Schwäbisch Hall Nacktbilder und sexuelle Belästigung

Jugendrichterin Katja Kopf bei ihrer Rede.
Jugendrichterin Katja Kopf bei ihrer Rede. © Foto: Verena Köger
Schwäbisch Hall / Verena Köger 19.11.2018
Richterin Katja Kopf spricht nachdenkliche und aufmunternde Worte für Eltern, Betreuer und Lehrer.

Busenkniffe, Poklatscher, Drohnachrichten – als Jugendrichterin am Haller Amtsgericht hat Katja Kopf regelmäßig mit Sexualstraftaten zu tun. Die 47-Jährige klärt bei der Eröffnungsfeier zunächst über die Rechtsgrundlage auf: Strafmündig sind Personen in Deutschland ab 14 Jahren. Alles, was gegen den Willen eines Kindes und eines Jugendlichen mit sexuellem Bezug passiert, ist verboten. 27 Paragrafen zu Sexualstraftatbeständen gibt es. Hinzu kommen die Vorschriften zu Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung. An Beispielfällen gibt die Richterin Einblick in ihren Berufsalltag. Einer drohte, Nacktbilder seiner Ex-Freundin im Netz zu veröffentlichen. Schüler fassten Mädchen in einem abgedunkelten Geräteraum an Busen und Gesäß.

Kopf fragt sich, wie sie in Zeiten, in denen im Vorabendprogramm Werbung für Sexartikel gesendet werden, ihren eigenen drei Kindern einen „normalen“ Umgang mit Sexualität nahebringen soll. Ihre Antwort darauf: Vorbild sein – im Verhalten, im Wortschatz und im respektvollen Umgang. Außerdem: Aufklären. „Es ist nicht wichtig schon mit 15 alles gesehen und erlebt zu haben“, so Kopf. Als dritten Punkt nennt sie den Umgang mit dem Handy und den sozialen Medien. Ihr Tipp: Schutzprogramme installieren. Sie gibt zu bedenken, dass viele Eltern ihre Kinder Chat­apps nutzen lassen, obwohl diese noch nicht 16 Jahre alt sind.

Kein erhobener Zeigefinger

Im Gespräch nach dem offiziellen Teil weist Kopf darauf hin, dass sich Jugendliche trotz guter Erziehung zu Straftaten hinreißen lassen. „Ich sehe Eltern mit ihren Kindern im Gerichtssaal und bin sicher, dass sie ihr Mögliches getan haben. Dennoch sitzen sie dort“, sagt Kopf. „Der Nervenkitzel veranlasst Jugendliche, Grenzen auszureizen. Dann wissen sie nicht, wann Schluss ist.“

Sie legt ans Herz, sexuelle Gewalt auf Elternabenden oder im Klassenrat anzusprechen. Auch Schullandheime bieten eine gute Gelegenheit. Durch die lockere Atmosphäre trauen sich Schüler, sich zu öffnen. Außerdem sei der ständige Austausch zwischen Eltern und Kindern wichtig. „Aber ab einem gewissen Alter blocken Kinder einfach ab.“ Dann könnten Bücher helfen. Kopf betont, dass sie nicht mit erhobenem Zeigefinger dastehen möchte. „Eltern können nicht auf alles Einfluss haben, auch wenn man sich das wünscht“, verdeutlicht die Mutter.

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