganztagsschule", ist Völker sicher. Die Aufgabe seines Nachfolgers werde es sein, dafür ein pädagogisches Konzept auszuarbeiten. Der ist aber leider noch nicht gefunden. "Ich würde mir wünschen, dass es für Schulleiterstellen mehr Anreize gäbe", sagt er.

In der Gemeinde ist Völker nicht nur als Rektor, sondern auch als langjähriger Gemeinderat bekannt. Außerdem hat der Hobbyhistoriker ein Buch über die Schule in Westheim geschrieben und später noch die Schulgeschichte der Teilorte Rieden und Uttenhofen recherchiert. "Früher, als es noch die Residenzpflicht gab, war der Schulleiter für die Ortsgeschichte zuständig", stellt er fest. Die Archive in Hall, Ludwigsburg und Stuttgart zu durchforsten, sei spannend gewesen. Zwischendurch habe er sich aber zu viel Arbeit aufgebürdet, räumt er ein. Voll des Lobes ist er für sein Kollegium und die Gemeinde. "Ich hatte tolle Arbeitsbedingungen."

Obwohl sein Herz an der Schule hängt, will er sich noch dieses Jahr von Westheim verabschieden und zu seiner Lebensgefährtin nach Darmstadt ziehen. "Das Stadtleben genießen", meint er. Doch vorher steigt noch eine große Verabschiedungsfeier für den in der ganzen Gemeinde und darüber hinaus geschätzten Mann.

Zur Person vom 23. Juli 2014

Ralf Völker ist 1949 in Verden an der Aller (Niedersachsen) geboren. Die Schule besuchte er in Göppingen. Nach dem Abitur studierte er an der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd Lehramt für Hauptschulen. Später arbeitete er als Grundschullehrer, zuerst in Ottendorf und später in Rosengarten-Westheim. Er war acht Jahre Gemeinderat und schrieb Bücher über die Schulgeschichte von Westheim, Rieden und Uttenhofen.

SIBA