Trend Nervig oder therapeutisch nützlich?

Malte Beduhn 12.07.2017
Fidget Spinner kreisen um die Finger und überfluten derzeit die Schulen im Landkreis. Sie sollen therapeutisch wirken. Im Unterricht stören sie aber.

In Klassenzimmern, auf dem Pausenhof, an der Bushaltestelle: Junge Leute lassen kleine Teile um die Finger kreisen. Doch was hat es mit diesem Trend auf sich? Die Teile heißen Fidget Spinner. Es sind drei- oder zweiteilige  Handkreisel, die in der Mitte ein abgedecktes Kugellager besitzen. So lässt sich die Konstruktion schnell um die Finger drehen.

 Nun  überschwemmen die Spinner die Schulen. Doch was macht den Reiz aus? Darijan Duark Weinkel von der Grundschule Sulzdorf erzählt uns im Interview, was für ihn den Reiz ausmacht.

Was hältst du vom Fidget-Spinner Trend?

DARIJAN DUARK WEINKEL: Ich finde Fidget Spinner total cool. Am meisten mag ich, dass es so viele verschiedene Spinner gibt und dass es sich beim Drehen so cool  in der Hand anfühlt.

Hast du eigene Fidget Spinner?

Ja, ich habe sechs Spinner. Darunter ist ein spezieller mit kleinen Spitzen an den Seiten. Der ist auch mein Lieblings-Spinner. Die anderen sind normale Spinner.

Was sagen deine Lehrer, wenn sie bemerken, dass du einen Spinner im Unterricht drehst?

Wenn ich gerade eine Aufgabe habe oder mit dem Spinner meine Mitschüler störe, dann sagen die Lehrer, dass ich den Spinner wegpacken soll.

Was sagen Lehrer dazu, wenn die ganze Klasse im Unterricht mit so einem  Spielzeug hantiert? Die Jugendredaktion hat sich mit der Deutsch- und Bio-Lehrerin Leonie Allmendinger von der Realschule Schenkensee unterhalten.

Was halten Sie generell  von Fidget Spinnern?

LEONIE ALLMENDINGER: Wenn sie mir im Unterricht begegnen, finde  ich sie störend, da sie andere Schüler ablenken. Außerdem konzentriert sich der Schüler mit dem  Spinner nicht mehr auf den Unterricht. Daher muss ich die Spinner für die Stunde einsammeln. Aber wenn mir ein Spinner in der Freizeit begegnet, habe ich kein Problem mit ihnen und sie stören mich nicht.

Was sagen  Sie dazu, dass diese Spinner angeblich  für Kinder  mit ADHS-Erkrankung therapeutischen Nutzen haben soll.

Echt? Diese Teile sollen therapeutischen Nutzen haben? Nein, das ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar, wieso diese Spinner therapeutischen Nutzen haben sollten.

Würden Sie Fidget Spinner an Ihrer Schule, der Realschule Schenkensee, verbieten?

Nein, denn dieser Trend wird bald sowieso wieder vorbei sein. Es würde somit keinen Sinn mehr machen, die Fidget Spinner in der Schule zu verbieten, da dann sowieso niemand mehr mit den Teilen herumspielen wird.

Immer in Bewegung

Das Trend-Spielzeug stammt aus den USA und hat dort quasi über Nacht die Schulen überflutet. Das kleine, meist aus Plastik bestehende Gehäuse mit eingelassenen Kugellagern erinnert etwas an einen Propeller oder Ninja-Stern. Der Trend hat längst Europa erreicht.

Bewegt wird der Spinner in der Regel, indem er zwischen zwei Fingern einer Hand eingeklemmt und mit der anderen Hand in Rotation gebracht wird. Dreht er sich, kann er auch auf einem Finger balanciert oder geworfen werden. Ziel ist, dass sich der Spinner immer weiter dreht.

Die Hersteller geben an, dass das Spielzeug therapeutische Zwecke erfüllt, insbesondere bei Aufmerksamkeitsdefizitstörungen oder Autismus. Durch die Beschäftigung mit dem Spinner, so die Erklärung, werde das Kind von der eigenen Nervosität abgelenkt. Allerdings gibt es keine wissenschaftlich fundierten Aussagen. Im Gegenteil: Viele Lehrer beklagen, dass die Schüler eher abgelenkt werden. In einigen Schulen in Europa und den USA sind die Spinner mittlerweile verboten.