Mainhardt/Ludwigsburg Nachsendeauftrag der Deutschen Post funktioniert nicht

Rainer Bruns holt einen an die alte Adresse seiner Mutter adressierten Brief, den er Anfang August zu Testzwecken aufgegeben hat, aus dem Briefkasten. Dieser ist dann endlich ordnungsgemäß über den Nachsendeantrag zugestellt worden.
Rainer Bruns holt einen an die alte Adresse seiner Mutter adressierten Brief, den er Anfang August zu Testzwecken aufgegeben hat, aus dem Briefkasten. Dieser ist dann endlich ordnungsgemäß über den Nachsendeantrag zugestellt worden. © Foto: Norbert Acker
Mainhardt/Ludwigsburg / Norbert Acker 25.08.2018
Rainer Bruns aus Mainhardt ärgert sich über die Deutsche Post. Wichtige Briefe für seine Mutter, die bis 2017 im Kreis Ludwigsburg gelebt hat, sind nicht angekommen. Ihr Verbleib ist ungeklärt.

Seit Weihnachten 2017 lebt die 92jährige Mutter von Rainer Bruns in seinem Haus in Mainhardt. Gesundheitlich hat das Alleinleben in ihrer Wohnung in Walheim im Kreis Ludwigsburg nicht mehr geklappt. „Da sich herausstellte, dass sie nicht wieder zurück kann, habe ich im März einen gebührenpflichtigen Nachsendeantrag bei der Post gestellt“, erzählt Bruns. Doch es kam einfach nichts an. Erst sei ihm nichts aufgefallen, „meine Mutter bekommt eh nicht viel Post“, so Bruns. Doch im Juli hat er sich dann gefragt, wo denn der Rentenbescheid seiner Mutter bleibt. Auch eine neue Versichertenkarte sei nicht angekommen.

Schriftliche Beschwerden

Nach einer ersten schriftlichen Anfrage bei der Post, auf die es keine Antwort gegeben hat, hat Bruns es dann telefonisch versucht. „Dort habe ich zu hören bekommen, dass ich in den nächsten drei bis fünf Tagen informiert würde“, so der 72jährige Pensionär, der seit sieben Jahren in Mainhardt lebt. Überrascht hat ihn dann ein Brief, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass zwar ein ordnungsgemäßer Nachsendeauftrag vorliege, man aber aus datenschutzrechtlichen Gründen nur eingeschränkt nachforschen könne, wo denn die Post abgeblieben sei. „Auch andere Postdienstleister würden Briefe befördern, war da noch zu lesen“, so Bruns. „Wenn  ich noch Fragen hätte, soll ich mich einfach melden.“

Das hat sich das langjährige Vorstandsmitglied eines Ludwigsburger Automobilzulieferers nicht zwei Mal sagen lassen. „Ich habe darauf am 22. Juli mit einer schriftlichen Beschwerde an den Kundenservice der Deutschen Post AG reagiert und diese Beschwerde auch dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Frank Appel zur Kenntnis gegeben“, erzählt der Diplom-Ingenieur. Daraufhin sei ihm mitgeteilt worden, dass man aus Kulanz den Nachsendeauftrag bis Ende Juli verlängere. „Nur kein Wort zur Behebung der Schlamperei“, ärgert sich Bruns.

In Geduld üben

Er schickt dem Nachsendeservice der Post eine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse. Die Konzernleitung in Bonn meldet sich am 30. Juli und teilt mit, dass er sich noch in Geduld üben möge. Es würden noch einige Recherchen angestellt. Am 31. Juli weist er die Konzernleitung nochmals auf die Dringlichkeit wegen der „hochoffiziellen, nicht zugestellten Dokumente meiner Mutter“ hin und räumt eine Woche für Recherchen ein. Juristische Schritte hat er nicht ausgeschlossen. Im Antwortschreiben ist zu lesen, dass die Zustellerin für die Walheimer Adresse seiner Mutter mitgeteilt habe, dass seit Monaten keine Briefe mehr eingegangen seien. Er bekomme den für den Nachsendeantrag bezahlten Betrag aber erstattet.

Anfang August macht Bruns die Probe aufs Exempel und schickt einen Testbrief an die alte Adresse seiner Mutter. Dieser kommt endlich ordnungsgemäß an. Auch das versprochene Geld hat er mittlerweile erhalten. Er ärgert sich trotzdem über die Post. Sie habe mit einigen Qualitätsmängeln zu kämpfen, seit Jahren bekomme sie keine Verbesserung hin. „Wenn man selbst betroffen ist, und dann in solch einem Fall von Dokumenten-Verlust, ist es schwer, wenn nicht unmöglich, große Toleranz zu zeigen“, sagt er abschließend.

Die Reaktion der Deutschen Post AG auf den Mainhardter Fall

Ein Verlust von Briefen erschließt sich der Post nicht. „Ich kann versichern, dass alle Beteiligten – die Zusteller in Walheim und Mainhardt sowie deren Vorgesetzte und das Nachsendezentrum über den Nachsendeauftrag informiert sind oder waren“, sagt auf Nachfrage dieser Zeitung Gerold Beck von der Pressestelle Süd der Deutsche Post DHL Group. Ein Testbrief von Bruns sei ja ordnungsgemäß behandelt worden. Der Rentenservice könne leider aus Gründen des Datenschutzes und des Postgeheimnisses keine Details – auch zum Postverkehr – zu einzelnen Versicherten nennen.

Pro Tag erhalte die Post eine Vielzahl von Nachsendeaufträgen, mit denen Kunden die Postnachsendung wegen Umzug oder vorübergehender Abwesenheit beauftragen. „Für diese Kundenwünsche gibt es für alle unsere Zusteller eine einheitliche und klar geregelte Vorgehensweise“, so Beck. In den Spinden der Zusteller werde bei der Straße und Hausnummer eine sogenannte Merkkarte eingelegt. Alle zu dieser Adresse ankommenden Briefe und Postkarten würden in einen speziellen Behälter eingelegt und täglich ans Nachsendezentrum gesandt. „Dort wird die Sendung mit den neuen Adressen belabelt und an diese Anschrift gesandt“, so Beck.

Oft enthielten amtliche Briefe die Verfügung „Bei Umzug bitte mit neuer Anschrift zurück an Absender“. „Dieser Wunsch wird natürlich beachtet“, sagt der Postsprecher. Fehler seien hier nicht vollständig auszuschließen, sie kämen aber relativ selten vor. „Nochmalige Prüfungen vor Ort haben ergeben, dass in dem betreffenden Zustellspind in Walheim eine Merkkarte steckt, dem örtlichen Zusteller ist der Auftrag bekannt und auch beim Nachsendezentrum ist der Nachsendewunsch und die Adresse in Mainhardt hinterlegt“, so Beck. Alle in Walheim eintreffenden Sendungen wurden dem Auftrag entsprechend nach Mainhardt weitergeleitet beziehungsweise an den Absender wunschgemäß mit dem Vermerk der neuen Adresse in Mainhardt zurückgesandt. noa

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel