Von Mannheim nach Prag führt die Burgenstraße. Diese gab der Burgenlandhalle, die vor 34 Jahren eingeweiht wurde, den Namen. Die Straße führt an Städten mit bedeutenden Burgen vorbei, etwa Heidelberg, Bad Wimpfen, Rothenburg/Tauber, Nürnberg und Bamberg. Bürgermeister Frank Harsch stellt sich deshalb die Frage, ob der Name „Burgenlandhalle“ für die Braunsbacher gute Stube der richtige Name ist. „Und die Region ‚Burgenland’ gehört zu Österreich, hat mit Braunsbach gar nichts zu tun“, stellt Harsch fest. Er will mit dem Gemeinderat diskutieren, ob ein neuer Name sinnvoll ist. Angesichts des Einschnitts, den die Sturzflut am 29. Mai 2016 gebracht hat, ist sein Wunsch, dieses Datum in irgendeiner Form in den Namen aufzunehmen. Analog zum Attentat vom 11. September 2001 in den USA, das unter dem Namen „nine-eleven“ in das kulturelle Gedächtnis der Welt einging, kann er sich vorstellen, dass bei der Neubenennung der Burgenlandhalle ebenfalls das Datum einbezogen wird.

Spätere Einweihung

Zeit, darüber zu diskutieren, bleibt noch, denn die Wiedereröffnung der Burgenlandhalle wird sich bis zum Sommer verzögern. Bis zum Schuljahresbeginn im September 2019 soll aber alles fertig sein. Ursprünglich war vorgesehen, bis zum Jahrestag der Flut den Umbau und die Sanierung abgeschlossen zu haben. Eine Zeit lang war auch im Gespräch, dass der Sportunterricht bereits im Winter in der Burgenlandhalle abgehalten werden kann. Davon hat Frank Harsch inzwischen Abstand genommen. „Das geht nicht“, sagt der Bürgermeister, „wir haben Baustellenbetrieb.“

Ursache für die Zeitverzögerung des Umbaus und der Sanierung sind unvorhergesehene Umstände beim Bau. „Bei der eigentlichen Sanierung gab es keine Verzögerung“, stellt Bürgermeister Frank Harsch fest. Zeitraubend sei das neue Foyer gewesen. Dieser Anbau soll als Aufenthalts- und Ausstellungsraum genutzt werden.

Das Foyer wird nördlich der Burgenlandhalle stehen. Der bisherige Zugang führte über Stufen an einem steilen Hang zu der seitherigen Freifläche. „Das Problem war: Wir wussten nicht, wie sich der Hang verhält“, berichtet Bauleiter Georg Häfele, Mitarbeiter des Architekturbüros Kuhn. „Wir zogen einen Geologen hinzu und mussten den Hang sichern. Es dauerte, bis der Befund vorlag.“ Zeitraubend war auch, dass ein Betonfundament mühselig herausgeklopft werden musste.

Foyer mit Ausblick

Wegen der Hangsicherung musste zudem der Grundriss geändert werden. „Das Erdgeschoss ragt jetzt über das Untergeschoss hinaus.“ Das Foyer werde die Burgenlandhalle aufwerten, sagt Häfele. Dank der großen Fenster werde dieser Raum sehr hell sein, einen freundlichen Charakter haben. „Das Untergeschoss ist betoniert, wir stehen kurz vor dem Dach.  Die kritische Zeit ist vorbei.“ Damit spielt er darauf an, dass ein starker Regen während dieser Bauzeit Schwierigkeiten gebracht hätte, weil dann Wasser ins Untergeschoss gelaufen wäre.

Bald soll das Dach drauf

Auf der Baustelle der Burgenlandhalle arbeiten derzeit zwischen acht und zwölf Handwerker parallel. „Es bringt nichts, weitere 15 Leute reinzustellen“, sagt der staatlich geprüfte Bautechniker, dazu sei der Platz zu begrenzt. Dank der Trockenheit sei das Team mit der Sanierung gut vorangekommen. Häfele hofft, dass er vor Weihnachten das Dach auf das Foyer bekommt.

Braunsbach Straße zwischen Braunsbach und Orlach ist wieder offen

Im Anschluss müssen dann die Rohinstallationen erfolgen, also Heizung, Lüftung und Sanitäranlagen montiert werden. Die Innenwände müssen verputzt und Gipskartonwände abgehängt werden sowie Estrich verlegt werden.

Wie die alten Ägypter

Stolz ist Georg Häfele auf sein Team, das im September die zwei Meter hohe, acht Meter lange und 1,20 Meter breite Lüftungsanlage durch den engen Flur im Untergeschoss in den dafür vorgesehenen Kellerraum gebracht hat. „Es war günstig, dass die Baustelle gerade an diesem Punkt war: Das hintere Eck des Treppenhauses war offen“, berichtet Häfele. Mithilfe eines Krans konnten die Maschinenteile ins Treppenhaus gehievt werden – das schwerste wog 800 Kilogramm. Die Maschinenteile hatten nur wenige Millimeter Spiel zu den Wänden im engen Flur. „Wir hatten uns aus Rollen Hilfsmittel gebaut – so wie die alten Ägypter mit Baumstämmen die Pyramidensteine transportierten.“

Die Versicherung übernimmt den Großteil


Der Wiederaufbau der Burgenlandhalle ist mit einer Summe von 2,84 Millionen Euro berechnet. Die Sanierung der Gebäude macht mit 2,115 Millionen Euro den Löwenanteil aus. Der Rückbau nach der Sturzflut und die provisorische Wiederherstellung kosteten 605 000 Euro. Für die Ausstattung sind 120 000 Euro vorgesehen.

So sieht die Finanzierung der Sanierung und des Umbaus aus: Die Gebäude- und Inhaltsversicherung übernimmt den größten Teil der Kosten in Höhe von rund 2,46 Millionen Euro, teilt Braunsbachs Kämmerer Christoph Roll mit. Über das Stadtsanierungsprogramm bekommt die Gemeinde Braunsbach einen Zuschuss von rund 225 000 Euro. Den Rest von rund 155 000 Euro übernimmt die Kochertalgemeinde als Eigenanteil. sel