Sie betritt den Raum, lächelt, schaut den Personen in die Augen, spricht von ihren Ideen, von ihrer Begeisterung fürs Tanzen, ihrer Liebe zum Leben und über ihren Glauben. Ihre Lebensenergie überträgt sich schlagartig auf Mitmenschen. Sie reißt Gesprächspartner, Verwandte, Freunde einfach mit.

Selbst die Diagnose Brustkrebs im Juni 2018 kann Alisa Hagemann nicht stoppen. „Ich habe einen starken Glauben. Ich bin Christin. Ich weiß, dass alles danach wieder gut wird“, sagt sie im Interview im Dezember vergangenen Jahres. Das „studio A tanz & fitness“ in der Kerz gibt sie auf. Doch auch das passt zu der quirligen Frau. Für sie gilt: ganz oder gar nicht. „Es ging von 1000 auf 0 runter. Das ist richtig extrem. Ich hatte eine Sechs-Tage-Woche mit bis zu acht Kursstunden am Tag“, berichtet sie damals.

Mehr als ein Jahr lang widmet sie sich voll dem Kampf gegen und dem Leben mit der Krankheit. Mit einem Instagram-Blog sowie Youtube-Videos gibt sie Tipps für Krebskranke. Sie verliert alle Haare. Doch sie macht Mut, erhält Lob. Zudem arbeitet sie ehrenamtlich als Vorsitzende der Händlervereinigung Hall aktiv. „Sie war so ein positiver Mensch und hat so viele Geschäftsleute und Händler begeistert“, sagt Co-Vorsitzender Karl Kronmüller. „Es ist ein herber Verlust.

Alisa Hagemann wurde am 1. Juli 1986 in Rumänien geboren. Kurz darauf verließ die Familie das Land, da sie in der Ceausescu-Zeit dort keine Zukunft für ihre Kinder sah. Im Alter von vier Jahren lebte Alisa daher in Sydney. Dort sah sie das Michael-Jackson-Video „Thriller“. Sie ahmte den Tanz perfekt nach und führte ihn überall, sogar im Flugzeug, vor. Die Familie zog nach Schwäbisch Gmünd. Alisa Hagemann startete eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau. Sechs Jahre lang führte sie ihr Tanz- und Fitnessstudio in Michelfeld.

Alisa Hagemann stirbt mit einem Lächeln auf dem Gesicht

Am Ende war die Krankheit stärker. „Am 15. August kam die Nachricht: ,nicht heilbar’“, berichtet Marius Hagemann. Er war seit neun Jahren mit Alisa Hagemann (geborene Grauer) zusammen. Die beiden heirateten vor vier Jahren. „Die letzten zwei Wochen war sie ans Bett gefesselt, benötigte Sauerstoff, konnte nichts mehr essen. Das war eine schwere Zeit“, sagt Marius Hagemann (32). „Sie hat bis zum Schluss viel Energie aus ihrem Glauben geschöpft“, berichtet er. Der Überlebenswille der 33-Jährigen sei groß gewesen.

Marius Hagemannn schreibt auf Facebook über den vergangenen Sonntag: „Umso schmerzhafter der heutige Tag, welcher unsere gemeinsame Zukunft nun endgültig beendet. Wie du, während unsere Lieder abgespielt wurden, in meinen Armen friedlich eingeschlafen bist und dabei ein kleines Grinsen hinterlassen hast, zeigt mir, dass du nun an einem besseren Ort bist.“

Auf Nachfrage berichtet Marius Hagemann, dass seine Frau tatsächlich „mit einem Lächeln“ gestorben sei. „Sie war der Meinung: Macht euch keine Sorgen. Denn dort, wo sie jetzt ist, gehe es ihr besser.“ Über Facebook hat der Witwer viel Zuspruch erfahren. Ein Beispiel: „Ich kannte Alisa nicht. Aber es berührt mich dennoch und ich freue mich darüber, wie schön ihr Leben gefeiert wird!“

Am Donnerstag, 19. September, ist die Beerdigung um 14 Uhr auf dem Waldfriedhof. Marius Hagemann schreibt: „Je mehr Leute kommen, desto stolzer macht es mich zu sehen, was Alisa in ihrem kurzen aber intensiven Leben erreicht hat und wie viele Menschen sie berühren und begeistern konnte.“

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