Bühlerzell Nur kleine Anlagen rentieren sich noch

Die Familie Schmid (von links: Bernd, Sebastian und Ulrike Schmid) aus Mangoldshausen führt den Betrieb Energieschwein KG. Hier steht sie auf dem Fermenter der Biogasanlage. Der grüne Behälter im Hintergrund ist ein Nachgärer. Unter der großen Kuppel rechts wird das Gas gespeichert.
Die Familie Schmid (von links: Bernd, Sebastian und Ulrike Schmid) aus Mangoldshausen führt den Betrieb Energieschwein KG. Hier steht sie auf dem Fermenter der Biogasanlage. Der grüne Behälter im Hintergrund ist ein Nachgärer. Unter der großen Kuppel rechts wird das Gas gespeichert. © Foto: v
Bühlerzell / Sigrid Bauer 14.06.2018
Drei Biogasanlagen haben großen Anteil daran, dass in der Gemeinde Bühlerzell deutlich mehr Strom erzeugt als verbraucht wird. Insgesamt stoppt der Biogasausbau aber im Kreis. Hier einige Hintergründe.

Die recht großen Biogasanlagen in Bühlerzell wurden vor der Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2011 gebaut. „Seither werden im Kreis nur noch kleine Biogasanlagen bis zu 75 Kilowatt Leistung gebaut“, sagt Heinz Kastenholz vom Energiezentrum in Wolpertshausen. Sie werden überwiegend an großen Ställen zur Verwertung der Gülle installiert, weil die Betreiber dann eine Sondervergütung bekommen. „Für größere Anlagen ist die Stromeinspeisevergütung so abgesenkt worden, dass sich der Betrieb nicht mehr lohnt“, stellt auch Gottfried Gronbach, Energieexperte aus Wolpertshausen, fest.

Im Jahr 2016 wurde in der Gemeinde Bühlerzell laut Zahlen der ENBW vor allem dank der Biogasanlagen 237 Prozent mehr Strom produziert, als dort verbraucht wurde. „Da liegt Bühlerzell recht weit vorn. In Blaufelden dürfte es ähnlich sein“, schätzt Gronbach.

Der Anteil von Biomasse an der Stromproduktion ist laut Kastenholz in den Kreisgemeinden sehr unterschiedlich. Auf einen anderen Aspekt weist Steffen Schüle, Biogasanlagenbetreiber aus Bühlerzell-Mangoldshausen, hin. „Bühlerzell hat wenig Einwohner, vor allem wenig Gewerbe und keine Industrie und deshalb im Vergleich zu anderen Gemeinden geringen Stromverbrauch. Das relativiert die ENBW-Zahl“, sagt er.

Synergieeffekte überzeugen

Bernd Schmid, ebenfalls aus Mangoldshausen, hat schon 1999, lange bevor es über das EEG eine feste Einspeisevergütung für Strom gab, eine Biogasanlage gebaut, die er anfangs ausschließlich mit Gülle von seinen eigenen Schweinen und von Schweinen seiner Nachbarhöfe betrieben hat. „Nach der Vergärung in der Biogasanlage stinkt die Gülle nicht mehr – ein wichtiger Beweggrund für mich“, erklärt der Landwirt.

Außerdem sei die Gülle nach der Umsetzung ein besserer Dünger als vorher. „Diese Synergieeffekte zwischen Biogaserzeugung und Landwirtschaft haben mich überzeugt“, betont er. Er versorgt alle eigenen Gebäude und einige Häuser im Dorf mit Wärme. Seine inzwischen auf ein Megawatt installierte Leistung vergrößerte Anlage, deren Stromproduktion je nach Bedarf des Markts geregelt wird, kann theoretisch 1000 Haushalte mit Strom versorgen. Seit 2006 erhält er nach dem EEG eine feste Stromvergütung. „Wir sind zuversichtlich, dass wir die Anlage auch dann noch wirtschaftlich betreiben können, wenn das EEG für uns ausläuft“, sagt er.

Gronbach bedauert, dass mit dem aktuellen EEG die Biogas-Fernwärmeprojekte der Haller Stadtwerke nicht mehr rentabel seien. Die Stadtwerke kooperieren mit zwei Landwirten, deren Biogas rund 100 Haller Haushalte mit Strom und Wärme versorgt. „Nach der jetzigen Gesetzeslage würde jede weitere Biogasanlage die Einspeisevergütung für alle beteiligten Betreiber reduzieren“, erklärt er.

Biogas ist gut steuerbar

Sinnvoll sei dagegen, dass jetzt Stromerlöse für steuerbare Anlagen gezahlt werden. „Die Anlage läuft nicht ständig, sondern wird gezielt zu Strommangelzeiten eingesetzt. Es kann sinnvoll sein, zwischen 7 und 10 Uhr voll zu fahren und sie vor allem nachts he­runterzuregeln“, meint Gronbach.

Ihn besorgt, dass schon 2021 die ersten Biogasanlagen nach 20 Jahren aus der EEG-Förderung fallen. Die meisten seien dann nicht mehr wirtschaftlich. „Es wäre schade, wenn sie dann abgestellt würden, obwohl sie betriebsbereit sind“, meint Gronbach.

Ursprünglich habe man gehofft, dass der Strompreis nach 20 Jahren Förderung wirtschaftlich ist. „Aber weil noch so viele Kohlekraftwerke laufen, ist er sogar gesunken“, stellt Gronbach fest. Er hofft, dass die Politik die Rahmenbedingungen ändert. Möglich wäre auch, über die Vermarktung von Regio-Strom höhere Preise zu erzielen. „Wer Wert darauf legt, dass sein Steak von hier kommt, zahlt auch mehr für regionalen Strom“, so die Idee.

Wenn größere Anlagen rentabel wären und sie mit Gülle laufen würden, könnten noch Anlagen im Kreis gebaut werden. „Das hätte den Vorteil, dass der Güllegestank vermindert würde. Gärreste riechen nur minimal“, betont auch Kastenholz. Gleichzeitig würde der Teller-Tank-Diskussion bezüglich des großflächigen Maisanbaus für Biogasanlagen die Grundlage entzogen. Bisher landen laut Gronbach nur 20 Prozent der hier anfallenden Gülle in Biogasanlagen.

Die Biogasanlage der Familie Schmid in Mangoldshausen hat eine installierte Leistung von einem Megawatt und eine Bemessungsleistung von 400 Kilowatt. Sie wird mit Gülle und mit nachwachsenden Rohstoffen gefüttert. Die drei Blockheizkraftwerke (BHKW), die das Biogas verstromen, werden von einem Stromhändler in Köln je nach Marktlage gesteuert. Übers Wochenende läuft nur ein BHKW. Das Gas wird solange zwischengespeichert. Der Strom wird über die Strombörse in Leipzig verkauft.

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