Schwäbisch Hall Neugier auf Shakespeare geweckt

SONJA ALEXA SCHMITZ 23.07.2014
Für die meisten Schüler der Kaufmännischen Schule war es eine Shakespeare- und Treppentheater-Premiere: die öffentliche Probe von "Hamlet", zu der sie als Premierenklasse geladen waren.

Schon mal Shakespeare gelesen? Irgendeine Ahnung, wer Hamlet ist? Nein? So geht es auch den Schülern der Kaufmännischen Schule, die auf den Stühlen vor der Großen Treppe Platz nehmen. "Premierenklasse" nennt man die Schulklasse, die von den Freilichtspielen ausgewählt wird bei zwei Proben dabei zu sein. Sie sehen eine ganz am Anfang, eine in der Mitte der fast sechswöchigen Probenzeit, und dann dürfen sie die Generalprobe anschauen.

Die diesjährige Premierenklasse musste leider abspringen, so dass man kurzfristig in den 12. Klassen zirka 18 Schüler, weitaus mehr Mädchen als Jungs, zusammentrommelte, um wenigstens die öffentliche Probe anzuschauen. Die meisten haben noch nie ein Theaterstück auf der Großen Treppe gesehen. "Ist ja eine gute Gelegenheit, mal was für die Bildung zu tun", finden sie. Und was, wenn diese Shakespeare-Texte einfach nicht verständlich sind? Die Schüler sind zuversichtlich: "Egal, wir sehen ja, was die Schauspieler machen, das erklärt sich dann schon." Und wenn nichts geht, dann erfreuen sie sich eben an dem schönen Bühnenbild. "Super, sogar die Flecken von der Treppe haben sie da drauf gemalt", sagt eine Schülerin und zeigt auf das Bühnenbild. Betonierte Vorsprünge stellen ein Schiffskai dar.

Ganz schön herausfordernd beginnt das Stück. Wer ist wer? Wer hat da wen umgebracht? Die Sprache ist anspruchsvoll. Die Akustik ist bei der Generalprobe mäßig. Gut zwei Stunden powern die Schauspieler auf der Treppe. Der Hauptdarsteller rennt sogar bis rauf auf den Turm der Michaelskirche. "Wie oft mögen die hinfallen?", fragt sich eine Schülerin. Andreas Entner, Theaterpädagoge der Freilichtspiele erklärt: "Bei den Proben und den Aufführungen hat sich noch nie jemand verletzt. Immer erst, wenn es heißt ,So! Proben sind zu Ende!, dann sind Unfälle passiert." Das liegt wohl an der Konzentration.

Es ist kurz vor elf. Hamlet, seine Mutter, der hinterlistige Onkel, die falschen Freunde, seine einst Geliebte Ophelia, ihr Vater und Bruder, der einzige Freund, alle sind tot. Typisch Shakespeare. Das Stück ist zu Ende. Applaus gibt es, aber keine Verbeugung der Schauspieler, denn das bringe angeblich Unglück. Nur drei Schüler bleiben, um sich mit der Regisseurin Johanna Schall zu unterhalten. Marina Kramser, Anja Füll und Daniela Regner sind sich einig: "Das war richtig gut!" Meint das auch die Regisseurin? Zufrieden? "Das gibt es bei mir nicht!" Die Schülerinnen haben jedenfalls keine Patzer entdeckt. Jeder hat etwas anderes gefallen. Und es hat sie neugierig auf Shakespeare gemacht. Sie wollen sich gerne mal die Lektüre anschauen. Schon alleine um herauszufinden, was aus dem Stück mit dem Original übereinstimmt. Dass dieser Shakespeare ein sehr moderner und lustiger Typ gewesen sein muss, davon haben die drei jetzt eine Ahnung.

Info

Klassen, die sich als "Premierenklasse" bei den Freilichtspielen bewerben wollen, schicken eine Mail an entner@freilichtspiele-hall.de. Name der Schule, Zahl der Schüler und Jahrgangsstufe nennen.