Tierschutz Nächtlicher Kampf auf Putenfarm in Ilshofen - In Leutenbach sterben 250 Tiere

Hallen des Putenbetriebs in Ruppertshofen, in den in der Nacht zu Montag drei Personen aus dem KreisTübingen eingedrungen sind. Der Landwirt wurde bei Rangeleien mit den Tätern verletzt.
Hallen des Putenbetriebs in Ruppertshofen, in den in der Nacht zu Montag drei Personen aus dem KreisTübingen eingedrungen sind. Der Landwirt wurde bei Rangeleien mit den Tätern verletzt. © Foto: Ufuk Arslan
Ilshofen / WOLF-DIETER RETZBACH 12.05.2015
Drei Tierschützer sind in der Nacht zu Montag in den Stall der Putenfarm Gehring in Ruppertshofen eingedrungen. Danach verletzten sie den Landwirt. Die Täter stammen aus dem Kreis Tübingen.
Die Täter kommen in der Nacht. Auf dem Gelände der Putenfarm Gehring gehen sie in den Stall. Dort beginnen sie, die Puten zu filmen. Dann kommt der Landwirt hinzu, der gegen 1 Uhr über einen Bewegungsmelder telefonisch alarmiert worden war. Die Eindringlinge versuchen zu flüchten, die Frau des Landwirts ruft die Polizei an. Der Grundstücksbesitzer verfolgt die Täter, es kommt zu Rangeleien. Ein 27-Jähriger versprüht Pfefferspray und verletzt den Landwirt leicht. So stellt die Polizei den Vorfall in der Nacht zu Montag dar. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft in Berlin, den die Familie für sich sprechen lässt, teilt mit, dass einer der Tierschützer den Landwirt vom Stall bis zu dessen Wohnhaus verfolgt habe. In dem Haus habe das Ehepaar den Eindringling in ein Zimmer gesperrt, bis die von der Ehefrau gerufene Polizei kam.

Fakt ist: Der Landwirt wird nicht schwer verletzt, aber doch so schwer, dass er in ein Krankenhaus kommt. Die Eindringlinge im Alter von 27, 19 und 22 Jahren kommen aus dem Kreis Tübingen, teilt der Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen, Klaus Hinderer, mit. Zu den Motiven hätten sie sich nicht geäußert, die Polizei bezeichnet sie als „Tierschützer“. Die Polizei ermittelt gegen sie wegen Hausfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung, weil der Mann mit Pfefferspray gegen den Landwirt vorgegangen ist.

Laut Polizei sind bei der nächtlichen Aktion in dem Ilshofener Stall keine Tiere gestorben. Etwa 250 tote Tiere gab es aber bei einer vergleichbaren Aktion in Leutenbach. (Rems-Murr-Kreis). Auch dort war am Sonntagabend in eine Putenhaltung eingebrochen worden. In einem Außenstall wurden die Tiere wohl erschreckt, so dass sie in Panik gerieten und starben. „Puten sind grundsätzlich schreckhafte Tiere, die durchaus stressanfällig sind“, sagt Christiane von Alemann vom Zentralverband der Geflügelwirtschaft.
Ob es die Eindringlinge von Leutenbach waren, die auch den Betrieb in Ruppertshofen heimsuchten, sei noch nicht bekannt, sagt Polizeisprecher Hinderer: „Man kann es nicht ausschließen.“

Die attackierte Putenfarm in Ilshofen hatte vor wenigen Jahren einen Antrag zur Erweiterung des Betriebs mit neuen Ställen gestellt. Vor zwei Jahren genehmigte das Stuttgarter Regierungspräsidium den Antrag, heißt es aus dem Ilshofener Rathaus. Die Zahl der Puten in dieser Farm liege seitdem bei 48.000.
Der Betrieb liegt mitten in einem Zentrum der Putentierhaltung im Land. Der Landkreis Hall ist in Baden-Württemberg jener Kreis, in dem am meisten Puten gehalten werden, teilt das Regierungspräsidium auf HT-Nachfrage mit. Innerhalb des Kreises Hall seien Rot am See und Ilshofen der Mittelpunkt der Putenhaltung. Der Grund: In Rot am See gab es einen großen Schlachtbetrieb, der laut Bürgermeister Siegfried Gröner 2014 wegen Insolvenz still gelegt wurde. Die Mastbetriebe, die sich im Umfeld angesiedelt hatten, gibt es nach wie vor.

Tierschützer dringen in Putenmastbetrieb ein
54 Betriebe, 750.00 Puten
Betriebe
Im Landkreis Schwäbisch Hall gibt es derzeit 54 Betriebe, die jeweils mehr als 1000 Tiere halten. Insgesamt gibt es in diesen Betrieben etwa 750.000 Puten, teilt Christina Ilg vom Landratsamt Schwäbisch Hall mit. Die Putenmastbetriebe im Kreis würden drei bis vier Mal pro Jahr amtstierärztlich überprüft. Das Veterinäramt hat im vergangenen Jahr in einer Schwerpunktaktion die Einhaltung von Eckpunkten überprüft.

Haltung Diese bundesweiten Eckpunkte für eine freiwillige Vereinbarung zur Haltung von Mastputen sind laut Landratsamt letztmals im März 2013 aktualisiert worden. Für die Putenmast seien auf nationaler Ebene bisher keine speziellen Rechtsvorschriften erlassen worden. Auf europäischer Ebene gebe es eine Empfehlung in Bezug auf Puten.
 
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