Lücke Niedergelassene Ärzte mit Zusatzqualifikation fehlen

Landkreis / cus 25.08.2018

SAPV bringt für die Schwerstkranken und Sterbenden eine bessere Versorgung in der vertrauten Umgebung des häuslichen oder familiären Bereichs“, erläutert Schwester Margarete Mühlbauer, eine der Engagierten. Die stellvertretende Oberin und Chefin der Ambulanten Dienste am Diak in Schwäbisch Hall wurde kürzlich in den Ruhestand verabschiedet.

Schwester Mühlbauer sieht die Palliativversorgung auf drei Säulen zum Wohle der Schwerstkranken, Sterbenden und aller Beteiligten. Diese bestehen aus einem Team der SAPV, aus einer Palliativstation im Klinikum und einem Hospiz.

„Der weiße Fleck muss weg“

Das Diak, ambulante Hospizdienste, der Krebsverein Schwäbisch Hall, Diakonie-Sozialstationen der Region und Hausärzte mit der Zusatzqualifikation Palliativmedizin machen sich für den Aufbau von SAPV stark. „Der weiße Fleck im Landkreis Schwäbisch Hall und in den Nachbarlandkreisen muss also dringend weg“, unterstreicht Schwester Mühlbauer. Die Versorgungslücke in Baden-Württemberg betrifft vor allem den Landkreis Hall, den Hohenlohekreis, teilweise den Main-Tauber Kreis und Heidenheim.

Die Versorgungsqualität von SAPV wird durch spezielles Wissen und Erfahrungen im Palliativ-Care-Team erreicht, das rund um die Uhr zur Verfügung steht. Es gibt gleichzeitig eine ärztliche Rufbereitschaft und die Rufbereitschaft der Pflegefachkräfte. Das Palliativ-Care-Team arbeitet eng zusammen mit den niedergelassenen Hausärzten und den Kliniken, erläutert Schwester Mühlbauer.

Netzwerk gegründet

Trotz des Engagements gibt es im Landkreis Hall noch keine SAPV – warum? Die Mitarbeitenden dieses Teams sind Ärzte, Pflegefachkräfte, ein Koordinator und weitere Berufsgruppen. Eine Kooperation mit den jeweiligen ambulanten Hospizdiensten gehört dazu. „Leider haben wir im Landkreis Schwäbisch Hall und in den angrenzenden Landkreisen eine äußerst begrenzte Anzahl niedergelassener Ärzte, die über die Zusatzqualifikation Palliativmedizin verfügen“, nennt Schwester Mühlbauer das Problem. Die besondere Schwierigkeit liege darin, Personal mit dem vorgegebenen Anforderungsprofil zu finden – verbunden mit dem Rufbereitschaftsdienst.

Am 20. September 2016 wurde ein Netzwerk Palliativmedizin und -pflege in Hohenlohe-Franken gegründet. Alle Professionen sind vertreten – vom Arzt, über Pflegefachkräfte bis zu Vertretern der Kommunen und Kirchen. Das Netzwerk arbeitet intensiv daran, den Aufbau von SAPV in der Region zu erreichen. Dr. Markus Schuler gehört dem Netzwerk an. Er ist zudem Vorsitzender des Vereins für SAPV im Rems-Murr-Kreis. Schuler machte kürzlich bei einem Netzwerktreffen Mut, eine Struktur zu schaffen, die einzelnen Hausärzten mit der Zusatzqualifikation ermögliche, in kleiner Teilzeit mitzuarbeiten. Im Rems-Murr-Kreis sei dies letztlich nach einem längeren Anlauf gelungen.

Alle Handlungen auf den Betroffenen zugeschnitten

Zum Ziel der palliativen Versorgung macht der Deutsche Hospiz- und Palliativverband deutlich: „Palliative Care ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen.“ Alle Handlungen sind auf den Betroffenen zugeschnitten: Was tut dem Patienten gut? Was möchte er? Was ist für ihn aus pflegerischer Sicht hilfreich und unterstützend? Palliative Pflege steht den Angehörigen und Freunden bei der Verarbeitung seelischer und sozialer  Probleme während des Krankheitsverlaufs bis zum Tod des Patienten zur Seite.

Die gesetzliche Grundlage für SAPV ist im Sozialgesetzbuch Fünftes Buch geregelt: Anspruch auf eine SAPV haben Versicherte mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung bei einer zugleich begrenzten Lebenserwartung, die eine besonders aufwändige Versorgung benötigen.

Basis für die Finanzierung von SAPV ist die Vergütungsvereinbarung mit den Krankenkassen, mit denen ein Vertrag abgeschlossen wurde. Einzelne Leistungen werden pauschal vergütet. Dazu zählen eine Erstberatungspauschale, ein Festbetrag bei einer Versorgungsdauer bis zu sieben Tagen. Zum Start werden Spenden benötigt.

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