Transport Noch kein akuter Mangel

Das Geschäft brummt bei Schroth: Geschäftsführer Hartmut  Schroth (links) und Prokurist Joachim Gärtner.
Das Geschäft brummt bei Schroth: Geschäftsführer Hartmut Schroth (links) und Prokurist Joachim Gärtner. © Foto: Schroth
Frank Lutz 13.02.2018

Auf einen Mangel in der Transportbranche wies unlängst der Bundesverband Holzpackmittel, Paletten und Exportverpackungen hin: Die Paletten würden knapp, warnte der Fachverband mit bundesweit rund 400 Unternehmen der Holzpackmittelindustrie. Aufgrund des anhaltenden Konjunkturbooms bekämen viele Unternehmen keine Holz-Paletten mehr zum Transportieren ihrer Ware.

Doch des einen Leid ist des anderen Freud: Hersteller und Händler von Paletten freuen sich über gute Geschäfte. So auch in der Region: „Die Nachfrage ist generell groß, wir können den Markt aber sehr komfortabel bedienen“, sagt Hartmut Schroth, Geschäftsführer von Schroth Paletten. Besonders gebrauchte Europaletten seien beim Palettenhersteller und -händler aus Neustädtlein durch den derzeitigen Boom in der Industrie sehr gefragt. Aus Angst, nicht mehr an Paletten heranzukommen, komme es teilweise auch zu Hamster- oder Vorratskäufen. Die Entwicklung sei aber nicht neu: „Die Knappheit war im November schon sehr stark, hat sich aber schon wieder erholt.“ Auch bei anderen Herstellern und Händlern in der Region brummt das Geschäft: Das Ellhofener Holzwerk Mundloch und der Heilbronner Palettenhändler Mipa sind ausgelastet, aber „voll lieferfähig“, wie die Geschäftsführer betonen. Lediglich bei Neukunden könne es vorkommen, dass Aufträge abgelehnt würden, sagt Mundloch-Geschäftsführer Ralf Mundloch. Auch verlängerten sich aufgrund der hohen Nachfrage generell die Lieferzeiten in der Branche. Schlägt sich die Nachfrage auch in den Preisen nieder? Hartmut Schroth denkt zumindest über Preissteigerungen nach – allerdings nicht in erster Linie wegen der hohen Nachfrage, sondern weil die Holzpreise zuletzt um 5 bis 8 Prozent angezogen hätten: „Wenn die Rohstoffpreise jetzt nochmal um 5 Prozent steigen, werden wir die Verkaufspreise anpassen.“ Bisher kostet eine neue Palette bei Schroth zwischen 8,50 und 9 Euro, eine gebrauchte 7,50 bis 7,90 Euro.

Bei Mundloch und Mipa haben die Preise bereits angezogen. „In den letzten fünf, sechs Jahren war die Europalette auf einem Tiefpreis“, sagt Ralf Mundloch. Er hat den Preis um rund 10 Prozent auf nun 8,50 Euro erhöht. Nicht genug, findet Martin Ilzhöfer von Mipa: „Eigentlich müsste die Palette 11 Euro kosten.“ Doch die Billigkonkurrenz aus Osteuropa mache die Preise kaputt.

Schroth sieht die Konkurrenz aus Osteuropa gelassen: „Die gibt’s schon immer, aber sie haben das Problem der weiten Strecke.“ Seine Kunden – „die gesamte Bandbreite der Großindustrie“ aus Süddeutschland, der französischen Grenzregion, der Schweiz und Österreich  – legten großen Wert auf Schnelligkeit und Zuverlässigkeit, und in diesen Punkten könnten die osteuropäischen Firmen nicht mithalten.

Wie ist die Lage aber aus Sicht der Kunden, etwa der Transportfirmen? Sehen sie die Situation ähnlich entspannt oder macht sich bei ihnen der Palettenmangel stärker bemerkbar? „Bei uns gibt es bis jetzt keine Knappheit an Paletten“, sagt Guenter Gruber von der Geschäftsleitung der Heilbronner Spedition Fritz. Das Unternehmen ist Mitglied in zwei mittelständischen Speditionskooperationen, in denen der Palettenaustausch organisiert ist. „Da werden wir gut versorgt“, sagt Gruber. Zudem hat die Spedition stets ein paar Tausend Paletten auf Lager, um flexibel auf Kundenwünsche reagieren zu können.

Lange Lieferzeiten

„Von Palettenknappheit verschont“ ist bisher das Heilbronner Speditionsunternehmen Wüst, wie Geschäftsführer Harald Zeller berichtet. Auch bei anderen Speditionen sei das bislang noch kein Thema, sagt der Branchenkenner. Rund 20 000 Paletten, schätzt Zeller, sind bei seinem Unternehmen in Umlauf, 5000 bis 6000 Paletten hat er auf Vorrat. Von einer Preissteigerung hat Zeller bisher nichts gemerkt, „aber das Jahr fängt ja erst an“.

Beim Heilbronner Logistikdienstleister Ideal-Group ist das Thema durchaus angekommen. „Man kann schon Paletten auftreiben, aber das Problem ist die Qualität“, sagt Geschäftsführer Hans Klein. Ideal-Kunden wie Coca-Cola, Unilever oder die Pharmabranche verlangten 1-a-Paletten, erläutert Klein, der aufgrund des großen Bedarfs bei gleich mehreren Palettenhändlern ordert. Ungewöhnlich lange Lieferzeiten von vier bis sechs Wochen müssten eingeplant werden. Auch die Preise seien gestiegen, „aber nicht exorbitant“.

Zahlen und Fakten

Die Parfümerie Akzente wurde 1995 in Öhringen von Christina Renchen gegründet. 2014 folgte der Umzug nach Pfedelbach. Heute hat Akzente über 2 Mio. Kunden in neun europäischen Ländern. Der Umsatz lag 2016 bei 72 Mio. Euro, für 2017 liegen noch keine endgültigen Zahlen vor.

Die Online-Tochter Parfumdreams.de wurde 2004 ins Leben gerufen. Der Webshop war der erste in der Kosmetikbranche, dessen Website sich automatisch allen mobilen Endgeräten anpasst.

Ein Meilenstein war die Mobile App für Android und iOS-Geräte, mit der Parfumdreams.de 2012 zum ersten Anbieter eines nativen mobilen Onlineshops für Kosmetik wurde. 2015 wurde der Messenger-Dienst „Whatsapp“ in der Kommunikation mit dem Kunden eingeführt.

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Quadratmeter groß ist die Euro­palette als häufigste Palettenart. Ihre Maße betragen 1200 mal 800 mal 144 Millimeter, das Eigengewicht liegt bei 20 bis 24 Kilogramm.

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