Handwerk Fachkräftemangel macht regionaler Wirtschaft Sorgen

Feinwerkmechaniker: Je spezieller die Einsatzgebiete, desto schwieriger ist es für viele Handwerksbetriebe, entsprechend qualifizierte Mitarbeiter zu finden.
Feinwerkmechaniker: Je spezieller die Einsatzgebiete, desto schwieriger ist es für viele Handwerksbetriebe, entsprechend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. © Foto: www.amh-online.de
Region / Heribert Lohr 18.07.2018
Handwerk Heimische Betriebe derzeit voll ausgelastet. Zahlreiche Unternehmen können zumindest kurzfristig keine Aufträge mehr annehmen.

Das Handwerk in der Region wird weiter von einer Phase der Hochkonjunktur getragen. Ein Ende des Booms ist derzeit nicht absehbar. Auch die jüngste Konjunkturumfrage der  Handwerkskammer Heilbronn-Franken lässt an dieser Sicht der Dinge keine Zweifel aufkommen: die überwiegende Zahl der Betriebe kann sich vor Aufträgen kaum noch retten.

Wie die Daten der Erhebung für das zweite Quartal in diesem Jahr zeigen, sind vier von fünf Handwerksfirmen mit ihrer „aktuellen Geschäftslage zufrieden“. Gerade einmal 2,1 Prozent der Unternehmen beurteilen den derzeitigen Geschäftsverlauf als „schlecht“. Und es kommt noch ein wenig besser, denn drei von vier Betriebslenkern gehen derzeit davon aus, dass ihre Geschäfte auch in den nächsten Monaten auf dem jetzigen Niveau verharren. 16,5 Prozent der Firmenchefs rechnen sogar damit, dass sich die Situation noch einmal verbessert.

Volle Auftragsbücher

Die Auftragslage der insgesamt 12 305 in Heilbronn-Franken gemeldeten Betriebe ist in der Summe nach wie vor gut. Beinahe jedes dritte Handwerksunternehmen konnte in der jüngeren Vergangenheit „zusätzliche Aufträge schreiben“. Rund ein Fünftel der Firmen rechnet außerdem damit, dass die Auftragszahlen noch weiter nach oben gehen.

Eine Entwicklung, die die Kunden – Privatleute wie Geschäftspartner – zu spüren bekommen. Wer derzeit Aufträge zu vergeben hat, benötigt Geduld, denn die meisten Betriebe sind an ihrer Leistungsgrenze. Mehr als die Hälfte der befragten Firmen meldete eine Auslastung zwischen 81 und 100 Prozent. Was häufig bedeutet: Nichts Zusätzliches geht mehr. Laut Ulrich Bopp stellt dieser Nachfragehype nach Handwerkerleistungen die Firmen auch in der Region zunehmend vor größere Probleme.

Denn nach Aussage des Präsidenten der Handwerkskammer Heilbronn-Franken sind zahlreiche Unternehmen auch deswegen nicht mehr in der Lage weitere Aufträge anzunehmen, weil ihnen dafür die notwendigen Fachkräfte fehlen. „Viele Betriebe müssen inzwischen sogar Aufträge ablehnen, weil sie nicht genügend Mitarbeiter haben“, erklärt Ulrich Bopp.  Die Rechnung, die der Kammerpräsident aufmacht, ist einfach: „Wenn nur die Aufträge steigen, aber nicht die Anzahl der Mitarbeiter, stoßen die Betriebe irgendwann an ihre Kapazitätsgrenzen.“ Aufträge sind das eine, die Rentabilität ist das andere. Mit den erzielten Umsätzen sind die Handwerkschefs durchaus zufrieden. Fast die Hälfte der Unternehmen konnte steigende  Umsätze verbuchen. Rund ein Drittel erwartet auch für die nächsten Monate ein weiteres Umsatzwachstum. Zuletzt lag das gesamte Umsatzvolumen im Handwerk in Heilbronn-Franken bei etwa 10 Milliarden Euro.

Soweit der beklagte Fachkräftemangel den Handwerkern keinen Strich durch die Rechnung macht, schlägt der anhaltende Boom auch auf die Zahl der Beschäftigten durch. Fast jeder zehnte Betrieb hat zuletzt seine Belegschaft vergrößert. Die Einstellungsbereitschaft dürfte hoch bleiben, denn fast 15 Prozent der Betriebe wollen zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Die Zeiten, in denen sich die Beschäftigung im Handwerk anders entwickelte, sind noch nicht so lange her. Noch vor  einem Jahr hatten die Betriebe unter dem Strich mehr Mitarbeiter verloren, als sie gewinnen konnten. Derzeit zählt das Handwerk in der Region rund  98­ 000 Beschäftigte. Tendenz weiter steigend.

Wachstumsbremse

Dabei treiben die Handwerker selbst die gute Konjunktur ein Stück voran. Auch wenn die Branche in Summe etwas zurückhaltender ist, so investieren die Firmen derzeit kräftig in  Räume, Geschäftsausstattung und Maschinen. Ein positiver Saldo ergibt sich auch bei der Investitionstätigkeit. Knapp ein Viertel hat sich für die nächsten Monate größere Investitionen vorgenommen.  Noch ist  die Stimmung im Handwerk in der Region bestens, auch wenn es erste Anzeichen dafür gibt, dass die gesamtkonjunkturelle Lage das Wachstum künftig bremsen könnte.

31,7

Prozent der befragten Handwerksbetriebe rechnen mit weiter steigenden Umsätzen in den nächsten Monaten. Innerhalb eines Betriebspanels nehmen vierteljährlich insgesamt 1000 Firmen in den acht Kammerbezirken in Baden-Württemberg an der Konjunkturumfrage teil.

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