Justiz Nase geprellt, Heckscheibe zerbrochen

Schwäbisch Hall / Eleonore Heydel 21.06.2018

Ein Parkplatzstreit mit tumultartigen Szenen hat das Schwäbisch Haller Amtsgericht beschäftigt. Angeklagt war eine bisher unbescholtene 58-jährige Audi-Fahrerin. Sie hatte am 16. Januar im Teurershof schräg auf dem privat gemieteten Stellplatz eines Bewohners geparkt. Als sie wegfahren wollte, geriet sie mit dem erregten Inhaber des Parkplatzes in einen heftigen Streit. Nachbarn riefen die Polizei, die daraufhin mit vier Streifen anfuhr.

„Sie wollte meinen Sohn überfahren!“, behauptet der empörte Parkplatz-Inhaber in der Verhandlung. Der 43-jährige Maschinenführer hatte damals sein Fahrzeug mindestens 50 Meter entfernt abstellen müssen. Als er die Frau vor ihrer Abfahrt lauthals zur Rede stellen wollte, mischte sich der Sohn der Frau ein. Der 27-Jährige fackelte nicht lange und versetzte dem Älteren einen Faustschlag ins Gesicht.

Sohn rettet sich mit Sprung

Daraufhin stieg der Sohn ins Auto der Mutter, um mit ihr wegzufahren. Das aber wollte der Angegriffene, der eine Nasenprellung erlitten hatte, nicht zulassen. Er versuchte, die Beifahrertür aufzureißen. Die Hausfrau am Steuer des Audis gab dennoch Gas. Jetzt griff zusätzlich der Sohn des Parkplatz-Mieters ein. Der 19-Jährige stellte sich dem anfahrenden Audi mutig in den Weg.

„Ich habe abgebremst, aber ich habe keine Vollbremsung hingelegt“, bekennt die angeklagte Frau. Der 19-Jährige reagierte aber schnell: Er konnte sich durch einen Sprung zur Seite retten. Fast zeitgleich schlug sein verletzter Vater mit der bloßen Hand die Heckscheibe des Audis ein. Nachdem die Polizei geschlichtet hatte, nahm sie die Ermittlungen auf.

Schläger bereits verurteilt

Längst hat der rabiate Sohn der Hausfrau eine Geldstrafe wegen Körperverletzung akzeptiert. Es geht aber um mehr. Der Parkplatz-Mieter fordert für sich persönlich ein Schmerzensgeld. Die Hausfrau dagegen stellt ihm einen Betrag von 1900 Euro für eine neue Heckscheibe in Rechnung. Bezahlt ist noch nichts. Anwälte sind eingeschaltet.

In dieser Situation zieht das Haller Amtsgericht zumindest unter die gefährliche Fahrweise der Hausfrau einen vorläufigen Schlussstrich. Das gegen sie gerichtete Verfahren wegen Nötigung soll eingestellt werden, sobald die 58-Jährige einen Geldbetrag von 200 Euro an die Staatskasse gezahlt hat. Zusammen mit ihrem Verteidiger sagt sie die Zahlung zu.

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