Schwäbisch Hall Noch mehr Glühwein in der Haller Innenstadt

Gastronom Natalino Tulino mit Glühwein und Focaccia vor dem Außenbereich seines Ladens „Buongiorno Italia“.
Gastronom Natalino Tulino mit Glühwein und Focaccia vor dem Außenbereich seines Ladens „Buongiorno Italia“. © Foto: Thumilan Selvakumaran
Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran 28.11.2018
Zwei Gastronomen wollen abseits des Haller Weihnachtsmarktes eine Bude aufbauen. Die Idee bekommt im Rats-Ausschuss grünes Licht.

Glühwein, warme Focaccia vom Grill, vielleicht noch weitere Speisen und Getränke: Das wollen zwei Haller Gastronomen zur Adventszeit verkaufen. Nicht auf dem Weihnachtsmarkt, sondern in einer Bude in der Schwatzbühlgasse. Immerhin bezahlt Natalino Tulino Pacht für die Außenterrasse seines Feinkostladens, wo zur warmen Jahreszeit Speisen serviert werden. Wieso also nicht eine Weihnachtsbude aufbauen? „Wir wollen, dass die Stadt in der Adventszeit etwas belebter wird“, sagt der Gastronom. Mit „wir“ meint er auch den Restaurant-Nachbarn Uwe Rößler von „Big Russel“. Denn vieles spiele sich in den kommenden dreieinhalb Wochen auf dem Weihnachtsmarkt ab, der morgen eröffnet. „Die Innenstadt aber wird leer.“

Satzung erlaubt das nicht

Es gibt einen Haken: Die Satzung der Stadt erlaubt es nicht, Buden auf Terrassen aufzustellen. Die Wirte spitzten Hartmut Baumann, Chef der Freien Wählervereinigung, an, der einen Eilantrag an die Verwaltung richtete. Dieser wurde am Montagabend Thema im Verwaltungs- und Finanzausschuss des Gemeinderats. Baumann bittet darum, die Einschränkung in der Satzung jährlich im Dezember für Innenstadt-Gastronomen aufzuheben.

Bezüglich der Ausweitung des Weihnachtsmarktes sei die Verwaltung „etwas gespalten“, teilt Hermann-Josef Pelgrim mit. Der Oberbürgermeister verweist auf die großen Weihnachtsmarktvorbilder in Nürnberg und Stuttgart. „Auch dort entwickelt sich der Markt in die Stadt hinein.“ Es liefen in Hall aber derzeit Planungen für den Haalplatz, das Wettbewerb-Preisgericht tagt nächste Woche. Was dort entsteht, welche Möglichkeiten sich entwickeln sei jetzt noch nicht klar. Pelgrim stellt sich beispielsweise eine Eisbahn vor.

Eine „Scharnierfunktion zwischen Haalplatz und Marktplatz“ sei zwar wünschenswert. Die sei aber noch lange nicht konzipiert. Doch die Gastronomen brauchen jetzt eine Entscheidung. Pelgrim: „Es darf keine Verschlimmbesserung werden, sondern die Attraktivität muss gesteigert werden.“ Unterm Strich sei die Verwaltung froh, dass Akteure selbst die Initiative ergreifen. „Bedenken kommen aus der Stadtplanung heraus.“

Unterstützung bekommt der Antrag von Ludger Graf von Westerholt, CDU-Sprecher. Er sieht das Vorhaben „zunächst sehr positiv“. Allerdings sei  nicht absehbar, „ob wir dann 500 Wurstbuden und Glühweinausschenker haben“. Wenn das Vorhaben aber als Experiment gelte, solle die Stadt „den Mut haben“.

Auch Joachim Härtig (Bündnis 90/Die Grünen) sieht das Vorhaben positiv. Er erinnert an die deutliche Pachterhöhung für die Außenanlagen vor einigen Jahren. „Wieso sollten die Gastronomen dann nicht etwas mitnehmen dürfen.“  Zudem sei das kulinarische Angebot auf dem Weihnachtsmarkt beschränkt, das Gedränge groß. Da sorgten Alternativen in der Innenstadt für Entzerrung. Helmut Kaiser, Sprecher der SPD, will nicht uneingeschränkt zustimmen. „Was wir uns nicht vorstellen können ist, dass wir das jeden Dezember so machen.“

Friedrich Waller von der FWV stimmt dem zu. „Ich gehe davon aus, dass in der Kürze der Zeit keine 35 Gastronomen aktiv werden.“ Aber wenn ein dauerhaftes Konzept erstellt wird, seien die ersten Wirte bereits an Bord.

Michael Rempp (SPD) hat andere Bedenken. Die Händler auf dem Weihnachtsmarkt seien verpflichtet, Pfandtassen der Stadt zu nutzen. Dies sei für Gastronomen in der Innenstadt nicht geregelt. „Das wird zu Reibereien führen.“ Noch seien viele Punkte ungeklärt, erwidert Pelgrim, auch was Standgröße und Gestaltung anbelangt. Das müssten die Gastronomen mit der städtischen Touristik und Marketing aushandeln.

Thomas Preisendanz, Sprecher der FDP, wünscht sich, dass Anfang 2019 die Stadt ein Gespräch mit den Gastronomen führt, um Erfahrungen auszutauschen. „Prinzipiell sind uns heimische Gewerbetreibende lieber als die, die von außen kommen.“

Eine Gegenstimme

Der Ausschuss stimmt letztlich mit 15 Stimmen zu, in diesem Dezember zusätzliche Buden in der Innenstadt zuzulassen. Michael Rempp enthält sich, Martin Leibold (Grüne) stimmt dagegen.

Natalino Tulino hat am Dienstag vom positiven Abstimmungsergebnis erfahren. Er will zusammen mit Uwe Rößler nun in die konkrete Planung einsteigen. Es geht um Equipment, Stand, Mitarbeiter. „Wir wissen nicht, wie sehr unser Angebot nachgefragt wird. Es ist auch für uns ein Experiment.“

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Gastronomen können sich melden

Wer auf seiner Außenterrasse in Hall in der Adventszeit eine weihnachtliche Bude aufstellen möchte, kann sich mit Silvia Wittmann von der Touristik und Marketing Schwäbisch Hall in Verbindung setzen: 07 91 / 75 16 31; silvia.wittmann@schwaebischhall.de. Dort wird das für Dezember beschränkte Vorhaben in der Innenstadt koordiniert, wie Patrick Domberg, Sprecher der Stadt, mitteilt. Es werden noch Regeln von TM und Ordnungsamt definiert.

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