Immer wieder gab es in den letzten Jahren Probleme mit der Qualität des Trinkwassers in der Siedlung Grafenhof. Nach starken Regenfällen war das Wasser im Brunnen bei Röhmen oft verkeimt und musste gechlort werden. Auf das marode Ortsnetz in der Siedlung am Rande der Gemeinde in Richtung Rosenberg und Adelmannsfelden wirken sich vor allem die Druckschwankungen im Netz aus. Sie führen zu Lecks in den Leitungen. Ausgelöst werden sie durch die Druckerhöhungsanlage, die das Wasser von den Brunnen hinauf zum Grafenhof pumpt.

Wasser aus Kammerstatt

Schon im September 2016 hat der Bühlerzeller Gemeinderat, damals noch unter dem Vorsitz von Bürgermeister Franz Rechtenbacher, beschlossen, den Grafenhof künftig aus dem 150-Kubikmeter- Hochbehälter in Kammerstatt mit Wasser zu versorgen. Er wird von mehreren Tiefbrunnen mit guter Wasserqualität gespeist. Um genug Wasser für den Grafenhof zu haben, müssen, so Bühlerzells Bürgermeister Thomas Botschek, zusätzlich zwei Quellen an den Wasserturm angeschlossen und ihr Wasser entsprechend aufbereitet werden.

Um das Wasser von Kammerstatt zum Grafenhof zu leiten, ist keine Druckerhöhungsanlage nötig, weil Kammerstatt höher liegt als der Grafenhof. Das ist ein großer Vorteil, denn bisher war bei Stromausfall im Grafenhof jedes Mal auch die Wasserversorgung unterbrochen. Ein weiteres Plus: Die Fernleitung des Crailsheimer Wasserversorgers NOW von Heilberg nach Willa liegt nur 60 Meter entfernt. „Sollte das Wasser aus Kammerstatt nicht mehr reichen, wäre eine Versorgung durch die NOW über diese Leitung mit wenig Aufwand möglich“, meint Botschek.

Teure Leitung

Mit dem Bau der Leitung ist erst im September begonnen worden, weil vorher keine Fördergelder zugesagt waren – auf die ist Bühlerzell aber angewiesen. Rund 500 000 Euro kostet die Leitung, die bis zum Grafenhof etwa 2600 Meter lang ist. 80 Prozent der förderfähigen Kosten trägt das Land. Eine Abzweigung führt nach Röhmen und zur Röhmensägmühle.

Auch im Abwasserkanalsystem gibt es immer wieder Probleme. Dieses gehört allerdings nicht der Gemeinde, sondern ist Teil der Insolvenzmasse der Firma Tele-Immobilien von Alfred Ostermeier, dem der Grafenhof zuletzt gehörte. „Wenn da etwas defekt ist, müssen letztendlich wir es reparieren, weil vom Insolvenzverwalter nichts zu holen ist“, erläutert Thomas Botschek. Erst kürzlich musste die Gemeinde wieder einmal eingreifen. Nur die Kläranlage, die schon immer von der Gemeinde betrieben wurde, aber ihr nicht gehörte, ist noch unter Franz Rechtenbacher an Bühlerzell übergegangen.

Ramona Kellner von der Pension Grafenhof schimpft über nicht abfließendes Wasser bei Regen. „Die Gräben gehören mal wieder ausgeräumt. Das läuft alles vor unser Hotel“, beschwert sie sich.

Rechnungen nicht bezahlt

Sehr unangenehm sei für ihre Hotelgäste, dass es nachts auf dem Grafenhof zappenduster ist. „Das ist ein Unding“, so die Hotelbetreiberin. Der Stromversorger liefert schon seit rund drei Jahren keinen Strom mehr für die Straßenbeleuchtung, weil der Investor seine Rechnungen nicht bezahlt. „Manche Bewohner haben solarbetriebene Lampen aufgestellt und gehen bei Dunkelheit nur mit Stirnlampe raus“, berichtet Botschek. Aber auch daran könne die Gemeinde nichts ändern, solang ihr der Grund nicht gehört und der Insolvenzverwalter seine Hand darauf hat. Das Insolvenzverfahren läuft schon seit August 2015 ohne Aussicht auf ein baldiges Ende.

Bauplätze werden angeboten

Die Firma ZG-Immobilien aus Dachau bei München bietet derzeit neun erschlossene Grundstücke zwischen 500 und 757 Quadratmetern an. Es sind Baulücken innerhalb der bestehenden Bebauung. „Der Insolvenzverwalter hat uns beauftragt, die Bauplätze zu veräußern“, teilt Mitarbeiter Dominik Wittmann mit. Verkauft ist bisher noch keiner. „Dafür stehen sie noch zu kurz zum Verkauf, aber es tut sich einiges“, so Wittmann gegenüber unserer Zeitung. Der Quadratmeterpreis liegt bei 70 Euro plus 5,95 Prozent Provision.

„Ursprünglich sollte die Siedlung viel größer werden“, weiß Manfred Kling, der unter dem Vorgänger von Alfred Ostermeier einst für die Wasserversorgung im Grafenhof zuständig war. Die restlichen Bauplätze seien aber noch nicht erschlossen. Manfred Kling ärgert, dass jetzt erst einmal die „Rosinen“, sprich die erschlossenen Grundstücke, veräußert werden sollen.

Insolvenzverwalter: Gesamtlösung weiterhin möglich


Das Insolvenzverfahren begann im August 2015. Insolvenzverwalter ist Stephan Amman von der Pluta Rechtsanwalts GmbH. Bisher hat sich kein Investor gefunden, der die gesamte Anlage übernimmt. „Deshalb verkauft die Insolvenzverwaltung aktuell die einzelnen Grundstücke an Einzelinvestoren. Dennoch ist der Verkauf im Rahmen einer Gesamtlösung weiterhin möglich. Das Team steht Interessenten für Gespräche dazu gerne bereit“, lautet die Auskunft. siba