Fußball Nur das Wetter stört

Jens und Miriam Hofmann bereiten schon alles für die Übertragung des WM-Spiels Deutschland gegen Mexiko vor. Das Paar wird die Begegnung mit Freunden verfolgen. Miriam Hofmann ist gebürtige Mexikanerin.
Jens und Miriam Hofmann bereiten schon alles für die Übertragung des WM-Spiels Deutschland gegen Mexiko vor. Das Paar wird die Begegnung mit Freunden verfolgen. Miriam Hofmann ist gebürtige Mexikanerin. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Hartmut Ruffer 16.06.2018

Ein Lächeln zeichnet sich auf dem Gesicht von Miriam Hofmann ab. „Mexikaner sind verrückt nach Fußball“, meint die 29-Jährige, die in Monterrey geboren ist. Mehr als eine Million Menschen wohnen in dieser Stadt im Nordwesten Mexikos. Mittlerweile lebt Miriam Hofmann in Westheim, wird dort an diesem Sonntag gemeinsam mit ihrem Mann Jens das WM-Spiel ihres Heimatlandes gegen das Land ihrer neuen Heimat ansehen. Dass sie dabei zu Mexiko halten wird, ist selbstverständlich. „Für 90 Minuten sind wir keine Familie“, sagt sie und schaut dabei ihren Mann. Beide brechen in Lachen aus.

Schnell Deutsch gelernt

Vor vier Jahren haben sie sich über einen Arbeitskollegen von Jens Hofmann in den USA kennengelernt. Damals waren ihre Deutschkenntnisse „null“, heute spricht Miriam Hofmann die Sprache nahezu perfekt. Kurse am Goethe-Institut, Zettel im ganzen Haus und natürlich ihr Mann haben beim Erlernen geholfen. Indem Miriam Hofmann, die vor ihrer Heirat Ramirez Viesca mit Nachnamen hieß, so schnell fließend Deutsch spricht, widerlegt sie eines der Klischees. „Es heißt immer, Mexikaner seien faul, doch das Gegenteil ist der Fall!“

Überhaupt diese stereotypen Vorstellungen von Mexiko und dessen Einwohnern – damit können beide nichts anfangen. „Ich trage keinen Sombrero“, bekräftigt Miriam Hofmann. Und Jens Hofmann ergänzt: „Als ich das erste Mal in Mexiko war, dachte ich: Wo sind die Mexikaner? Die Menschen dort sehen fast genauso wie in Europa aus.“

Ein Klischee, das tatsächlich stimmt: „Wir essen gerne sehr scharf.“ Das bestätigt Jens Hofmann, der sich beim Schärfegrad als „Anfänger-Mexikaner“ bezeichnet. Beim Essen musste sich Miriam Hofmann nicht nur beim Schärfen umgewöhnen. „In Mexiko gibt es normalerweise dreimal am Tag warmes Essen. Hier dagegen abends fast immer nur Vesper.“ Miriam Hofmann spricht Vesper mit einem „sch“ aus und beweist damit, dass sie auch den Hohenloher Dialekt schon adaptiert hat.

Gleich mit dem Vater telefoniert

Mexikaner, so heißt es, sind fast immer gut gelaunt. Das glaubt man sofort, wenn man sich mit Miriam Hofmann unterhält. Es gibt wenig, was ihr die Laune verhageln kann. Das Wetter in Deutschland aber gehört unbedingt dazu. „Diese Dunkelheit!“, stöhnt sie. „Ich wusste gar nicht, wie gut das Wetter in Mexiko ist“, fügt sie mit ironischem Lächeln hinzu. Die Sonne ist eines der wenigen Dinge, die sie vermisst.

Was ihr wirklich fehlt, ist ihre Familie. Die Bindung ist stark. Das zeigte sich auch bei der WM-Auslosung. Kaum war klar, dass Deutschland und Mexiko in einer Gruppe spielen werden, klingelte bei Miriam Hofmann das Telefon. Ihr Vater war am anderen Ende der Leitung. „Die beiden haben schon darüber gesprochen, als ich noch nicht einmal davon wusste“, bekennt Jens Hofmann.

Er sieht dem WM-Spiel gelassen entgegen. „Für Mexiko ist es Glück, dass es so früh auf Deutschland trifft“, glaubt Jens Hofmann. Denn so hätten die Lateinamerikaner die Chance, trotz der von ihm prognostizierten Niederlage das Achtelfinale zu erreichen. Die Runde der letzten 16, das ist auch der Wunsch von Miriam Hofmann für ihr Heimatland. Gerne darf es auch etwas mehr sein, schließlich ist Mexiko zuletzt immer im Achtelfinale ausgeschieden. Gemeinsam mit Freunden wird das Ehepaar die Partie auf einer großen Leinwand verfolgen. Gastfreundschaft wird nicht nur in Mexiko großgeschrieben. „Mi casa es tu casa“ heißt es auf Spanisch, „mein Haus ist dein Haus“. Die beiden wollen einen schönen, geselligen Tag erleben. Da kann selbst das Wetter die Laune nicht eintrüben.

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