"Morgen hätte ich unser erstes Kind auf die Welt bringen sollen. Stattdessen haben wir vorgestern unser viertes Sternenkind gehen lassen müssen Ich hatte keinen Lebensmut mehr, habe nur für meinen Mann weitergelebt. Ich war nur noch leer."

Dies ist nur einer von vielen Online-Einträgen im Maximilian Forum zum Thema Fehlgeburt. Oft anonym tauschen sich die meist verzweifelten Eltern mit anderen Müttern und Vätern aus. Um Trost zu finden, aber auch, um das Erlebte langsam zu verarbeiten.

Bis vor wenigen Jahren war eine Beerdigung von Fehlgeburten - Kindern, die unter 500 Gramm wiegen- nur schwer möglich. "In vielen Kliniken war es gang und gäbe, Fehlgeburten über den Klinikabfall zu entsorgen", sagt Hans-Joachim Lenke, Geschäftsführer des Diakonie-Klinikums in Hall, anlässlich der Eröffnung des neuen Grabfelds für die Allerkleinsten am Waldfriedhof.

25 Kinder pro Jahr beerdigt

"Wir bestatten die Kinder ohne Not und Enge gemeinsam in Kindersärgen", erklärt Diak-Seelsorgerin Irmtraut Endreß. Vier Mal im Jahr gibt es, ausgehend vom Diak, anonyme Sammelbestattungen. Innerhalb eines Jahres werden etwa 25 Kinder zu Grabe getragen.

Einen gesetzlichen Bestattungsanspruch für ihre Sternenkinder haben Eltern in Baden-Württemberg erst seit 2009. Davor konnten Fehlgeburten auch nicht im Personenstandsregister eingetragen werden. Für die offiziellen Stellen haben sie somit nie existiert. "Es handelt sich um ein sehr sensibles Thema, über das in der Öffentlichkeit nicht gerne geredet wird", sagt Irmtraut Endreß.

Viele Angehörige und Nichtbetroffene wissen oft nicht, wie sie mit den trauernden Eltern umgehen sollen. Sie treffen Aussagen wie: "Das war ja noch gar kein richtiges Kind" oder "Die Zeit heilt alle Wunden", schreiben betroffene Eltern in Foren wie sternenkinder.de oder wunschkinder.net.

Vor allem für die Sternenmütter ist das nicht so. Auch wenn das Kind tot auf die Welt kommt, ist es für sie bereits ein Teil von ihnen geworden. Sie nennen ihre verstorbenen Kinder - oft nicht älter als ein paar Wochen - liebevoll Sternchen, Krümel oder Wurm, wenn sie in Forenbeiträgen über sie schreiben.

Den kleinen Menschen eine würdige Ruhestätte zu geben und sie somit auch als Menschen anzuerkennen - das sei das Anliegen des Diaks und der Stadt Hall, sagt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Bereits im April und im Juli gab es die ersten Beisetzungen auf dem neuen Grabfeld. "Die Angehörigen waren voll des Lobes", erzählt Magdalene Zimmermann, Diakonin am Diak.

Sie und ihre Kollegen begleiten die Eltern von Beginn an und helfen ihnen in dieser schweren Zeit. "Gerne lassen Eltern ihr Kind noch segnen und möchten auch eine Erinnerungsmappe haben", sagt Zimmermann.

Kerzen, Porzellanfiguren, das erste Ultraschallbild, der erste Fußabdruck - und sei er noch so winzig- oder Tattoos erinnern sie an ihre Sternenkinder, schreiben Eltern auf den verschiedenen Forenseiten.

Eine letzte Ruhestätte für die Kleinsten

Würdigung Das neue Grabfeld am Waldfriedhof, das vergangene Woche eingeweiht wurde, bietet Platz für 62 Grabstätten. Es liegt gleich links neben dem Haupteingang. "Die Kleinsten sollten aus der Verborgenheit hinter der Trauerhalle geholt werden", sagt Diak-Seelsorgerin Irmtraut Endreß. Bildhauer Franz Raßl hat den roten Gedenkstein gestaltet, der von zwei Blumenbeeten gesäumt wird. Beerdigt werden die Allerkleinsten am Waldfriedhof bereits seit dem Jahr 2001. Damals gab es noch keine rechtliche Verankerung der Bestattungspflicht für unter 500 Gramm schwere Kinder. Auf Wunsch der Eltern wurden die stillgeborenen Kinder bis dahin zu Verwandten ins Grab gelegt. 290 Euro kostet eine pflegefreie Stelle und ein Kindereinzelgrab 400 Euro. Die Nutzungsdauer der Gräber kann individuell bestimmt werden.

KV