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Stuttgart 21
Stuttgart / DPA  Uhr
Nicht schon wieder der Schlossgarten! Umweltschützer wehren sich dagegen, dass in dem Park erneut Bäume fallen könnten - diesmal nicht für einen Bahnhof, sondern für das Ausweichquartier der Oper.

Der geplante Bau einer Interims-Spielstätte für die Stuttgarter Oper im Schlossgarten stößt bei Naturschützern auf Widerstand. Eine Ersatz-Oper zur Überbrückung der mehrjährigen Sanierungszeit - etwa auf dem Eckensee - sei aus vielen Gründen nicht hinnehmbar, sagte der Geschäftsführer des BUND Regionalverbands Stuttgart, Gerhard Pfeifer, gestern. "Bei aller Wertschätzung der Stuttgarter Oper, aber eine Ersatz-Oper in Oberen Schlossgarten ist für den BUND absolut inakzeptabel."

Der Eckensee etwa erfülle an heißen Tagen eine kühlende Wirkung für die Innenstadt, sagte Pfeifer, sei wichtiger Lebensraum für Wasservögel und für viele "eine einzigartige Gelegenheit, Wildtiere hautnah mitten in der Stadt zu erleben". Auf eine Fläche daneben, die ebenfalls ins Spiel gebracht wurde, müssten etliche Großbäume gefällt werden, die Heimat für streng geschützte Fledermäuse, Juchtenkäfer und Vogelarten seien. Nach dem "Kahlschlag" durch die Baustelle Stuttgart 21 drohe ein weiterer Parkverlust.

Im Stuttgarter Rathaus hieß es gestern dazu beschwichtigend, es gebe noch keine Vorfestlegung auf einen Standort. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) habe im Verwaltungsrat versichert, dass mehrere Standorte geprüft werden. Der Eckensee sei eine mögliche Option.

Wenn das gut 100 Jahre alte Opernhaus saniert wird, soll die Oper für mehrere Jahre in eine anderen Spielstätte ausweichen. Der Verwaltungsrat der Staatstheater prüft unter anderem ein mehrstöckiges Interimsgebäude auf dem Gelände des bisherigen Eckensees vor dem Opernhaus. Auf der Suche könne es keine Tabus geben, sagte OB Kuhn. Eine Spielstätte außerhalb der Stadtgrenzen, etwa in Ludwigsburg, komme aber nicht infrage.

BUND-Geschäftsführer Pfeifer hingegen regte genau das an: Neben dem Ludwigsburger Forum komme auch eine ehemalige Mercedes-Niederlassung nahe der Stuttgarter Innenstadt infrage, in der bereits das Schauspiel mal eine Sanierungszeit überbrückte. "Auch für die Oper gilt die allseits anerkannte Umweltformel: Bestehendes zu nutzen ist ökologisch sinnvoller, als etwas neu zu bauen." Über dies könne auch im Ehrenhof des neuen Schlosses ein Ersatzbau entstehen.

Der Verwaltungsrat der Stuttgarter Staatstheater hatte zuvor erste Leitlinien für die Sanierung des Opernhauses verabschiedet. Ein Schwerpunkt des von Kunstministerin Theresia Bauer gewünschten "großen Wurfes" ist die verbesserte Funktionalität der Bühne in dem mehr als 100 Jahre alten Bau.

Als "Hausnummer" für die gesamte Sanierung nannte Kuhn 300 bis 400 Millionen Euro, von denen Stadt und Land jeweils die Hälfte zahlen. Spekulationen über Kosten von bis zu 600 Millionen Euro wies er zurück. Bauer betonte, die Sanierung dürfe kein Fass ohne Boden werden. Die Entscheidungen würden mit Augenmaß gefällt. Kuhn erinnerte an die Kostenexplosion der Elbphilharmonie in Hamburg: "Das darf uns nicht passieren." Der Zeitrahmen für Planung und Arbeiten werde sieben bis neun Jahre umfassen.