Das Wasser fließt in Form von dutzenden Strahlen aus dem Duschkopf. Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung. Die Gefahr ist unsichtbar: Das Wasser ist mit Legionellen belastet - Bakterien, die durch zerstäubtes Wasser tief in die Lungen gelangen und ernsthafte Krankheiten auslösen können.

Vor über einem Jahr wurden bei einer Routinekontrolle in Hallen am Schulzentrum West und Ost Werte zwischen 700 und 2300 kolonienbildenden Einheiten pro 100 Milliliter (KBE) gemessen. Bereits ab 100 KBE liegt eine Kontamination vor, ab einem Wert von 10000 KBE muss die Anlage gar gesperrt werden. Duschen ist nur über teure Filter möglich, die an den Duschköpfen montiert und alle vier Wochen ausgetauscht werden müssen.

Monatelang hatte die Stadt in Absprache mit dem Gesundheitsamt versucht, das Problem mit den "üblichen Maßnahmen zur Abtötung der Legionellen" zu lösen, teilt Sprecher Robert Gruner mit. Die Leitungen wurden chemisch durchgespült, das Wasser auf über 60 Grad erhitzt - bei diesen Temperaturen sterben die Bakterien ab. "Das Problem ist das stehende Wasser in Leitungen, in dem sich die Bakterien schnell vermehren", erklärte Erste Bürgermeisterin Bettina Wilhelm.

Die Verwaltung kam nach Beratung mit Stadtwerken und zwei Ingenieurbüros zum Schluss, dass eine Sanierung einzelner Anlagenelemente "keinen ausreichenden Schutz gegen Legionellenbildung bietet". Zudem seien die Rohre im Querschnitt zu groß, das Trinkwassernetz in den Hallen nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik. Daher favorisiert die Stadt eine Komplettsanierung der Leitungen. Diese war ohnehin Teil eines Gesamtsanierungskonzeptes für die nächsten Jahre und wird nun vorgezogen.

Martin Lenzen, Konrektor am Erasmus-Widmann-Gymnasium, ist glücklich über diese Entscheidung, da am SZW einzelne Duschen ganz gesperrt sind. "Für die Schüler, besonders in den höheren Klassenstufen, ist das eine enorme Beeinträchtigung." Duschen sei besonders wichtig, wenn der Sportunterricht auf die ersten beiden Schulstunden falle. Auch Sportvereine müssen sich mit der Situation abfinden.

Nach ersten Schätzungen kostet die Sanierung der Hagenbachhallen II und III (Baujahr 1975) einschließlich neuer Armaturen, automatischer Spülfunktion und Warmwasseraufbereitung 600000. Für die Halle I am Schulzentrum Ost (Baujahr 1968) müssten weitere 220000 Euro investiert werden. Zur Zeit würden die Ausschreibung vorbereitet, teilt Gruner mit. "Es ist geplant, die Arbeiten in der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses im Juni zu vergeben." Saniert werden soll von Juli bis Ende September.

Die ursprünglich geplante Sanierung umfasst Dämmung der Gebäudehülle und die Erneuerung der technischen Anlagen wie Heizung, Lüftung und Regelungstechnik. Laut Wilhelm wird mit Kosten in Höhe von 3,7 Millionen Euro gerechnet. Dieser Posten soll im Haushalt 2016/2017 aufgenommen werden. Auch darüber ist Martin Lenzen glücklich: "Ich kann mir vorstellen, dass die Dämmung der Turnhalle katastrophal ist." Im Sommer sei es darin sehr heiß. Im Winter, wenn die Heizung nicht läuft, extrem kalt.

Sanierung des Hagenbachstadions verschoben

Planung Der Gemeinderat hat Ende 2012 ein Sportstättenkonzept für die Stadt beschlossen und 4,2 Millionen Euro dafür bewilligt. 1,4 Millionen wurden für zwei neue Kunstrasenflächen am Schulzentrum Ost und West investiert. Mit rund 1,9 Millionen will sich die Stadt beim Bau des neuen Sportparks am Kocher an der Auwiese beteiligen. Mit dem Rest, knapp einer Million Euro, sollten das Hagenbachstadion sowie weitere Rasenspielflächen saniert werden.

Verzögerung Die Sanierung des Hagenbachstadions war nach dem Bauabschluss des Sportparks am Kocher vorgesehen - ursprünglich für das Jahr 2014. Doch die Arbeiten an der Auwiese verzögerten sich. Nun erklärt die Stadtverwaltung, dass auch eine Sanierung des Hagenbachstadions 2015 nicht möglich ist, sondern auf 2016 verschoben wird. "Dafür wird die Sanierung der Hagenbachhallen vorgezogen, da hier aufgrund der aktuellen Situation eine höhere Dringlichkeit vorliegt", teilt Robert Gruner mit.

SWP