Geschichte Namensursprung unter Brennesseln

Uwe Leibensperger (Sechster von links) und knapp 40 seiner (Beinahe-)Verwandten.
Uwe Leibensperger (Sechster von links) und knapp 40 seiner (Beinahe-)Verwandten. © Foto: Erwin Klein
Bühlertann / Sonja Alexa Schmitz 23.06.2018
Aus vielen Ecken kommen Menschen auf den Leippersberg zum Familientreffen. Ihr Name ist Leipensberger – oder so ähnlich.

Wären dort nicht gerade rund 50 Menschen, gedankenversunken, hoch interessiert,  oder einfach nur in Plauderlaune, versammelt, wäre dort nichts. Den Leippersberg bei Bühlertann gibt es noch, die Gebäude darauf nicht mehr. Die Menschen, die sich dort an einem sonnigen Junisamstag treffen, haben eine Gemeinsamkeit: Sie tragen denselben Nachnamen, allerdings mit leichten Varianten. Leipersberger, Leibersperger und Leibens­perger.

„Mein Name entstand wohl durch einen Schreibfehler im Jahr 1769“, sagt Uwe Leibensperger. Er hat das Familientreffen organisiert. Vor knapp 30 Jahren hat den gebürtigen Sachsen ein Hans Leipersberger, Pfarrer aus Neubronn im Kreis Mergentheim, angeschrieben. Er forschte in der Familiengeschichte und lud alle zwei Jahre zum Treffen. Hans Leipersberger verstarb 2009. Nun hat Uwe Leibensperger, zum ersten Mal seit 22 Jahren, wieder ein Treffen in die Wege geleitet.

Der 61-jährige Rentner und ehemalige Elektroinstallateur lebt in Oberlungwitz bei Zwickau. Von dort aus hat er ein, wie er sagt, „straffes Programm“ organisiert. Treffen im Gasthof Bären am Vormittag, im Autokorso zum Leippersberg hoch, Mittagessen im „Bären“, Besichtigung der Tannenburg, Kaffee und Kuchen im „Bären“.

Das Highlight, neben dem wohl unglaublich guten Kuchen, den die Frauen des Bühlertanner Heimatvereins gebacken haben, war die Zeit, die sie auf ihrem alten „Hausberg“ verbringen durften. Erwin Klein, Hobbychronist, Autor und Vorsitzender des Heimatvereins hat sie dort empfangen. Er und zwei weitere Vereinsmitglieder haben die Stelle, an der das Zuhause der Vorfahren 13. Generation von Uwe Leibensperger stand, freigesenst.

Erwin Klein zeigt Fotos aus den 1960er-Jahren, als noch ein Schäfer nebst Herde die heruntergekommenen Gebäude als Unterschlupf nutzte. 1912 war ein Teil des ehemaligen Gutshofs, den der Haller Georg Leiberßberger 1380 erwarb, abgebrannt.

Brunnen und Keller erhalten

Erwin Klein zeigt den Leippersberger Nachfahren die Grundrisse des kleinen Weilers, wie er ihn aus Archiven rekonstruieren konnte. Erhalten sind noch ein Brunnen, Keller und Entlüftungsschächte. Von Pflanzen überwucherte Fensterstürze machen glaubhaft, dass dort wirklich einmal die Vorfahren gelebt haben könnten. „Das ist beeindruckend“, sagt Uwe Leibensperger, „sich vorzustellen, dass hier der Ursprung unseres Namens herstammt.“

Obwohl sich viele der aus Mühlheim an der Ruhr, Hannover, Österreich und sogar Norwegen angereisten Personen nicht oder kaum kennen, fühle es sich an wie eine echte, große Familie. 75 Rundbriefe hat der Sachse verschickt, die Adressen hatte er von Hans Leipersberger. Alle wollten kommen, einige waren verhindert, schließlich standen sie zu 45 Leipersbergern, Leibenspergern und Leipensbergern auf dem Hügel und schauten in die Vergangenheit.

Im Haller Tagblatt wurde bereits 1962 über die langsam verfallenden Gebäude im Bühlertal geschrieben und im Jahr 2015 erschien noch einmal ein Bericht über das, was dort heute kaum noch zu sehen ist. Darin wurde auch eine gespenstische Geschichte der Anastasia Kurz, einer Bewohnerin des Leippersbergs, erzählt. Sie soll ihre Kinder durch die Angerschenmühle (Rübenmühle) gedreht und den Schweinen zum Fraß vorgeworfen haben. Der Geist der Frau habe nie Frieden gefunden und spuke immer noch auf dem Berg herum.

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