Gastronomie Neue Betreiber des „Cafe del Rio“ im Club Alpha

Stefan Maier steht im Kneipenraum des Club Alpha in Schwäbisch Hall.
Stefan Maier steht im Kneipenraum des Club Alpha in Schwäbisch Hall. © Foto: Beatrice Schnelle
Schwäbisch Hall / Beatrice Schnelle 04.08.2018
Die Betreiberin des „Cafe del Rio“ im Club Alpha in Hall hat aufgegeben. Gleich zehn Wirte treten ihre Nachfolge an. Sie nennen sich „Kneipenkollektiv“ und öffnen heute Abend die Türen.

Das „Cafe del Rio“ ist tot, lang lebe das „Kneipen-Kollektiv“: Heute Abend startet die Kneipe im Club Alpha unter neuer Leitung durch. Im Mai waren juristische Streitigkeiten zwischen der Rio-Betreiberin Helena Vomfelde und dem Club-Vorstand bekannt geworden (wir berichteten). Ende Juni räumte dann die Haller Gastronomin, die zuvor noch betont hatte, trotz allem gerne weitermachen zu wollen, nach insgesamt nur 14 Monaten das Feld. Zuletzt schloss sie die abgelegene Kneipe, laut ihrer Aussage aus wirtschaftlichen Gründen, nur noch parallel zu den Club-Veranstaltungen auf.

Ob sich der interne Krieg daran oder an etwas anderem entzündete – der Club-Vorstand hatte ursprünglich auf regelmäßigen Öffnungszeiten mehrmals pro Woche inklusive Speiseangebot bestanden - darüber schweigen sich die Beteiligten weiterhin aus. Es sei eine teure Erfahrung gewesen, jetzt sei das Kapitel für sie beendet, sagt Vomfelde. Sie habe kein Interesse daran, nachzutreten: „Dafür ist mir mein Karma zu schade.“ Fortan konzentriere sie sich auf veganes Catering und ebensolche Kochkurse. Auch den veganen Imbiss, den sie seit Frühjahr in der Färbergasse führt, werde sie Ende des Jahres zumachen. Ihrem Nachfolger im Club Alpha wünsche sie alles Gute.

„Genossenschaft in Gründung“

Gleich etwa zehn Personen versuchen sich dort nun als ehrenamtlich tätige Wirte: „Wir sind eine Genossenschaft in Gründung“, beschreibt Club-Alpha-Mitglied Stefan Maier das Modell, das zunächst bis 1. Januar 2019 auf Probe läuft: „Es stecken öffentliche Gelder in dem Gebäude, darum soll es nicht so ein Gemauschel werden, dass wir einfach die Kneipe übernehmen, weil mehrere von uns im Club aktiv sind.“ Man wolle dem soziokulturellen Zentrum aber Zeit verschaffen, in Ruhe einen neuen Pächter zu suchen. Der wiederum könnte jedoch durchaus das Kneipen-Kollektiv sein: „Bis Januar sehen wir, ob sich unser Konzept etabliert und wenn das so ist, werden wir uns ganz offiziell bewerben.“

Alle Genossinnen und Genossen seien berufstätig. Jeder von ihnen werde in seiner Freizeit ein- bis zweimal im Monat einen Kneipen-Tag nach eigenen Vorstellungen gestalten – von den Öffnungszeiten über das Speisen- und Getränkeangebot bis zum „Inhaltlichen“: „Auf diese Weise wird kein Einzelner total vereinnahmt.“ Geplant seien etwa ein „Tatort“-Sonntag, Spieleabende, Familiennachmittage und eine regelmäßige Feierabendkneipe. Der Außenbereich soll ebenso wiederbelebt werden. Die versteckte Lage fern von jeder Laufkundschaft, die Vomfelde mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Aufgeben bewogen hat, sei zwar „besonders“, es gebe aber durchaus genügend potentielles Publikum: „Dadurch, dass wir so viele verschiedene Leute sind, werden wir interessant für unterschiedliche Personenkreise. Hier eine Standardkneipe aufzumachen, die immer gleich läuft, ist aus unserer Sicht schwieriger.“ Natürlich müsse man einen minimalen Gewinn erwirtschaften, um den Betrieb am Laufen zu halten.

Ästhetisches Wohlfühlen

Das farbenfrohe Latino-Flair, das Vomfelde hinterlassen hatte, wurde von den „Kollektivlern“ in vier Wochen harter Arbeit rückstandsfrei entfernt und durch eine eher puristische Gestaltung ersetzt. Wozu der ganz Aufwand, wenn vielleicht schon bald ein anderer Pächter die Innenausstattung nach seinem Geschmack prägen möchte? „Ich bin Ästhet“, tut der 35-jährige Heilerziehungspfleger diplomatisch seine Meinung über den verspielten Bambushütten-Stil des ehemaligen „Cafe del Rio“ kund. Das Kollektiv wolle ein „Wohnzimmer“ schaffen, in dem sich die Leute gerne aufhielten und wohlfühlten, dafür lohne sich jede Mühe.

Info Zur Eröffnung am heutigen Samstag findet ab 17 Uhr ein gemütlicher Abend mit Musik statt, bei dem es primär um die Vorstellung der wiederauferstandenen Location geht. Über die kommenden Aktivitäten können sich die Gäste ganz zeitgemäß über die Internetseite www.kneipenkollektiv.de informieren.

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